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Keep it wild! Fährtenleser sehen mehr

6. November 2019 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Schonmal ein Eulengewölle auseinandergepult? „Uuh! Wie eklig“, sagen die einen – „Boah! Was war drin?“, die andern… Ich gehör zu den anderen. Seit einem Jahr bringen Tierspuren in jeder Form – vom zierlichsten Krallenabdruck bis zum unförmigsten Speiballen – meine Augen zum Leuchten und mein Hirn zum Schnurren: Was ist das? Von wem stammt es und warum ist es hier?

Globetrotter ist an allem schuld, das will ich mal festhalten. Schuld, dass ich jetzt am Lineal hänge (immer dabei, um gefundene Fußspuren ausmessen zu können), dass Pat an irgendwelchen Matschlöchern auf mich warten muss (wo man solche Spuren findet) – und dass wir neue Regalmeter für Trackingbücher brauchen (in denen ich alles nachschauen kann). Und natürlich, dass ich Bücher gekauft habe wie „Spurenführer“, „Tracks & Signs“ oder Het Prentenboek.

Wenn ich also freudestrahlend gräuliche Klumpen von Brücken klaube, oder unter Burgmauern finde, verdanke ich das einem Paar neuer Gummistiefel… Irgendwer an der Kasse hat wohl ein Heftchen mit Veranstaltungshinweisen dazu gepackt. Beim Durchblättern Zuhause – machen wir sonst nie –, bleiben wir beide bei einem speziellen Outdoorangebot hängen – Fährtenleserausbildung der Wildnisschule Wurzeltrapp: „Wir werden dich in die Geheimnisse der Fährtenkunde und Vogelsprache einweihen.“ Pure Magie…Stalking Wolf…alle Kurse draußen… Die Vögel sagen, ob ein Fuchs kommt und wo er läuft? Boah. Willichwissen… Wochenendkurs für uns beide? “Nee, mach du mal … und nimm den längeren”, sagt Pat. Gebucht.

Ein Jahr später bewege ich mich in einem anderen Wahrnehmungsmodus als früher. Guckhörriechen sowas. Jedes der sechs Wochenend-Seminare war wie ein neues Brillenglas für mehr Tiefenschärfe. In den Wochen dazwischen hatte man als Tracker-Azubine ordentlich zu schuften. Lange her, dass ich Hausaufgaben machen musste und dazu so viel lernen.


 

Unsere Ausbilder Axel und Simone warnten gleichwohl schon in den ersten Stunden: Einmal Tracker immer Tracker. Und Jep. So isses. Früher hab ich regelmäßig mit dem Rad meine Runde durch den Wald gedreht – und war nach 30, 40 Minuten zurück. Heute brauche ich für dieselbe Strecke locker das Vierfache. Mindestens. Weil, Gewölle meinen Weg kreuzen, Reste gefressener Tiere, Kackhaufen allen Alters, und aller Sorten – und natürlich lebendige Tiere zu Wasser, an Land und in der Luft… 1000erlei Anlässe zum träckisch Gucken. Also, Augen auf beim Einkauf! Er könnte dein Leben und das deiner Mitmenschen verändern.

Input, die Erste

Los gings im Spessart mit sechzehn Menschen aus unterschiedlichen Berufen, die eins einte: Die Lust am Draußensein. Außerdem der Wunsch zu verstehen, und mehr, noch mehr über Zusammenhänge wissen zu wollen. Die Beschnupperrunde ganz anders, als ich es sonst kenne und hasse. Jeder erzählte von sich, was er oder sie sagen mochte. Zuvor Danksagung (an alle, die das Wochenende möglich gemacht haben) und Reinigung der Sinne durch Räuchern.

Dieses Innehalten, Dank ausdrücken und Geschichtenerzählen gefiel mir gut, das Räucher-Ritual dagegen erwischte mich kalt:  Eine Muschelschale mit drin glimmenden Kräutern (Beifuß, Salbei und mehr) ging reihum – und dazu eine Bussardfeder, um Stress und böse Gedanken weg und den Rauch um sich zu streichen. Bin ich Indianerin? Mein Bauchkopf sagte „Luft!“ – und schnell weitergeben den Räucherkram. Irgendwann später wird mir ein Trackerfreund sagen, dass Naturvölker sich beräuchern, um für Tiernasen nicht so nach Mensch zu riechen. Okay. Dann her mit Rauchpfännchen und Federwisch.

Endlich gings los. Erstmal die Basics, klar: Trittsiegel – einzelne Trittspur. Fährte – eine Reihe solcher Siegel. Im Zickzack oder in Gruppen. Ein schöner Merksatz lautet: Natur ist Chaos. Das sei die Grundlinie oder Baseline – und wir Tracker suchten nach Störungen. Nach einer bestimmten Form von Ordnung also. Ich höre noch immer Axels Stimme: Muster, Trends, Tendenzen. Darum gehts. Der Refrain des Jahres ist gefunden: Muster, Trends, Tendenzen. Hugh.

So unterschiedliche Typen, und doch habe nicht nur ich das wärmende Gefühl, unter überwiegend Gleichgesinnten zu sein. Eine Spur?! Und Zack: Alle voll auf Fokus. Dennoch. Sechzehn Menschen auf einem Haufen sind anstrengend. Und manche anstrengender als andere. Bei jedem Modul-Wochenende brauche ich Zeit für mich. Alleinsein. Um in der Spur zu bleiben, nicht kaputtzugehen. Mich zu emanzipieren von der Gruppe und ihren Strömungen, ihren Forderungen, ihrem Druck auch manchmal. Also, früh raus und schon mal eine Runde laufen.


 

Die Voraussetzungen dafür könnten nicht besser sein. Unser Ausbilderduo hat quer durch die Republik wunderbare Ecken ausgesucht: Lüneburger Heide, Nürnberger Land, Ostsee, Fichtelgebirge… Natürlich nicht (nur) der schönen Landschaft wegen. Es ging vielmehr um die Vielfalt von Lebensräumen und – damit zusammenhängend – der jeweils vorkommenden Tierarten.

Die Trackerkolleginnen Beate und Maria nehmen wie ich diese Früh-Auszeit. Oft treffen wir uns beim Losgehen, nicken einander zu, gehen jede ihren Weg und genießen das morgendliche Krafttanken. Beim ersten Treffen in frischer Schneelandschaft. Weiß und weiß und was? Ein … Wildschwein? Oh, wow! Wildschwein. Ich folge den Spuren, mach Fotos und auf einmal ein Zaun und Ende. Hm. So hoch können Wildschweine wohl nicht springen, oder?  Ich suche nach weiteren Spuren – und muss zurück.

Dieses Tier ist mein erster Lehrer. Mit Simones Stimme fordert es: Stell dir gute Fragen. Bleib kritisch. Schau genau hin. Irgendwann später kam es mir – Warum bin ich nicht um die Ecke gelaufen, und hab hintern Zaun geschaut? Warum habe ich nicht andre Ideen durchgespielt? Wer könnte denn auch hier gewesen und gesprungen sein?

Waldwiese my Love

Zurück zuhause mit Aufgaben wie Steckbriefe von Huftieren schreiben und zeichnen, Sitzplatz finden, Karte des Platzes zeichnen, Bodenbeschaffenheiten recherchieren…


 

Sitzplatz. Mag sich unspektakulär anhören, ist aber eine Institution, ein echter Bringer. Eigentlich lag es nahe, wo meiner sein würde: Auf der Waldwiese in unmittelbarer Nähe zu zwei Seen, wo wir immer Damwild sehen – und unseren Kater Max begraben haben. Trotzdem habe ich erstmal das Stadtwaldrevier drumherum durchkämmt, mich dabei verlaufen und prächtige Stellen gefunden.

Darunter eine Lichtung, an der ein Bach längs fließt. Als ich hinkam lag dort ein Damhirsch-Schädel mit Geweih, zwei weitere ohne, also Damwild-Ladys, – und noch zwei Geweihschaufeln. Poah – ein Jahrhundertfund. So was hatte ich mir immer gewünscht. Alles sehr cool, aber, es war nicht „mein“ Platz. Denn: diese Tiere hatten hier ja nicht einfach so das Zeitliche gesegnet. Der Jäger hatte seine große Trophäe – in Sichtweite des Hochsitzes – der Natur zum Reinigen und Bleichen überlassen.

Also zurück auf los. Auf unsere Waldwiese. Die hab ich dann erstmal vom Müll befreit. Weinflaschen, Plastikbeutel, Chipstüten sowas. Bah. Zwei Trinkgläser fand ich an eine Baumwurzel gelehnt. Hier haben zwei gelegen und es sich schön gemacht… In einem der Gläser fand ich ein winzigkleines Vogel-Skelett. Wahrscheinlich war das Kerlchen des süßen Tropfenrests wegen hineingeschlüpft und kam dann nicht mehr raus. Das jedenfalls ist der traurige Film in meinem Kopf. An mir, was Gutes draufzusetzen.


 

Ich kenne die Wiese gut. Aber dort eine Stunde lang nur sitzen – das war neu. Meditation pur. Während meines Trackerjahrs war ich fast jede Woche da. Hab also rund 50 Stunden zu allen Tag- und Nachtzeiten da gesessen. Bei Regen, Nebel, zartem Frühlingslicht, brülleheißer Sonne, goldener Herbststimmung und minus zwei Grad Frost. Ich war keinen Tag krank.

„Sitzplatz“, das bedeutet auch: Vor Ort Notizen machen und zuhause Protokoll schreiben. Etwa so:

21. Juni, 4 Uhr 20.
Drei Damhirsche. Später noch eine Hirschkuh.
Vogelansitz: Harmonie. Singen. Leiser, kurzer Bodenalarm, links von mir näherkommend, dann Stille. Stille.
Ich schau nach oben – nichts, keine Vogelwächter in den Baumwipfeln. Was ist los? Auf einmal nehme ich genau vor mir einen Fuchs wahr, der die Wiese quert – und in exakt die Richtung verschwindet, wo ich zuvor die Fuchs-Losung (Kackwurst) gefunden hatte. Die Vögel hatten ihn tatsächlich angekündigt.

Der Beginn des wärmeren Wetters zeigte sich auch durch Haarbüschel vom Damwild. Sie rupften es maulweis aus. Ein schönes Büschel wie zum Tausch dort, wo ich zuvor einen Apfel hingelegt hatte. Federleicht und warm. Als spürte ich die Essenz und Lebendigkeit des Tiers in meiner Handhöhle.

Irgendwann stolpert man als Fährtenleserin natürlich auch über weniger hübsche Fraßspuren und tote Tiere. Spannend. Ich, die ich früher umkippte, wenn Blut floss, beuge mich jetzt über tote Tiere. Schau genau hin bei jedem Roadkill, um alle Einzelheiten aufzunehmen.


 

So habe ich meine erste und bisher einzige Sperberin gesehn. Oder nahe meinem Sitzplatz den Rest eines Krötendinners.

Bussard oder ein Marder? Ich weiß es nicht, jedenfalls war das Tier sauber gehäutet. Beinmuskeln und Bauch. Blau, weiß und rot. Ein Weibchen? Das Glibberpaket in unmittelbarer Nähe war wohl unbefruchteter Laich. Hab ich das Mahl unterbrochen? Paar Tage später kam die Reinigungsmannschaft: Rothalsige Silphen, schicke Aaskäfer, deren hubbelige, schwarze Panzer der eingetrockneten Krötenhaut zum Verwechseln ähnlich sehen. Fressen, Paaren, Eier legen – bei Silphens geht das alles ratzfatz.

Input, die Zweite

Das zweite und dritte Treffen verbrachten wir unter Brücken und auf dem Acker. Die ersten Fußspuren, Yay! Dachs im Trab, Fuchs, Hund, Reh, Fischotter und Marder… Wer? Welcher Fuß, welche Gangart? So lauten die immer wieder kehrenden Fragen. Und unsere Aufgabe war immer: Zeichnen, was wir sehen. Auf meinen ersten Zeichnungen sieht man – so gut wie nichts. Ausdruck des inneren Knotens. Ich sah entweder erst gar nichts – Fuchs? Wo!?! Oder vermochte es nicht zuzuordnen. Erst mit der Zeit wurden die Konturen scharf, die Umrisse klar – sah man, um welchen Fußabdruck es sich handeln könnte.

Schon die pure Unterscheidung von Hund, Fuchs, Katze oder Marder sind anfangs (und auch später noch) Herausforderung genug, aber dann auch noch zu erkennen, ob das Tier gelaufen, getrabt, gesprungen oder galoppiert ist…

Mein erstes Trackingrätselerlebnis hatte ich um die Ecke an einem Bach. Ich seh sie schon von weitem: Herrliche Trittsiegel, paarweis auf der anderen Uferseite. Marder vielleicht? Hin und messen, genau hinschauen, Abstände zwischen den Tritten messen. Zur Hölle! Wer, bitte, war das? Tier, Pfote – soweit klar. Aber ich kapier nicht, wie dieses Tier gelaufen ist. Nicht, was es da gemacht hat – und hab wirklich keinen blassen Schimmer, welches es gewesen sein könnte.


 

Die Zeichnungen und das Blättern in der frisch angeschafften Trackerliteratur, bringen mich nicht weiter. Solche Abdrücke hats da nicht. Geholfen hat – Instagram. Da nämlich postet eine Mittrackerin genau so eine Spur, Unter den Hashtags finde ich die Lösung: #raccoon. Raccoon? Waschbär! Hatte mir nicht vorher eine Katzensitterin erzählt, ihre Katze sei von einem Waschbär gebissen worden? Bei uns? Quatsch! Hatte ich gedacht. Hier gibts doch keine Waschbären. Tscha. Von wegen. Da war der Beweis.

Wer in der Lage ist, solche Beweise sauber zu sammeln, kann Tiere lokalisieren, die andere nie zu Gesicht bekommen – und damit durchaus auch mal Forschung oder Wildtier-Monitoring behilflich sein. Auch deswegen lernen wir das. Aufgabe bis zum Abschluss: Fährten von 14 verschiedenen Säugetieren sauber zu dokumentieren. Dafür galt es, die bekannte Umgebung zu scannen oder auch zu verlassen, um Tiere und ihre Spuren ausfindig zu machen, die es hier nicht gab. Wildschwein zum Beispiel. Gibts bei uns in direkter Nähe nicht.

Deswegen stand ich irgendwann auf einem Acker, wo ich Wildschweine vermutete. Spuren gabs en masse, aber nicht von Wildschweinen, sondern von Rehen. Leider von zu vielen. Einzelne Fährten waren nicht auszumachen – aber eine Hundespur. So gings mir oft – gestartet für Nutria, zurückgekommen mit Wildschwein. „Don’t try so hard“, ermunterte Axel mich einmal, dreimal…

Gut, dann eben Hund, dachte ich, und packte mein Tracker-Besteck aus. Zollstock und Lineal, Bleistift und Block sowie gefärbte Holzspieße, um die einzelnen Tritte zu markieren – und auch auf Fotos dokumentieren zu können, wie das Tier gelaufen ist. Ja, und wie denn? Ich brütete ewig darüber, versuchte mir vorzustellen, wie der Hund seine Füße gesetzt hat, machte Verrenkungen und scherte mich nicht darum, was die Spaziergänger wohl dachten.

Die meisten Zuschauer reagieren ja mit einer Art von Ehrfurcht und lächeln still – oder fragen direkt, was man da treibt. Sieht schon sehr wissenschaftlich aus, wenn man mit Messinstrumenten und Block und voll konzentriert in der Matsche hantiert. Erst einer hat mich bisher gefragt, ob ich „Fährten bestimme?“


 

Am schnellsten war ich mit meiner Spurenaufnahme wohl an einem Wintermorgen: Es schneite, und vor mir flitzte ein Eichhörnchen über die Straße. Auf genauso so eine Chance hatte ich gehofft. Also hopp: Mit zittrigen Händen alles ausgepackt. Fotos gemacht, gemessen, schnell, schnell, bevor der Schnee alles zudeckt: Schrittlängen, Spurgruppenlängen, Zwischengruppenlängen, Spurbreiten. Und die Längen und Breiten der einzelnen Tritte natürlich. Die ersten Autos kamen – ich stellte mich breitbeinig vor meine Spur, sie kurvten um mich herum. Die Schneekehrmaschine! Schwitzen im Schneetreiben. Aber ich schaffte es. Uff – und ab nach Hause.

Im Fichtelgebirge dann ein großes Highlight für mich: Bei meiner Auszeit-Morgenrunde finde ich eine Biberspur. Trotzdem die anderen, auch die Ausbilder, sagen: “Glaub ich nicht.” Ich müsse mich geirrt haben, viel zu klein die Füße, und überhaupt. Ich bleib dabei. Bauch und Kopf sagen: Biber, Biber, Biber. Zu siebt sind wir am nächsten Morgen los, um eine Spurdoku zu machen, wenns stimmt. Stimmte. Gemacht. Und typische Fraßspuren dieses Jungbibers fanden wir auch.

Mein Trackerjahr war voll Neuem. Voller Geschichten, Spuren, Radtouren, Reisen, Trauer und Selbstvergewisserung. Ein Lesejahr auch. „Der Heimatinstinkt“ von Bernd Heinrich etwa oder Robert Macfarlanes „Alte Wege“ und „Die Karte der Wildnis“. Bei all dem gings immer ums Draußensein, um das Prinzip „Natur ist Chaos“ – und „Spuren sind Ordnung“. Um das Selbsterleben von Extremen. Von Begegnungen mit besonderen Menschen und besonderen Tieren, vom Wachsen und Weitergeben, dem Umarmen des inneren Tigers. Oder auch grundsätzlich vom mineralischen Skelett der Erde und dem Überleben als Tier und als Mensch.

All das weckte das Mädchen in mir, das im Wald auf Bäume kletterte und mit Hähern sprach – oder eher kreischte.

Das in alle Ritzen schauen, das Warten und Beobachten musste ich nicht neu lernen. Neu Lernen musste ich, nicht zu stark zu wollen. Ruhe zu bewahren und die Essenz des Aufgenommenen wirken zu lassen. Und wenn‘s klappt: Freuen. Übers Wiedererkennen von Waschbärspuren, Grünspechtgelächter oder Fuchskacke.

Einige Monate nach der knallharten Abschlussprüfung mache ich einen lang gehegten Plan wahr: Ich übernachte zum Dank für all die Erkenntnisse bei Vollmond an meinem Sitzplatz im Wald. Ich sehe Fledermäuse, wie Pat zuhause. Später höre ich Damhirschinnen rufen (so neu, dass ich’s später rausfinden muss) – und eine Waldkäuzin schreien. Das pure Glück.


 
 
 

Neue Perspektiven: Hop on, Hop off

14. August 2019 von Sylvia | Keine Kommentare


 
Schonmal Tourist in der eigenen Stadt gewesen? Wir wohnen seit 35 Jahren in Frankfurt – und es ist oft so, dass wir die Möglichkeiten direkt vor der Haustür gar nicht so wahrnehmen. Der Klassiker bei uns: Freunde, die nicht in Frankfurt leben (über solche Menschen hat ja schon Goethe sich gewundert), fragen, ob wir schon die Ausstellung XY gesehen haben? Äh… nein. Oft hatten wir uns das sogar fest vorgenommen. Fast. Wären wir dort gewesen. Aber da es kein Problem ist hinzugehn, nehmen wir es uns oft solange vor, bis es dann rum ist. Aber wir bessern uns, machen einfach Termine aus mit Leuten, die vorbeikommen.

Letzt war wieder so ein Moment – Sohn war da – was tun? Papa schlägt Sightseeing mit dem Bus vor? Hey! Super-Idee. Eine gute Stunde lang haben wir uns herumfahren lassen. Natürlich oben an Deck.




 

Wir sortieren uns gerade noch, stöpseln den Audio-Guide ein, als wir merken – wir stehn ja. O-kay, hier ist Altsachs (Alt-Sachsenhausen, das Äppelwoikneipenviertel Frankfurts), aber – Hm? Hier gibts doch gar nix zu gucken?! Der Guidefunk schweigt. Die Leute vor uns kleben an ihren Smartscreens, die hinter uns buchen per Handy Tickets für eine Abendveranstaltung. Da sehe ich unseren Busfahrer, einen Pappbecher balancierend, aus einem Stehcafé kommen… Oh-Oh, CO2-Bilanz.

Und weiter gehts. Walzertöne im Ohr. Dann doch ein paar Infos – Einwohner, Größe der Stadt, Bla. Dominik und ich schalten um auf Englisch. Das erhöht ganz herrlich das Fremdheitsgefühl, das die echten Touris um uns herum wahrscheinlich sowieso haben.


 

Frankfurt zeigt sich von seiner besten Seite – schon nach ein paar Metern Fahrt, auf der ersten Brücke ein großer Menschenauflauf. Transparente werden hochgehalten – Ah, es ist eine Demo für die Seenotretter. Offenbar spontan, denn auf einmal gehts rund: Lalü-Lala. Polizei überall. Sirenenklänge mischen den Walzer ab.

Le ciel est bleu et le soleil brille.. Touriwetter. Umso schöner, dass uns der Fahrtwind durchs Haar wuschelt. Der Bus quetscht sich durch die alte Stadt, mehr als einmal denke ich Uiuiui, wie knapp war das denn?! Aber alle Radfahrer kommen ungeschoren wieder zum Vorschein. Wir passieren die Kleinmarkthalle, schieben uns durch die Bankenschluchten und halten am „most beautiful place in Frankfurt“ – What?!

Die Alte Oper. Ich schaue auf die neuen Betonbarrikadenwürfel, die seit den islamistischen Anschlägen in Europa hier und überall in der Stadt herumliegen wie riesige Legosteine. Und höre zum ersten Mal, dass das ursprüngliche Gebäude im Krieg zerstört wurde und nur wegen einer Bürgerinitiative jetzt wieder dort steht. „50.000 Deutsche Mark were collected.“




 

Herrlich. Wie Kreuzschifffahren. Das Gewimmel in der Stadt ist atemberaubend. Samstag halt, beste Einkaufszeit. Aus dieser Perspektive genial. Am Bahnhof warten wir dann gefühlt zwei Stunden, und eine gerade Zugestiegene kriegt sich nicht mehr ein – „Ja, ist der bescheuert – worauf wartet der?“

Auch sonst hat sie beste Ratschläge. Dass da Demonstranten die Brücke blockieren, gehört verboten. Und dann noch auf der anderen Seite das Mainufer gesperrt – bescheuert! Das könnte man doch anders regeln, da kann ja niemand fahren. Wir stehen im Stau und Ihr fünfjähriger Enkel, der vorne an der Scheibe sitzt, weiß auch schon warum: „Ja, können die alle nicht richtig fahren? Oder was.“

Ach Kindermund. #Verkehrswende jetzt? Wie soll das gehn mit all diesen Menschen? Wir hoppen off – und gehen Eis essen beim Schnauzbart am Lokalbahnhof. Mehr Frankfurt geht nicht.

 
 
 

Let’s Fotoherbst again – unsere “Isle of Lewis” goes Schömberg

3. August 2019 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Yeah! Wir sind zum vierten Mal dabei! Unsere “Isle of Lewis, Insel der Weite” wird neben 23 anderen Profi-Serien Teil des 15. Schömberger Fotoherbsts sein. Dem Wettbewerb und Festival der Reise- und Reportagefotografie im Schwarzwald. Wir freuen uns!

Wind, Wasser, Felsen… So sehen die Basics der schottischen Isle of Lewis aus – deshab sind diese Elemente auch die Basics unserer Serie über die “Insel der Weite”. Fast vier Wochen lang erkundeten wir dafür als Reiseradler die größte der schottischen Inselkette „Äußere Hebriden“. Unser Plan: Lewis umrunden und auch ein wenig von Harris, der „nur“ durch eine Mittelgebirgskette getrennten Inselschwester anschauen – und am Ende eine Reisereportage produzieren – einige davon sind online: Hier oder hier.
Wir starteten dabei mit recht unterschiedlichen Vorstellungen: Einer von uns war schon mehrmals da, zuletzt allerdings vor fast 40 Jahren – eine von uns noch nie.

Lewis hat rund 20.000 Einwohner, Tendenz sinkend, weil es kaum Arbeit gibt. Allerdings kommen viele Touristen. Menschen, die die von steinernen Zeugen menschlicher Willenskraft ebenso fasziniert sind wie von der uralten Felslandschaft. Neben vielen verlassenen Häuserruinen zeigen Baumaßnahmen, dass man versucht, darauf zu reagieren. Mitten im Nirgendwo, oberhalb des Reef Beach etwa entsteht ein Café mit grandioser Aussicht.

Vielleicht bricht wirklich eine neue Zeit an. Junge Leute, die auf der Insel bleiben, machen Cafés auf (mit Angeboten für Veganer), bieten Ferienwohnungen an, Delfin-Besichtigungstouren oder Handarbeiten aus knallbunten Tweedstoffen. Kein Wunder eigentlich, denn im Laufe von zehntausend Jahren haben die Bewohner entlang den Atlantikküsten immer sehen müssen, wie sie den Gegebenheiten eine Lebensgrundlage abringen konnten. Dabei hieß es zusammenhalten und auch Fremde willkommen heißen – denn: Wer weiß, wessen helfende Hand man würde brauchen können. „Die See ist manchmal barmherzig, die Felsen sind es nie“ – mit diesen Worten wird im Inselmuseum ein alter Seemann zitiert.

Getaktet wird das Leben auf Lewis ganz sicher von Ur-Zeit. Kanada und Schottland gehörten einst zueinander. Schottland und England dagegen trennten (Meeres-)Welten. Geblieben sind dem Lebensraum die ältesten Oberflächensteine Europas – teils älter als die Alpen – und eine alles umwallende Gelassenheit. Wir haben uns während unserer Reise der inselüblichen Nicht-Hektik gerne angepasst – und etliche Reiseziele gestrichen, um mehr Zeit fürs Sehen zu haben. Gesehen und selbst gespürt haben wir, wie Natur und Landschaft die Menschen auf den Hebrideninseln prägen – aber auch, wie Menschen wiederum Natur und Landschaft prägen. Unsere persönliche Faszination für die Basics der Insel seht ihr life in Schömberg: vom 11.10. bis 10.11.2019.
Und bis dahin schon mal hier:









 
 
 

Bosta Love

28. Januar 2019 von Sylvia | Keine Kommentare

Schottland – Reiselogbuch #4


 
Endlich! Zeit für die Fortsetzung unseres Reiselogbuchs. Gerade erst wieder eine Email vom schottischen Tourismusbüro bekommen: Visit Scotland! Jetzt buchen! Nichts lieber als das. Sobald unsere familiäre Daueraufgabe das zulässt, werden wir uns auf den Weg machen. Die Erinnerung zieht jedenfalls gewaltig – vor allem die von unserer 4. Station, auf der Halbinsel Bernera.
Auf Great Bernera, um genau zu sein. Da solls Fischotter geben habe ich via Internet recherchiert. Eine „wachsende Population“ gar, da will ich hin. Und hoffe darauf bis zum Schluss, auch wenn alle Befragten sagen, dass ich allerhöchstens den Hauch einer Chance habe.

Aber erstmal müssen wir hinkommen. Bosta Beach ist unser Ziel und es ist schon eine Herausforderung für Non-E-Biker wie uns, 50 plus, plus Hänger. PFFFF. Als wir ankommen ist die Luft raus. Muskel- und Hirn-Akkus leer. Aber, Zeltaufbauen – muss ja. Pat checkt den Boden, dann machen wir erstmal Pause am Ort unserer Wahl.

Schön eben, Sanitärhäuschen in der Nähe und Parkplatz im Blick. Super. Bis ein Hundemenschenauto dem nächsten folgt. Hier schlaf ich nicht, mache ich meinem Scout klar. Weiter oben gabs auch ein feines Plätzchen. Da will ich hin. Mein Scout ist null amüsiert. Gehts noch? Gepäck und Hänger 20 Meter den Berg hoch? Ich fühle mich wie Kinski, der ein Schiff übern Berg ziehen lässt…. Scheidung liegt in der Luft.



 
Am Ende thronen wir oben – kaputter als je, aber mit dem panoramageilsten Zeltblick ever: Felsen, die einen kleinen Friedhof einfassen und dahinter das Meer. Wir zelten zwar wild über dem Friedhof und seinem Klohäuschen, aber mitten auf der Fläche eines alten Steinhauses. Die Grundmauern sind um uns. Eine längst vergessene Familie muss den Ausblick ebenso grandios, den Platz so beruhigend gefunden haben wie wir.

Dann kommt Bewegung ins Bild. Vier beeindruckend große Highland-Kühe mit ihren pubertären Jungs. Im Rindsgalopp rumpeln sie genau dorthin, wo nach Plan A jetzt unser Zelt stünde. Die Rinderbande galoppiert über den Parkplatz, nimmt die kleine Anhöhe über der Toilette mit Schwung. Und stoppt an der Zisterne (mit Regenwasser und hochgepumptem Bachwasser – für die Klo-Spülung). Als der Durst gestillt ist, sie sehen sie zufrieden aus. Legen sie sich nieder – und bleiben über Nacht.

 
Der nächste Tag ist sonnensatt. Das Wasser ist atemberaubend türkis. Karibik ahoi! Allein, die Wassertemperatur passt nicht. Weshalb es hier auch keine Hotelburgen gibt. Zart läutet die Gezeitenglocke. Eine von einem Dutzend aus Marcus Vergettes Time and Tide Bell Project.

Jede seiner Tide-Bells hat eine eigene, von der Anliegergemeinde entworfene, Inschrift auf Gälisch und Englisch. Die Bosta Glocke trägt diese hier:

Gun mhuthadh gun truas
A’ sluaisreadh gainneim h na tràgh’d
An àtaireachd bhuan
Cluinn fuaim na h-àtairreachd àrd.
Mo leabaidh dean suas
Ri fuaim na h-àtaireachd àrd.

Without change, without pity
Breaking on the sand of the beach
The ceaseless surge
Listen to the high surge of the sea
Make my resting place be
By the sound of the surge of the sea

Während wir die Glocke anschauen, zeigen sich kurz ein paar Seehunde. Sie jagen im kleinen Tangwäldchen der Bucht. Wir dagegen haben keine Eile, kein Ziel. Ruhe umfängt uns.


 
Ein friedlicher, glücklicher Ort. Attraktiv wohl schon vor Jahrhunderten. Unten noch vor dem Friedhof ist das grasbewachsene Dach des historischen Eisenzeithauses zu sehen. Vorgestern wuselte dort ein schwarzgekleideter Mensch herum. Heute weiß ich, dass es Elizabeth Macleod war, die Hüterin des Iron Age-Houses. Beim ersten Schnupperblick in dieses Mini-Heimatmuseum am Strand hält sie gerade ihren Vortrag vor einigen Besuchern. Ich verstehe wenig. Will aber mehr wissen. Als Pat die Klippen umrundet bleibe ich hier, passe einen günstigen Moment ab – und habe schließlich Guide Elizabeth für mich allein.

Für mich macht sie extra langsam und erzählt: Nach der Sturmflut von 1993 sah einer der Einheimischen die Grundrisse dieses Hauses – und meldete den Archäologen der Uni Edinburgh seinen Fund. Die kamen, waren begeistert und legten in 26 Wochen insgesamt 5 Eisenzeithäuser frei. Eines rekonstruierten sie – die anderen wurden komplett wieder eingegraben um sie auf diese Weise gut zu konservieren.


 
Aufgrund der Funde rekonstruierten sie, wie möglicherweise das Haus aussah und genutzt wurde. Von außen ähnelt es einem der für Schottland früher typischen Black Houses. Das Baumaterial ist gleich. Was halt vor Ort vorhanden war. Der Grundriss der Black Houses jedoch ist oval – der vom Iron Age House dagegen ähnelt einer liegenden Acht.

„In der Mitte brannte ein Torffeuer“, führt Elizabeth aus und erläutert, die Besonderheit: Holzfeuer beiße in den Augen, Torffeuer nicht. Außerdem eigne sich Torffeuer zum Trocknen oder Räuchern von Lebensmitteln. Elizabeth leuchtet den hinteren Raum aus: den Kopf der Acht. Die Wissenschaftler gingen davon aus, es sei der Arbeitsraum der Frauen gewesen, sagt mein Guide und schüttelt den Kopf: „Warum sollten die Frauen zum Arbeiten den kältesten und dunkelsten Raum genutzt haben?“

Sie zeigt auf die regalartigen Fächer in den Steinen und offenbart ihre These: „Ich glaube das war die Vorratskammer.“ Hier gelagerte Lebensmittel waren am kühlsten Platz des Hauses. Macht Sinn. Feiner Vortrag extra für mich, Elizabeth. Danke!

Täglich mehrmals stapfen wir durchs Gras zu unsrem Zeltolymp. Auf den Trampelpfaden der Schafe und am Schild vorbei, das mahnt, jedem Tier, ob groß oder klein, den Vortritt zu lassen. Es weder zu stören noch zu ärgern – und sich mit den Rindern vorzusehen, sie seien prinzipiell friedlich, aber auch prinzipiell unberechenbar. Auch ohne dieses Schild hätten wir Respekt gehabt. Zum Glück waren wir ja auf Abstand gegangen.

Dachten wir. Bis sie gucken kamen, wer sich da auf ihrem Lieblingsausguck breit macht. Pat, allein zuhaus, saß über den Karten, dachte dies und das, und hatte plötzlich formatfüllend die Hörner von Mamakuh Nummer eins im Blick. Den Kopf vorsichtig abwendend sah er dann dem halbstarken Kuhsohn in die Augen.


 
Der Überlebensinstinkt ließ ihn so unhektisch wie möglich die Kamera packen und sich rückwärts, langsam und stetig entfernen. Mama eins und zwei lutschten daraufhin das Zelt ab, während die halbstarken Hornträger auf unserer Decke herum herumtrampelten und das Zelt von innen beguckten… Seitdem ist Pat völlig ausgebufft und abgetafft. Keine Angst mehr, vor nichts und niemand.

Darauf dann erstmal einen Wein zur Beruhigung. Den hatte ich statt Otterspuren von meinem Solo-Spurensucher-Ausflug mitgebracht. Danach verzieht Pat sich in unsere Küche. Wo er uns jeden Tag, ob Sonne, Wind oder Regen ein schottisch-marokkanisch-deutschen Eintopf brutschelt. Köstlich.


 
Führung gefällig? Hinter der Küche links, vor den Kaninchenlatrinen ist unser Schnell-Pissoir. Seitlich, hinter einem Mauerrest parkt der Hänger. Und ganz vorn, Blick aufs Meer, filtern wir das Wasser, Dropje voor dropje…

Der nächste Ausflug dann ist eine Wandertour. Nochmal ein Stück langsamer also. Die Landschaft ist Zen pur. Rau und, karg reinigt sie unsere Sinneskanäle. Der Wanderweg führt zum Weiler Tobson. Gleich zu Anfang passieren wir eine der schottland-typischen, dicken Steinmauern. Wir sehen in der Ferne viele weitere Mauerschlangen, die sich über Felsen und durch robusten Heidebewuchs winden.

Die „Dry Walls“ genannten, niedrigen Mauern sind faszinierend. Sie werden „ganz einfach“ ohne Mörtel gebaut. Eine alte Kunst (noch so ein Projekt für später – ein Waller-Workshop :). Die „Waller“ klopfen die Steine passgerecht und setzen sie so klug, dass sie sich gegenseitig Halt geben. Gut 200 Jahrhunderte stehen manche dieser Dry Walls schon.



 
Knotige Landadern das. Allerdings von Zerfall durch Verwitterung bedroht. Für ihren Erhalt sammeln engagierte Menschen Spenden, auch im Community Café von Bosta kann man spenden. Noch prägen diese Mauern die Landschaft, ebenso wie die Schafe, die darin eingepfercht sind, die mit Moos und Flechten bewachsenen Steine – oder die der nackte Fels, von Gletschern und Zeit rund und flach geschliffen.

Weich sehen die Steine aus, wie Polster fast – tatsächlich aber sind sie granithart, mit messerscharfen und spitzen Quarzitanteilen. Hin und wieder liegt ein Felsbrocken herum, wie ein Riesenkiesel, der einem Gletscher beim Weiterziehen aus der Hand fiel. schleifen die Denkwirbel. Weiten Horizont und Geist. Leiten Energie ins Hirn. Nur durch ihr Da-sein.


 
In Tobson rasten wir, durch freundliches Zunicken ermuntert, am Bootshaus einer Familie. Auf dem Rückweg ein Kaninchen, das panisch vor mir flüchtet – wie schön, denke ich, du bist wohl gesund. Hier auf der Insel grassiert die Kaninchenpest und es ist gruselig die todgeweihten Tiere zu sehen. Auf den ersten Blick wirken sie zutraulich, tatsächlich sind sie blind und todkrank.
Der Pfad ist wie eine Viehtrift. Die mit Torf und Gras bedeckten Felsen ringsherum sind mit netzartigen Mustern überzogen. Trampelpfade der Schafe.

Die Weite ist überwältigend. Ausblicke aufs Meer. Landzungen, Lochs und Ponds. Auf dem Rückweg beglückt mich die erste fleischfressende Moorpflanze, die ich mit eigenen Augen sehe: ein Sonnentau. Danach fahren wir Kaffee trinken und Kuchen schmausen bei Helen im Community Café.



 
Am nächsten Tag liegt Jagd-Aufregung in der Luft. Mit großem Tumult werden die Schafe zusammengetrieben. Überall Schreien und Rufen. Männer, die wie vorzeitliche Hirten an ihren Stöcken erkennbar sind treiben die Schafe zusammen. Ihre Hunde stürmen felsauf felsab, die Schafe on the run. Am Wegrand überall Pferche, wo sie zusammengetrieben werden, zum Scheren oder Verkauf.

Bildersatt kehren wir auch vom letzten Ausflug zurück. Womit wir nicht gerechnet hatten: Richtig dunkel wird es hier gar nicht. Aber nicht deswegen bleibe ich schlaflos auf unserem Olymp. Wind umböt uns, rüttelt das Zelt, lässt den Stoff flappen und flattern. Klar, der Preis der schönen Aussichtshöhe und des feinen Blicks: Wie schon am Uig Beach stehen wir voll im Wetter.
Anders als die Eisenzeit-Häuser, die sich in die Bucht schmiegen und sogar durch einen geschickt gewundenen Treppeneingang den Wind draußen hielten, kriegen wir hier oben alles ab.


 
Regen und Wind, Wind und Regen. Wir bleiben im Zelt. Unser Haus. Sobald die Beine einschlafen wechseln wir zwischen Schlaf- und Wohnraum, Lesezimmer, Küche, Ankleide, Vorratskammer – nur Klo und Bad erfordern komplizierte Anziehmanöver, dafür muss man übern Hof…

Seltsam diese Drinnenzeit draußen. Einfach nichts. Nichts tun. Wir beobachten die Wellen und Täler die der Wind über den Stoff treibt. Die Tropfennasen, die das grüne, mit feinen Karos durchzogene und zum Glück superwasserfeste Hightec-Gewebe entlang schliddern. Wir harren aus. Kriechen immer abwechselnd in unserem gelben Schlafzelt-Kokon. Draußen alles still bis auf den Wind. Der dafür tost und bollert. Striegelt alles durch, schmirgelt jeden Stein mit seiner Sandzunge und legt nicht nur Grashalme flach.

Das Zelt hüpft, und schlägt mit den Flügeln, als wolle es abheben. Wir Glücklichen in unserer gelben Höhle. Kuschelig und körperwarm. Das Positive am Sturm – die ganzen Plagegeister, die komplette schottische Midges-Mückenschaft: fortgeblasen. Und auch wenn der Wind unser Zelt fast wegpustet und wir auch nach einem Tag Wartezeit kein besseres Wetter bekommen, also bei Regen packen müssen: Bosta Love – bester Platz!


 
 
 

Schottland – Reiselogbuch #3

22. Oktober 2018 von Sylvia | Keine Kommentare

5. Juli


 
Nach Uig am Geburtstag unseres Sohns. Erinnerungen an die Geburt und Gedanken an den heute 29jährigen sind mit uns.

Der Weg – Weite. Darüber Wind. Das Gras schüttelnd, den Fels schrubbend. Am Weg Findlinge, mit hellen, kreisrunden Flechten besprenkelt. Unterwegs: Eine Schotttendistel in weiß. Ein gutes Omen?

Wind und Wind und Wind. Ein Straßentag mit Hänger. Tiere sehen wir hauptsächlich als Wildunfälle der Straße. Roadkill. Ein toter Marder, Kaninchen, ein Rothirschskelett. Vor ein paar Tagen sah ich eine prächtige Möwe, als lebe sie noch, am Ortseingang von Stornoway. Auf unserem letzten Ausflug einen Igel, eine Sperberin. Ansonsten ist die Landschaft karg. Lässt dir Platz bis zum Horizont. Meist sind wir unterwegs die einzigen auf der Straße.



 
Wann sind wir endlich da? Ich glaube den Weg verloren, uns verirrt. Es geht immer nochmal um die Ecke, immer kommt noch eine weitere Biegung – und kein Schild weit und breit. War da nicht vor etlichen Kilometern eins? Richtung Camping, in eine ganz andere Richtung?? Schon recht spät jetzt. Pat, der den Hänger hat, völlig platt. Schnauft: „Ich kann nicht mehr treten.“ Aber wechseln will er nicht.

Endlich tut sich was rechterhand. Ein ellenlanger Strand, wie angekündigt. Pat zeigt dorthin: da unten muss es sein. Wir folgen mit dem Blick unsrem Straßenband, realisieren, dass es sich vom eigentlichen Ziel da unten geradeausweg bewegt, dann windend und schlängelnd wieder hin. Hrgh! Zuur–Hölle.

An der letzten Biegung zwei Rothirschkühe. Sie stehn im Eck eines umzäunten Grundstücks. Rechts von ihnen Fels, vor ihnen wir – Aug in Aug. Kurzer Blick, wenden und ab!

Der Zeltplatz wie versprochen: Direkt am Strand. Wir gehen weit nach vorne, wo es nur wenige Leute hat. Die Wildzelter. Die meisten sind näher dran am Häuschen mit den Sanitäranlagen – und dem Strom.


 
Die meisten mit Wohnmobilen. Immer wenn uns so eins auf der schmalen Ministraße überholte, fand ich sie furchtbar. Unpassend, wie sie in der Blase ihrer mitgeführten Komfortzone vorbeieilten, als sei die Zeit gleich um. Während wir uns mit letzter Kraft und Disziplin hügelan arbeiteten. Nein, kein Neid. Mochten sie ohne die Säure der Anstrengung dahinsausen. Ohne Mumm. Pah.

Und endlich da: Zeltaufbauen. Zur Ruhe kommen. Irgendwann merkt Pat: seine (beste) Outdoorflasche ist weg. Muss bei der letzten Rast mit Hängerabwechslung unbemerkt liegen geblieben sein. Die ist wohl weg, ärgert sich mein Mann. Schaunmermal. In ein paar Tagen, wenn wir weiter fahren, kommen wir ja dort wieder vorbei… Dumm. Aber den Höllenritt zurückfahren und gucken will keiner von uns.

6. Juli

Moin Uig!
Morgens feucht und trüb. Am Strand alles voller Fußspuren – Menschen, Hunde, Wasservögel. Und was für ein Strand. Flach und weit – und dazu windet er sich immer an der felsigen Küste längs. Bei Ebbe gehts kilometerweit und immer wieder um eine Klippenecke. Zum Verlaufen groß. Bis zum Meer braucht man fast zehn Minuten. Von oben schauen oft majestätisch die Hüter der Höhen, die Schafe herab.



 
An den frischen und alten Spülsäumen des Meers viele abgerissene Tangwedel. Filigrane federartige, fast weiß bis schlammbraun. Oder große Äste mit Blättern, die wie transparente Kunstlederriemen aussehen. Dazu curryfarbene mit Luftpölsterchen… Manche fühlen sich wie Papier an. Foto! Bitte zuhause Cyanos draus machen.

Pat kocht. Entspannt ihn, schmeckt mir. Jeder von uns greift nach einem Happen Zeit. Zeit fürs ankommen, sich finden, sich rauswagen, sich rausfühlen und eins werden mit dem Leben draußen.

Wind, Wind! Bisschen Sonne auch heute, die das atemberaubende Strand-Düne-Berg Panorama sehr cool ausleuchtet.

7. Juli



 
Ganz Sartre. Jeder auf sich geworfen. Jeder unter dem Blick des anderen. Ihn mal wünschend, ihn mal meidend oder drunter leidend. Die Alltagsmahre derweil an der Schädelnaht kratzen. So ringt jeder mit seinen Störsendern, diesen ungelösten, sich immer fester ziehenden Denkknoten. Die geruhsame Freundlichkeit der Inselschotten tilgt indes manches. Lindernd wie Balsam: Hi Dear. Are you okay?

Eine wachsende Population von Fischottern soll auf Lewis leben. Ich also meine Fährtenleser-Basics, das “Messbesteck”, immer griffbereit. Die Augen otterspottrig geweitet. Allerdings auch hier, im Regenland, dies Jahr alles viel zu trocken. Spurenlesen für Fortgeschrittene. Die Flussufer steinig oder durchzogen von Wurzelwerk. Ich finde nichts. Keine Fraßspur, kein Trittsiegel, keine Losung. Von der Sichtung lebendiger Exemplare ganz zu schweigen. Wollte ich ernsthaft suchen, müsste ich wohl ein, zwei Tage nichts anderes tun. Aber wir wollen ja die Insel gemeinsam erkunden …

Morgens am Strand ein Greifvogel mit Beute in den Fängen. Was genau, ist nicht auszumachen. Dass er trotzdem rüttelt?! Keine Kamera griffbereit.




 
Einkaufen. Der nächste Shop liegt oben an der Höllenritt-Straße – maximal fünf Kilometer von uns entfernt, trotzdem haben wir keinerlei Ambitionen, mit dem Rad hin zu fahren. Das Fahrradhirn streikt. Die Quälerei der Hinfahrt noch recht präsent. Aber Luftlinie und zu Fuß sieht es doch viel kürzer und einfacher aus – oder?

Tatsächlich. Lauflust pur! Wir queren die saftgrünen Schafswiesen, mit ihren omaweichen Torfpolstern und nutzen die Wege von Torfstecher und Schaf. Bei normalem Wasserstand ohne kniehohe Gummistiefel sicher kaum passierbar. Wir folgen den Tierpfaden, klettern über Weidezäune und stehen im Community Shop wie kleine Kinder. Solche Shops gibts hier überall in der Pampa der Insel Lewis. Gemeindeläden, wo man fast alles bekommt. Vom Handykabel über Hommus-Brotaufstrich bis zum Whisky. Letzteren allerdings erst ab 10 Uhr (Kinderschutz).

Da wir zwar keinen Whisky aber Wein und Cider mitnehmen wollen – und es halb zehn ist –, trinken wir noch einen Kaffee vorm Einkaufen. So der Plan. Pat wartet draußen, ich ordere Kaffee und werde zur einer Riesen-To-Go-Maschine geschickt. Ich brauche viel Assistance, bis ich gerafft habe, was bei diesem KI-Kaffee-Monster zu tun ist: Erstmal passende Münzen einwechseln. Nur 50-Pence-Stücke (und nur neue!), dann eine Sorte Kaffeeflavour aus 10 möglichen auswählen. Das entsprechende Tütchen aus der Schublade picken, in die Vorrichtung pfriemeln – Go, die erste. Für den Cappuccinogeschmack ein weiteres Tütchen aus einer anderen Schublade. Auch wieder vorsichtig in den in den Schlitz fummeln – aber nicht zu tief, sonst: „Sorry, can you please help me?“ Dann muss der Verkäufer die Sauerei wegmachen, vielleicht ist dann auch noch das Wasser alle. Dritter Versuch und PUSH! Stunden später hatten wir unsere Cappus.

In der Kaffee-Ecke ein Mini-Heimatmuseum, mit Lokalinfos, Brettspielen, Büchern. Büchern! Selten so viele Leute lesen gesehen wie hier auf der Insel. So sehen Beschäftigungen aus. Kein Internet, nix. Auch am Zeltplatz nicht. Dafür Spülplausch. Sehr sozial hier die Jungs. Beim Spülen wirste eingeladen zur Offenen Party am Reef Beach, hörst von den besten Möglichkeiten zum Kitesurfen. Oder wirst getröstet, wenn du wieder mal keine Delfine gesehen hast.

8. Juli



 
Vom Zelt aus im Blick: Unser Hausberg Suaineabhal. Riesenberg. Viele Winter und viele Sommer sah er kommen und gehn. An Schottlands Küsten hier oben im Norden gibt es aufgrund von Urgesteinsbewegungen die ältesten Oberflächensteine Europas – teils älter als die Alpen. Das Gebirge war mal höher als der Himalaya.

Suaineabhal, unser Blickberg, ein karges Adlerheim. Sich jeden Tag wie ein Chamäleon wandelnd. Manchmal ganz im Nebel. Immer dominant. Und rund wie eine liegende Brust; mit Spitzchen. Das haben alle Berge hier, obendrauf ein Steinmännchen. Wir fotografieren ihn bei jedem Licht, allen Wettern. Heute morgen im Niesel: Regenwolkenschleier bis zum Boden; das Licht grandios. Nordlicht, Meerlicht. Wir saugen es ein. Trinken und trinken. Die Farbe des Meeres: türkis.

Neue Nachbarn heute, leben sonst auf Skye. Sie stammt von dort, ein Mädchen von den Inseln. Drei, vier Jahre älter als ich. Mit Hund – Spenster. Man könnte problemlos neue Freunde finden. Hier weit draußen. In aller Ruhe. Man braucht nicht viel sagen, nicht viel tun, lernt sich trotzdem ganz gut kennen.

9.7

Gallan Head


 
Nahe bei gibt es noch einen Delfin-Aussichtspunkt, der wie viele Tier-Beobachtungspunkte an der Küste mal eine Militärbasis war. Wir fahren hin im Wind, werden dort vom Wind gezaust und fahren zurück im Wind. Die Siedlung kurz vom Aussichtspunkt, wie aus einem Film. Der Militärschrott unübersehbar präsent. Prägt eine seltsame Atmosphäre. Können Kinderspielzeug und bunte Vorhänge nicht wett machen. Sehr Nord. Sehr Pragmatisch. Wir leben hier. So what?

Der Gallan Head Aussichtspunkt selbst – gespenstisch. Alte Bauten, zusammengestürzt oder zerstört, alte Kabel, tot hoffentlich. Als wäre ein Krieg drüber gefegt. Ich denke an die Bunkerkette der Normandie. „Danger – Mines!“ stand damals am Beton. Hier steht außen an einer Mauer geschrieben: Danger! High Voltage! Drinnen eine Graffiti-Grimasse.

Der Ort voller Vogelwächter, die uns auf Schritt und Tritt begleiten. Möwen und Austernfischer schimpfen: wegwegweg! Wir kämpfen uns vor bis an die windigen Klippen. Wir finden jeder für sich einen guten Sitzplatz auf dem grau-weiß-schwarz gesprenkelten Fels. Können uns nicht satt sehen. An der Weite, am Blau des Meeres. Am Flug der Basstölpel, Tauchen der Kormorane.

10.7.


 
Ein Tag Fährtenlesen. Ich schwärme aus: Wer frisst eigentlich all die Kaninchen? Fellreste, Pfoten, Wirbelsäule, Schädel, Hüftknochen… Liegt alles bunt verstreut herum. Ich sehe einen Bau, eine Fleischverpackung tief im Eingang. Wer wohnt hier? Spuren trotz des Regens vorher leider undeutbar. Der Sand schon wieder trocken. Regenpfeifer, Bachstelzen und Steinschmätzer warnen. Manche von ihnen bewohnen offenbar auch Kaninchenbaue und behalten mich im Auge, während ich fotografiere, notiere, zeichne…

Schnuppere und aufnehme: Duft der Wiesen. Frisches, grünes Gras, Blüten. Heublumen. Kräuter mit großen weißen Dolden wachsen hier, Orchideen (geflecktes Knabenkraut), teils blasslila, teils dunkelviolett – wie hängt das mit den Böden zusammen? Wir haben hier Torf, Humus, Sand. Bis heute der Boden meist rissig-trocken.

Draußen regnets, ich wälze meinen Naturführer und bestimme die Dünenflora: Strand-Hafer, Gras-Nelke, Sumpf! Sumpf! Sumpfdotter, Schaf, Schafgarbe, Gäns – Frauenmantel, Gänseblümchen, Kna-benkraut! Pissnelke, Orchidee, und Thy-mi-an. Hi Dear, Pfennig und Labber, Labber und Pfennig. Lab-kraut, Pfennig-Gilb-Weiderich!



 
Gestern kamen wieder neue Nachbarn. Aus Glencoe diesmal – später erfahren wir, dass es Landsleute sind. Expats aus dem Ruhrpott. Sie bauen ein cooles, tipimäßiges Spitzzelt auf. Haben wir vorher noch nie gesehen (danach hatten wir nochmal dänische Nachbarn mit so einem Zelt, aber ne Nummer kleiner und von einer andren Marke). Dass es Deutsche sein müssen, dachte ich mir beim Namen des Hundes: Momo. Sie schlafen darin im Kreis an der Zeltwand entlang. In der Mitte wäre Platz für ein Feuer, aber das machen sie nicht. Der Superhund wacht draußen. Muckst sich nicht, wenn die Tiere vorbeikommen, die hier zuhause sind. Entspannteste Familie ever. Heyho Leute, wenn ihr das lest: Schön euch kennengelernt zu haben.

Ein anderer Nachbar ist kaum zu sehen. Ein Minimalist. Rennrad, Biwaksack – fertig. Nur das mit dem Essenstransport sei ein Problem. Aber Taschen wie wir – er schaut auf unsren Hänger, die Packtaschen. „Bewundernswert“, sagt er (was meint er wirklich?) „Für sowas bin ich zu faul.“ Wir finden auch ihn bewundernswert. Mit seinen eher unpraktischen Anziehsachen und dem Schlafplatz unter der Uferböschung, die ihn nachts wie ein Dach schützt.

Wir packen im Niesel. Die Familie bleibt – wir winken einander. Bereit? Wir starten zum nächsten Wellenritt an Land. Next Stop: Bosta Beach.

 
 
 

Schottland – Reiselogbuch #2

14. September 2018 von Sylvia | Keine Kommentare

Fáilte gu Stornoway!


 
Nicht so riesig wie die erste Fähre, aber immer noch verdammt groß – der Pott, mit dem wir Ullapool hinter uns lassen. End-lich Reise-Radler. Wir sind überreif für die Insel Lewis, die in anderthalb Stunden aus dem Dunst auftauchen wird. Vor uns drei ganze Wochen Zeit.

Für mich ist alles neu. Pat hat zumindest eine Vorstellung dessen, was uns erwartet, auch wenn sein letzter Schottlandtrip mehr als 40 Jahre zurückliegt. Ich sonne mein Gesicht und errücke mir, Zentimeter für Zentimeter nach vorne rutschend, einen guten Fotoplatz in der ersten Reihe. Hart am Wind, das Tele im Anschlag scanne ich die Wellen. Rechts und links, hoch und runter – schließlich haben mir alle versichert: Du wirst Delfine sehen.

Und ich bin nicht allein: Rund um mich lauter Erwartende, Ferngläser und Teles zielen sich in alle Richtungen. Wie kann man nur unten in den Sitzen hängen, wo das doch so spannend ist? Da? Hinten! Großes geraune um mich herum. Ja?! Nur Wellengischt. Zarte Brise, sanfte See – kein Tier. No Dolphin weit und breit. Bis kurz vor Schluss; da waren doch welche, oder? Ich erhasche die Bewegung aus dem Augenwinkel, da war was – und schon sind sie weg. Wie das Traumbild beim Aufwachen.


 
Heyho Stornoway, da sind wir. In der heimlichen Hauptstadt der Insel werden Fahrradfahrer gezählt, das Hafenleben lockt, und wir können alles einkaufen, was unser Herz begehrt – und die LKW-Fahrer auf die Fähre bringen. Ich liebe die Werbung auf den Tesco-Trucks: „Our Avocados welcome careful drivers“.

Fast jede Tour starten wir in Stornoway. Auch wenn wir – von unserem Campingplatz im drei Kilometer entfernten Laxdale gesehen – eigentlich in die andere Richtung müssten. Aber nach einem zweiten Frühstück fährt es sich einfach besser. Ich hole Cappuccinos und was zum Schnabulieren aus dem Blue Lobster Café am Hafen. Pat sichert uns einen rauchergeeigneten Sonnenplatz an den nahegelegenen Holzbänken. Urlaubsrituale at it‘s best. Ich balanciere die heißen Becher sowie ein Tütchen mit Scone, Erdbeermarmelade und Butter für Pat und ein Stück lobsterleckeren Kuchen für mich. (Jeden Tag einen anderen – Crunchy-Brownie, Bakewell mit Kirschen und Marzipan… Sylvia im Kuchenglück. Darüber werde ich noch mal extra schreiben müssen.)

Das Hafencafé gibt es jetzt genau ein Jahr, erfahre ich beim Warten. Einer der Gäste, der die Chefin offenbar gut kennt, fragt wie die Geschäfte laufen. Die rundliche Cafébesitzerin, deren mütterlicher Ausstrahlung wegen man sich ihr am liebsten in die Arme werfen möchte, strahlt ihn an – sie sei zufrieden. „Es läuft gut!“ Es sind Cafés wie ihres, das den Inseln ein modernes Flair verleihen. Vor gut 40 Jahren, als Pat zum letzten Mal hier war, gab es sowas noch nicht. Draußensitzen?!? Aber bei uns ja auch nicht. Wir kannten das damals nur aus Frankreich.



 
Jedes Mal, wenn ich im Lobster unser Frühstück hole, versuche ich, statt dem Holzlöffel einen echten zu bekommen. Aber: Draußen nur To-Go, also Wegwerfprodukte. Hin und wieder gelingt es mir doch und ich bringe ihn auch immer brav zurück. Nur einen echten Cappuccinobecher aus Keramik, den gibs nicht. Drei Wochen später – als wir am Ende unserer Reise den Kreis schließend wieder hier frühstücken – erfahre ich, warum. Anfangs habe man für draußen auch Geschirr und Besteck ausgegeben, aber es wurde kaputtgesschmissen oder geklaut. Bitter.

Bitter wie das ganze Das Outdoor-Müllproblem. Auf der Fähre, auf dem Campingplatz, in unserer mobilen Küche – also überall beim Draußenleben fällt um einiges mehr Plastikmüll an, als wir je zuhause akzeptieren würden. Trotzdem ist das zweite Frühstück im Blue Lobster ein Muss.


 
Basis und Hafenglück

Das vermeintliche Scheißkaff (Erklärung hier, in #1) ist unsere erste Basisstation. Von hier aus gehts zu unseren – von Pat schon zuhause gut geplanten – Ausflügen. Auf die Halbinsel Eye zum Tiumpan Head, nach Tolsta Beach und nach Calanish – oder in den Schlosspark unseres Base Camps. Das Augenfälligste bei unserer Ankunft: Nice day! Also nicht die ironische Version, die im Grunde nichts andere heißt als “Schon wieder Schietwetter verdammte Hacke!” Nee, richtig strahlend schöner Sommerurlaubshimmel! Tagelang… Pat ist überrascht. So warm!?! Das hätte er sich nicht träumen lassen.

Schottland schwitzt! Es ist ein Traum für uns Touristen – das ist die eine Seite. Die andere natürlich ist von Mangel geprägt: viel zu wenig Wasser. Fast trocken gefallene Flüsse, Wasserfälle, die zu Rinnsalen geschrumpft sind. Das ganze Land durstet. Später werde ich erfahren, dass dieser Sommer schon mehr Sonnenstunden hatte, als die letzten drei Jahre zusammen. Klima? Wandel!

Zum Abkühlen drehen wir eine kleine Runde durch den Park – ein Märchenpark. Urwüchsige Natur, Hobbitland, Inselwald. Keine Verbote hier, jeder darf alles. Nur Warnungen wie: Achtung schnelle Radfahrer! Und wieder das fehlende Nass. Auch River Creed, der mitten durch den Park fließt, führt zu anderen Zeiten wohl doppelt so viel Wasser. Die Felsen am Ufer rascheln mit ihrem trockenen Algenkleid.




 
Die Ufersteine sind weiß gesäumt. Die Gischtlinie als Wasser-Landgrenze. Eiweißschaum, der sich verteilt und als weiße Punkte den Fluss tüpfelt. Steinspalten und Verengungen fügen die Bläscheninseln zu Zungen und Streifen, die das wirbelnde Wasser mustern. Felskessel und -löcher schieben den Schaum zu Teppichen, lassen ihn kreisen.

Wir Wanderer im Hobbitland können die Augen kaum lösen von den Spiralen und ovularen Bewegungen, die ein Leopardenband über den Fluss ziehen. Was färbt das Wasser so rot? Eisen? Es gibt hier mehr rote Flüsse. Einer heißt sogar „Red River“, eine Whisky-Destillerie steht dort. Später an den Uig Sands werden wir ihr begegnen. Zum Meer hin wird das Wasser dunkelgrün, gescheckt von den Mini-Inseln weißer Bläschen. Mit etwas Glück kannst du dort Forellen springen sehen.




 

Der Schatz der Hebriden

Im Schlosspark zieht uns das Kulturarchiv der Hebriden an. Im Grunde ein Heimatmuseum, Eintritt kostenlos – und das bei diesem hervorragenden Konzept. So gelungen, so viel fältig angelegt wie das Besucherzentrum der Messeler Grube (und das ist richtig familienfeindlich teuer).

Am Eingang gleich mal ein bisschen Gänsehaut. Weltkrieg zum Empfang – erinnert wird mit Bild- und Texttafeln an die Geschichte eines Schiffes, das nicht in Kriegsmission unterwegs war, aber dennoch von einem deutschen U-Boot torpediert wurde. Drei Rettungsboote konnten noch abgesetzt werden, trotzdem es innerhalb von acht Minuten sank. Die Geschichte eines jeden Bootes wird detailliert beschrieben – und sogar die Geschichte des deutschen U-Boots weiter verfolgt. Das U-Boot wurde später in Bermuda angegriffen, sank und verlor jeden Mann.

Im ersten Raum dann Funde aus der Eisenzeit und älter – Schmuck, Kämme, Werkzeug. Auch Pfeilspitzen aus verschiedenen Materialien. Sofort habe ich eine Textstelle im von Robert Macfarlanes „Alte Wege“ im Sinn. Der Glückliche! Hat so ein historisches Kleinod einfach am Strand gefunden.
Geschichten und Bilder aus vergangen Zeiten, Manches liegt zwei, drei Generationen zurück – anderes könnte vorgestern gewesen sein. Die Menschen der Inseln. Hart im Nehmen. Mit ihren von Generation zu Generation weitergegebenen Erinnerungen und Erfahrungen – der größte Schatz der Inseln. Das zu vermitteln schaffen die Ausstellungsmacher grandios. Portraits stellen die Menschen in ihrer Vielfalt vor. Tonaufnahmen geben Zeugnis ihres Denkens und Lebens. Kopfhörer auf und Elizabeth oder Norman zuhören.

Ein Inselpuzzle




 
Oder der Musik. Lieder, die harte Arbeit und Lebensumstände spiegeln – aber auch die pure Freude des Daseins. Eintauchen in eine Welt, in der man sich viele Fertigkeiten aneignen muss, um zu überleben. Nicht immer jemand erreichbar, den man rufen könnte. Die wiederum, die da sind, müssen zusammenhalten – auch das eine Überlebensstrategie.

Die Community-Centers daher echte Treffpunkte. Speicherorte des lokalen Wissens, Herz der lokalen Lebensart. Mit Café, Bibliothek, Heimatmuseum und Dusche. Aber samstags und sonntags geschlossen – sie sind nicht alles. Zusammenhalt ist das Gewerk – Kirche und Familie Gerüst.

Alle Texttafeln, alle Tonaufnahmen gibt es auch auf Gälisch. Ein weicher Singsang, der dem ungeübten Ohr keinen Anhaltspunkt gibt. Ich verstehe nichts. Dazu ein Gedicht von Donald S Murray:
 
Language

Gaelic was sewn into us like grains
of oats, turnip seed, split potatoes
ploughs folded below earth each spring.

It took root among the small talk
villagers stacked at peat-banks
or found gleaming in green fields,
Or when the sharp blade of their tongues
cut through each crop of scandals
that was the season’s harvest in some homes.

Yet now croftland lies fallow.
Winds keen through rush and nettle.
Cold showers of thistledown blow

Where potatoes stalked and blossomed
and the words of English broadcast on the air
find strange, new seed-beds on our lips.

The Land

Natur und Landschaft prägen die Menschen hier – und die Menschen prägen Natur und Landschaft. Auch das steht irgendwo im Museum. In diesem Kontext steht das Bild eines Ereignisses aus dem 18. oder 19. Jahrhundert: 176 Wale strandeten damals im Hafen von Stornoway. 74 wurden abgeschlachtet – „for their meat and blubber“. Natürlich sahen die Menschen damals in erster Linie ihre Chance, einfach an Fleisch zu kommen.


 
Auch spannend die Schilderung des Lebens in einem Black House, einer Bauernkate, die früher bei Fischern und Kleinbauern üblichen war. Eine Frau wurde dafür interviewt, die noch eigene Erinnerung daran hat: „It was so cosy“ Always a fire in the middle of the house. And there were nice tables and stools – all made from wood.“ Rauchig war es wohl darin. Die Wände und der Boden seien aus Lehm gewesen und immer wieder abgewaschen worden. Wie gut, dass jemand diese Interviews geführt hat.

Der Ausgang des Museums ist hell, nicht zugepflastert mit Exponaten, man geht wie durch eine Wahrnehmungsschleuse – am Ende trifft mich diese Texttafel: I love the wind here; I just love all of it here, wind, rain and sun.

Als wir voll der Eindrücke vor unseren Fahrrädern stehen, das Schloss anschauen und dabei unsere Schlösser aufschließen spricht uns eine Frau an: Wie es uns hier gefiele, was wir denn vorhätten, wo wir noch hin wollen… Wir werden diese Fragen noch oft hören und immer, wenn wir dann antworten, glimmt Wohlwollen und Stolz in den Gesichtern der Fragenden: Ja! so schön ist es bei uns, dass die Menschen sogar aus Germany herkommen.

Aber sie mit dem knallroten Outfit und Klemmbrettern unterm Arm hat noch eine besondere Frage: Ob wir jemanden Gälisch sprechen gehört hätten bisher? Ich so: Hm, keine Ahnung, und wenn, ich hätte ja nichts verstanden. Darauf sie: Es gibt viele Deutsche, die Gälisch lernen. Wie?? Ja, an einer Uni in Bonn. Und regelmäßig kämen dann diese Studenten nach Uist um ihre neu gelernte Sprache zu erproben. Ein Projekt für die Zukunft leuchtet da auf. Das könnte mich reizen, schließlich wollen wir wiederkommen. Fast schon gebucht.



 
Moor, Strand und Steine

Tolsta Beach ist unser erster Ausflug (mit Anhänger) und unser erster Tag mit Regen. Wir fahren mit voller Regenmontur – und freuen uns, als am Strand die Wolken sich ballen und trollen. Vor uns türkisfarbenes Wasser, weißer Sand, rote Felsen. Ein Karibikstrand. Megaschön. Und fast nur für uns. Wir laufen und gucken. Wir gucken und laufen, bis wir nichts mehr aufnehmen können.

Nächstes Ziel: Tiumpan Head, die Spitze der Halbinsel Eye mit einem Leuchtturm. Auf der Zufahrt lockt ein Friedhof. Alle Toten hier haben Meerblick – oder jedenfalls ihre Grabsteine. Ich frage den Friedhofsgärtner, ob ich ihn fotografieren darf. Norman stellt sich in Pose. Klar. Er stammt vom Nordzipfel von Lewis, sagt er und erzählt mir auch gern etwas auf Gälisch.




 
Dann fragt er, ob ich vom Desaster der Inseln gehört hätte? Nein. also erzählt er mir von der Tragödie: Ein Schiff mit Soldaten – lauter mutige Männer, die den Weltkrieg überlebt hatten, darunter einige Verletzte – war auf dem Weg nach Hause. Kurz vor Erreichen des Hafens in Stornoway jedoch verlor der Kapitän die Kontrolle. Das Schiff zerschellte an den Klippen. Dabei waren sie fast zuhaus. Die See hat manchmal Erbarmen. Die Steine nie – alle Männer ertranken.

Zum Tiumpan Head zu fahren war mein Wunsch – man soll hier Delfine sehen können, und Tümmler und so. Die Klippen sind herrlich. Wir sehen Seehunde. Austernfischer, Möwen, Sturmtaucher. Delfine? Nein.

Schließlich Calanish – die Standing Stones muss man gesehen haben. Das fanden natürlich nicht nur wir. Ein schöner Ort – ich wäre gern noch herumgestreift. In der Ferne sehe ich einen Greifvogel. Ein großer. Zuhause identifiziere ich ihn: ein Steinadler – Yeah!

Die Landschaft großartig. Weite. Weite und Weite. Am liebsten würde ich ständig anhalten und schauen. Wir saugen alles auf und arbeiten uns an dem Mist ab, den wir noch mitschleppen und auszuscheiden haben. An der Schwere der letzten Jahre.




 
Atlantische Identität

Gleichzeitig müssen wir immerzu lächeln und winken, weil die Menschen, denen wir begegnen so nett sind. So aufgeschlossen, freundlich und gelassen, dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Sie leben uns vor, was Robert Macfarlane in „Karte der Wildnis“ beschreibt: Im Laufe von zehntausend Jahren entwickelte sich entlang den Atlantikküsten eine gemeinsame kulturelle Identität, schreibt er. Seine Schlussfolgerung – das Leben am Meer prägt und beeinflusst, es bringt eine bestimmte Art des Denkens und Fühlens hervor.

Das begeistert uns hier vor Ort mindestens so sehr wie den Autor und Kulturforscher beim Schreiben. Er wünschte sich die Wiedergewinnung dieser verlorenen Wellenlängen und atlantischer Empfindungen: „Es gibt gedankliche Ereignisse, die nur an atlantischen Küsten möglich sind, wo sonderbare Winde des Geistes wehen.“
Wie beruhigend und gleichzeitig belebend diese Winde sind ist, erfahren wir tagtäglich vor Ort, in diesem angeblich so toten Kaff Stornoway. Die Winde… Davon wollen wir noch mehr spüren. Nach fünf Tagen packen wir wie geplant alles zusammen und los gehts. Next Stop: Uig Beach.


 
 
 

Beat the beach! Strandrace in Egmond aan Zee

20. Januar 2016 von Sylvia | Keine Kommentare

Wer am Strand Rennen fahren will, muss natürlich im Winter ran. Also, wenns knackig bläst und kalt ist (und keine Touris am Strand brutzeln). Ehrlich: Nie gehört vorher, dass es solche Rennen gibt. Erst waren nur ein paar Radler mehr da. Plötzlich waren sie überall. Tag und Nacht. Bis wir kapierten: die meinen das ernst, die trainieren… Strandrace Egmond-Pier-Egmond, las ich online. Verrückte müssen das sein. Egobiker, Leistungsfreaks. Oder? Denk ich, als ich auf der Website des Küstenorts entdecke, was ansteht: eines der “bekanntesten, größten Mountainbike-Wettbewerbe in Benelux!”, 18. Rennen – rund 3500 Teilnehmer. Und dann sind wir, mitten im Urlaub, mittendrin.

01/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

02/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

03/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Über Nacht füllt sich der nachsaisonal von deutschen Touristen erschöpfte Ort mit Menschen. Holländer, Belgier, paar Deutsche sind auch noch da. Alles belegt, überall radelt wer rum, und Samstag (9.1.16, 11 Uhr), gehts ab… Startschuss am Leuchtturm. Warum liegen hier Strohballen?, fragt ein Junge, und schon zischen sie vorbei, es wird gejubelt, gerufen, geklatscht. Rennfieber pur.

Erinnert mich an Zeiten, als es noch das 1. Mai-Rennen rund um den Henningertum gab. Hach! Jaja, weiß schon, dass dort Rennräder, nicht Mountainbikes unterwegs waren. Aber, die Atmosphäre war dieselbe. Auch da standen schon Tage vorher überall Absperrgitter rum. Die Kollegen vom HR rückten mit Hubkränen an und standen auf dem Holiday Inn für den Überblick… Es gab Radlerbier für alle und die Straßen in unserem Viertel waren pickepackevoll mit Menschen. Oben kreisten Hubschrauber, unten quakte der Moderator aus dem Lautsprecher… Da kribbelt‘s und man klatscht und ruft einfach mit… Hophop! Mooi! Super! Sagt der Holländer. In Sachsenhausen klang das genau wie hier…

05/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

05/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

06/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Achtung! Sie kommen! Der Kollege vom nordholländischen Tageblatt schmeißt sich in den Sand. Andere Pressefritzen fahren bei den Motorbikern oder auf Strandbuggys mit. Und wusch! Ruckzuck sind sie weg, die Profis. Und dann kommen die wahren Helden, die Jedermänner und -frauen. Gefühlt stundenlang ziehen sie vorbei – Hey Jasper! Ho! Ninaa, ho!! Schrei‘n sie neben mir… Und dann johlt und jubelt wieder ein anderer Clan.

Mit Kind, Hund und Kegel, zum Anfassen und Gucken – so muss Rennen sein. Und so isses auch viel schöner, als bei „um den Finanzplatz Eschborn“. Viel. Und, ehrlich gesagt, wir sind angefixt. Was haben wir vor paar Wochen noch gegrinst, als Expatriat Sebastian sein Kuschelbike im Flieger aus NY mit nach FFM brachte – und hier nix anderes zu tun hatte als mit Freunden auf Tour zu fahren… Ich nehms zurück, Seb! Mal sehn, mitmachen.. wär schon.. cool. Echt jetzt.

07/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

08/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

09/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Aber, bevor ich weiterträum, noch die Gewinner: schnellste Frau war Roxane Knetemann – sie haute die 36 Kilometer in 58,35 Minuten weg – und schnellster Mann Timothy Dupont. Er trat nach 57,12 Minuten ins Ziel. Höchstgeschwindigkeit auf deren Tachos: 50 bis 60 Sachen (mehr hier). Damit haben sie gleich noch den Streckenrekord niedergerockt. Nix für mich, schon klar. Aber, Yeah: Bravo Roxanne und Tim! Yeah!

10/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

11/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

12/12 - MTB Strandrace - Endspurt

 
 
 

21. August 2012
von Sylvia
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ORANGE! Fahrrad-Corso gegen Fluglärm

  37 Grad zeigt die Temperaturanzeige meines Tachos und die Badeseen, die wir passieren, sind rappelvoll. Nur wir (Dumme oder Helden?) lassen Walldorfer Badesee, Schnepfensee, Bornbruchsee links liegen, denn unser Ziel ist heißer: Fahrrad-Corso rund um den Flughafen Egelsbach. Die … Weiterlesen

4. April 2012
von Sylvia
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Jetzt erst Recht! Erst recht jetzt?

  Von der Terminaldecke mit Blickrichtung der Abflugtafel hängt ein riesiges Plakat, Aufschrift: „Freitag schon auf Montag freuen!“ Nette Begrüßung, auch wenn’s nicht wirklich den Demonstranten gegen Ausbau und Fluglärm gilt. „Jetzt erst recht“, die heutige Parole der BI Flörsheim-Hochheim, … Weiterlesen

4. März 2012
von Sylvia
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Strick-Aktion: Anti-Lärmteppich für Offenbach

  Ankommen und gelobt werden: Wie schön! Und so herrliche Wolle! „Och ja – meine Reste halt.“ „Drei Tage dran gehäkelt“, verrät die Frau mit dem kirschroten Schal neben mir, als sie eine kunterbunte Decke auspackt. In der Mitte des … Weiterlesen