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Dreitage

9. April 2022 von Sylvia | Keine Kommentare

Ein Straßenwitz – auf dass wir weiter und weiterhin hinsehen, nicht abstumpfen (uns auch nicht gewöhnen an die Bilder des Kriegs).
Schönes Beispiel für Spurenalterung auch. Vor drei Tagen wär sofort klar gewesen, was das Ding auf dem Asphalt mal war. Aber jetzt?? Nach dem ganz normalen Wahnsinnsverkehr auf einer Nebenstraße (rat run), auf der manche denken, es sei eine prima Abkürzung, sieht das, was es mal, nun recht eindimensional aus.

Kleiner Hinweis, der sich aus Untiefen meines Hirns dazu meldete:

als ein Auto blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gepräch vertieft,
als ein totgeschossner Hase auf ner
Sandbank Schlittschuh lief.

Was isses?

Ein anderer Krieg

5. April 2022 von Pat | Keine Kommentare


 
Börneplatz, Frankfurt am Main, 05.04.2022

Jeder Stein ein Mensch, ein Schicksal

“Und wieder erscheinen die bleibenden Bilder,
gutgekleidete Menschen beim Antritt der Reise,
auf der Suche nach einem Abteil, das es nicht gibt,
nächste Station Armageddon, ein Weltteil”

(Cees Nooteboom, aus “Abschied”)
 
 

Energie

28. März 2022 von Pat | Keine Kommentare


Der schlaue Fuchs
kauft Speiseöl, Raps oder Sonnenblume – egal,
Hauptsache billig. Nur kein Diesel in den Tank.
Wobei der Automobilclub ja abrät:
Salatöl schädige den Motor.
Pah! Der Schlaufuchs
füllt seinen Wohnmobiltank und alle Kanister
voll mit Speiseöl.
Ältere Dieselmotoren sind unproblematisch,
für neuere gibt’s Umrüstsätze,
beim Finanzamt ein Formular – wo? Was?
Pah! Der schlaue Fuchs muss jetzt nur noch
schlauer sein als die anderen und
Speiseölquellen finden.
Supermärkte sind ausverkauft.
 

Seite an Seite, Blowing in the Wind, Joan Baez und Bob Dylan

Klimastreik

21. März 2022 von Pat | Keine Kommentare

Kraftwerk Staudinger, Groß-Auheim

 

Am 25.03.2022 ist Klimastreik. In vielen, vielen Städten Europas. Geht hin!

FridaysForFuture und “ausgestrahlt”

La Guerre

15. März 2022 von Pat | 1 Kommentar

“Der Anblick, den Europa heute bietet, ist sehr traurig, aber auch sehr lehrreich. Auf einer Seite ein Kommen und Gehen von Diplomaten und Höflingen, welches jedesmal, daß die Luft anfängt, nach Pulver zu riechen, augenfällig zunimmt. Man knüpft und löst Bündnisse; man schachert und verkauft das menschliche Vieh, um sich Verbündete zu sichern. „Soviel Millionen Köpfe, welche unser Herrscherhaus dem eurigen überläßt; soviel Hektar Land, um sie darauf zu weiden, diese Häfen, um ihre Wolle zu exportieren!“ Und es handelt sich darum, wer in diesem Geschäft den anderen besser betrügen kann. Das nennt man in der Sprache der Politik: ‘Diplomatie’.

Andernteils Kriegsrüstungen ohne Ende. Jeder Tag bringt uns neue Erfindungen, um unsere Nächsten besser ausrotten zu können, neue Ausgaben, neue Anleihen, neue Steuern. Patriotismus zu schreien, in Chauvinismus zu machen, den Hass zwischen den Völkern anfachen, wird in der Politik und im Journalismus zum einträglichsten Geschäft. Sogar die Kindheit wird nicht verschont; man reiht die kleinen Buben in Bataillone ein, man erzieht sie im Hass gegen den Fremden, man dressiert sie zum blinden Gehorsam jenen gegenüber, die gerade die Regierung in Händen haben – einerlei, welcher Partei dieselben angehören. Und wenn diese Kinder aufwachsen und einundzwanzig Jahre erreicht haben, wird man sie wie Maultiere mit Patronen, Proviant und Werkzeugen beladen, man wird ihnen ein Gewehr in die Hand geben, und man wird sie lehren, nach dem Klang der Trompete zu marschieren und – wenn es ihnen von vorgesetzten Militärpersonen befohlen wird – sich gegenseitig wie wilde Tiere umzubringen, ohne sich je zu fragen: Warum? Zu welchem Zweck? Ob sie den Armeen einer fremden Nation gegenüberstehen, oder gar ihren eigenen Brüdern, die durch das Elend zur Empörung getrieben werden – einerlei, die Trompete ruft, sie müssen gehorchen!

Dies ist es, worauf all die Weisheit unserer Regierenden und Erzieher hinausläuft! Dies ist das einzige Ideal, das sie uns geben konnten, und dies in einer Zeit, wo die Ausgebeuteten aller Länder es immer mehr als höchste Lebenspflicht erkennen, daß sie sich über die Grenzen hinweg die Hände reichen sollten!

„Ah! Ihr habt den Sozialismus nicht gewollt? Also gut, ihr werdet den Krieg haben – den dreißigjährigen, den fünfzigjährigen Krieg!“ sagte Alexander Herzen nach 1848. Und wir haben ihn; wenn der Kanonendonner für einen Augenblick aufhört, so ist es nur, um Atem zu holen, und anderswo mit neuer Kraft wieder anzufangen, während der europäische Krieg – das allgemeine Handgemenge der Völker – seit Jahrzehnten droht, ohne daß man weiß, wofür man kämpfen wird, mit wem, gegen wen, im Namen von was für Prinzipien, in wessen Interesse?

In früheren Zeiten, wenn es einen Krieg gab, wusste man wenigstens, wofür man sich hinschlachten ließ. – ‘Dieser König hat unseren König beleidigt – also bringen wir seine Untertanen um!’ ‘Dieser Herrscher will dem unseren seine Provinzen wegnehmen? – Sterben wir also, um seiner Allerchristlichen Majestät dieselbe zu erhalten!’ Man schlug sich wegen der Rivalität der Herrscher. Das war dumm, und die Könige konnten deshalb für einen solchen Zweck nur ein paar tausend Menschen anwerben. Aber was zum Teufel ist die Ursache, dass heute ganze Völker bereit sind, sich aufeinander zu stürzen?

Die Könige haben in den Fragen des Krieges nichts mehr zu sagen. Sie werden alle Impertinenzen und Beleidigungen der Nachbarherrscher und -völker ruhig einstecken, solange die Bankiers und Fabrikanten ihrer Länder – diese nennt man heute ‚Patrioten‘ – ihnen nicht den Befehl geben, ihre Armeen in Bewegung zu setzen. In Russland wie in England, in Deutschland wie in Frankreich schlägt man sich nicht mehr für die Launen der Herrscher; man schlägt sich für die Erhaltung der Einkommen und der Vergrößerung des Reichtums der allermächtigsten Herrschaften.” …

 

Dies ist ein Aussschnitt aus „Der Krieg“, der Text wurde von der Anarchistischen Bibliothek archiviert. Er wurde entnommen aus Peter Kropotkin – Worte eines Rebellen (rowohlt 1972. S.52-57). Der Text erschien unter dem französischen Titel „La Guerre“ in der Originalausgabe Kropotkin, Petr A.: Paroles d’un révolté bereits 1885. Die Übersetzung aus dem Französischen stammt von Pierre Ramus (Rudolf Großmann), einem österreichischen Aktivisten und Theoretiker des Anarchismus und Pazifismus. Neue Debatte hat den Beitrag unbearbeitet übernommen, um durch den Blick auf die Vergangenheit eine umfassende und kritische Diskussion über die Ereignisse der Gegenwart zu ermöglichen.

Dank an Harry für den Text.

Es ist an der Zeit – Hannes Wader & Konstantin Wecker & Reinhard Mey – Live 2014

Festhalten und Bewahren

1. Januar 2022 von Sylvia | Keine Kommentare


 
Erster Advent – nichts. Nikolaus – nichts. Oh, wie schade! Obs an Corona liegt? Am Alter? Warum auch immer, wir vermissten DeCaros Waldkrippe. Die uns so lange und jedes Jahr treulich einen bodenständigen Weihnachtspunkt setzte.

Immer um den ersten Advent herum schienen Zunderschwämme, Holz- und Wurzelstücke an der kleinen Hütte am Waldsee zusammenzurücken. Slow Motion irgendwie, von Geisterhand bewegt. Und dann, auf einmal kamen peu á peu Tiere, Schäfer, Engel. Josef und Maria – und am 24. endlich das Baby hinzu. Baby Jesus. Am 6. Januar noch die Könige.

Und die Besucher. Die vielen Besucher, die mit einem Lächeln gingen. Ja, klar, nicht alle. Gab auch Vandalismus, Josef und Maria umgeworfen, Baby Jesus geklaut. Aber für die meisten war es ein Ziel, eine Freude, eine Weihnachtswundergeschichte. Seit wann? Weiß nicht. Auf jeden Fall länger als unser Blog (10 Jahre), vielleicht schon 20 Jahre? Vor 10 Jahren hatten wir sie schonmal vermisst, doch Weihnachten kam, und Schnee und die Krippe, und alles war gut. Der Krippenbauer enthüllte sogar seinen Namen.

Wie auch immer dieses Jahr schien Schluss zu sein. Corona? Oder einfach genug? Hatte schon überlegt, ob ich selber… Aber dann gab es anderes auf meiner Agenda. Und auf einmal, zu Weihnachten, wollten wir ein Bild in die leere Hütte hängen, mit Gruß an den langjährigen Krippenbauer. Aber dann, gab es doch eine. Sah anders aus. Ein bisschen. Das Jesuskind vor allem. Aber hey: Da hatte jemand nicht nur gedacht, er könnte vielleicht.

Wenn man denkt, es geht nichts mehr… Ist es das? Dass man dann zupackt. Dass man beschließt, das und jenes darf einfach nicht aufhören. Fest halten, die Welt. Sich gemeinsam freuen. Ach! So geht Bewahren. Danke Gaetano DeCaro für alle früheren Installationen und – danke Familie Gärtner für die neue. Fürs Fortführen, fürs Fest halten.

Den Stadtwäldlern und allen andern auch: Ein festes, ein gutes, resilient zupackendes 2022!