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Allein im Frühlicht

2. Oktober 2021 von Sylvia | Keine Kommentare



 
Still. Nur eine Waldkäuzin zu hören. Ein Rascheln und Knacken. Die Bäume quietschen – oder weinen sie? 5 Uhr 27, Nautische Dämmerung auf dem Altkönig.
 




 
Vor lauter Holzpolter kein Wald mehr. Dafür lugt die Stadt durch die Stammlücken. Menschen-Licht gegen Menschen-Angst. Der Mond in Rückenlage.

Ein paar Lärchen stehen noch, Kiefern auch. Vorher mittendrin, jetzt Solitäre. Frei. Über ihnen Mond und Flugzeuge.
Ja, sie fliegen wieder. Als wäre nichts. Ja, Nur eine Aufeinanderfolge.
Sagen die Kolkraben das auch? 6 Uhr 15, Bürgerliche Dämmerung an der Weißen Mauer.
 




 
 
 

Ganz großes Klima

29. September 2021 von Sylvia | Keine Kommentare




 

Es zeugt von Schwäche und Torheit, nur das wertzuschätzen, was weit von dem Ort entfernt ist, an dem wir selbst geboren sind. Und wie weit sind wir Menschen auf der Suche nach fremden Pflanzen und Tieren gereist, ohne die Lebewesen in ihrem eigenen natürlichen Klima jemals kennengelernt zu haben.
Martin Martin, 1967
 



 

Gibt es eine Schlussfolgerung? Nein, es gibt nie eine Schlussfolgerung, lediglich eine Aufeinanderfolge.
Cees Nooteboom, 2002
 



 
 
 

Vierzig Findlinge

10. September 2021 von Sylvia | Keine Kommentare





 

Jetzt. Sollten sie Mosaik werden. Zusammenfinden. Wieder und wieder. Die Orte dafür würden mich ansprechen, dann ein Zeitfenster sich öffnen, ein stilles Atmen und: Flow! Zarteste Blüten, Teil einer Tasse, die ich gern in Händen hielte, grobe Keramikstücke, feinst abgeschmirgelt von Wetter und so. Manche mit einseitigen Glasurresten. Fragmentiertes Grün, Rot und Gelb. Auch ein ostseegeschrubbtes Kachelfragment aus Lubmin, ein knallbuntes Porzellanfragment aus Essen und sogar hessisch-blaues Steingut dabei. Zu Guter Letzt ein gläsernes Mundstück als Kontrapunkt aus Heidelberg. Voilá, die Fundscherben-Collection aus 44 Jahren, aufgelesen auf meinen Lebenswegen.

Zeit, sie ein Jahr lang in Szene zu setzen, dachte ich im Dezember 2019. Ich schnürte ein Beutelchen, in dem erst 37, am Ende 40 Bruchstücke klimperten, um sie zu allen geplanten Reisen mitzunehmen. So sollten Bilder entstehen und durch sie dieses Jahr als eines für alle stehen.





 

Startschuss war in Nordholland zur Jahreswende 2019/20. Weiter gehen sollte es wieder in Holland im Frühling und auf den Äußeren Hebriden im Sommer. Sicher käme noch inlands die ein oder andere Tour hinzu… Sicher? Von Pandemie noch keine Spur, nicht zu ahnen, wie sich alles verändern würde. Dass wir gesund bleiben, neue Karten spielen, es gut treffen, und statt nach Holland nach Raboldshausen reisen würden. Über Stockstadt am Rhein, Heidelberg und Künzelsau. Statt eine weitere Insel auf den Äußeren Hebriden zu erkunden, den Fechenheimer Wald. Oder dass ich schließlich Frankfurt neu sehen würde: Auf der Dachterrasse von Katze Kira, deren Besitzerin für einen Monat in England war, weil ihre Mutter starb. All das stand vielleicht schon. Irgendwo. Wussten wir nicht. Überraschende Erkenntnis: Reisen ist Reisen ist Reisen. Weitet Horizonte. Immer und überall.

Als ich erst einige Scherben hatte, dachte ich, ich werde am Ende meines Lebens ein Mosaik daraus gestalten. Nach 44 Jahre des Sammelns spürte ich: Jetzt musst du machen. Leben geht fort. Zeit für 12 Monate Lebensmosaik. Jetzt.





 
 
 

Potts-App

19. August 2021 von Sylvia | Keine Kommentare



 

Grüße aus Schalke
Regnet
Aber nicht so schlimm
Zeche Ewald
Sitze vorm Arena Hotel mit Bier von der Tanke
Film fängt gleich an … Komme
Schnitzel?
Currywurst. Jeden Tag Currywurst
Starten gleich Richtung Hamm
Habe den armen D wohl weggeschnarcht.
Biergarten nach Königsetappe
Gelsenkirchen-Hamm, 85 km, Schnitt 18
Immer an Kanälen lang
Heute nach Dortmund
Alles gut?
Ja. Klares Ja
Viel Winde
Cheers
Sitze in der City von Dortmund
“Feel at Home”
aber das Frühstück war nicht schlecht
Sind in Essen
Zeche Zollverein



 
 
 

Lost in Hohenlohe

12. Juni 2021 von Sylvia | 1 Kommentar


 

Der Corona-Zufallsgenerator hat uns im letzten Jahr auf die Hohenloher Hochebene geweht. Aufs Land, far from Sachsenhausen. Wo von morgens bis abends, im Sommer auch des nachts, Bauern oder ihre Billiglöhner mit Traktoren rackern. Wo seit Jahrhunderten Landwege gegangen werden. Manche unverändert, dem Absterben nah. Manche in der jüngsten Generation, lebendig wie je. Wir als Reingeschmeckte verstehen dieses gut, anderes gar nicht. Sehen dieses idyllisch, jenes schaudernd.





 

Um das nicht „nur“ abzubilden, sondern dem körnig-erdig Gefühlten Ausdruck zu verleihen, haben wir das Kallitypie-Verfahren gewählt. Diese Fototechnik stammt ursprünglich aus den 1850er Jahren. Wir wenden sie hier in moderner Mischform an: digital und analog. Genau damit spiegelt sie das Grundthema „Industrialisierte Landwirtschaft“ und lässt durch die Verfremdung umso genauer hinsehen.

Sie offenbart dieses rurale Industriegebiet auf eigene Weise. Ohne den eingeborenen Weichzeichner. Die verweilenden Städteraugen sehen das Verfallsdatum, die Überfälligkeit von Strukturen und (Land-)Wirtschaftssystemen, sind dabei Fremde all over – und bekommen doch mit dem Trecker die Eier geliefert.

Was kann, was muss verändert werden, ohne Funktionierendes, ohne soziale Netze zu zerstören? Was ist ohnehin nur Fake? Was wird mit dem/der letzten Alten aussterben? Wo ist das gut so, wo ists schade drum? Was muss verändert werden, um das Gleichgewicht zurückzuerlangen, das sich beim Augenzukneifen so schön erahnen lässt. Geht das? So viele Fragen, die unbeantwortet bleiben.

Die Weite hier ist wunderbar, sagen Bussard und Krähe in der Luft. Rangeln um Revier, um Nahrung für sich und ihre Nachkommen, um ihre Zukunft. Wie wir.