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Dreitage

9. April 2022 von Sylvia | Keine Kommentare

Ein Straßenwitz – auf dass wir weiter und weiterhin hinsehen, nicht abstumpfen (uns auch nicht gewöhnen an die Bilder des Kriegs).
Schönes Beispiel für Spurenalterung auch. Vor drei Tagen wär sofort klar gewesen, was das Ding auf dem Asphalt mal war. Aber jetzt?? Nach dem ganz normalen Wahnsinnsverkehr auf einer Nebenstraße (rat run), auf der manche denken, es sei eine prima Abkürzung, sieht das, was es mal, nun recht eindimensional aus.

Kleiner Hinweis, der sich aus Untiefen meines Hirns dazu meldete:

als ein Auto blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gepräch vertieft,
als ein totgeschossner Hase auf ner
Sandbank Schlittschuh lief.

Was isses?

Licht auf Asphalt

27. Januar 2017 von Sylvia | Keine Kommentare



 
Ob gegossen oder gewalzt, recycelt oder gerade gemixt – frisch aufgebracht riecht Asphalt streng nach Arbeit. Dann dampft er und glänzt glatt hinter den Arbeitsmaschinen. Sobald die Baustelle verschwunden, das Straßenband wieder befahrbar, schaut niemand mehr hin. Dabei ist Asphalt ein permanenter Hingucker… Bedeckt dreiviertel der deutschen Straßen, ist einfach immer und überall.

Wem die Zunge nicht brennt, dem brennen die Sohlen, schrieb Herzog. Die nackten Füße auf der Straße, so habe ich früher Städte erobert. Doch dass Asphalt, der sich an den Nähten so angenehm weich und glatt anfühlte, ein Naturprodukt sein könnte, darauf wäre ich nie gekommen. Früher nur, heute natürlich wird er synthetisch zusammengemixt oder recycelt…

Früher nannte man ihn Erdpech oder Bergteer, es gab Vorkommen in der Schweiz und in Deutschland, der teuerste aber stammte vom Toten Meer aus Syrien. Schon vor 2700 Jahren haben die Menschen verstanden, damit Dächer, oder Fässer wasserdicht zu machen.


 
Nachvollziehbar. Und wie immer, wenn man in Archiven blättert fühlt sich die Moderne gleich weniger modern und innovativ an. Asphalt nämlich hat viel mehr zu bieten: er wurde mit Bitumen zum Balsamieren von Leichen verwandt, was zum Begriff Mumie geführt hat. Und der beste, syrische Asphalt ist sogar lichtempfindlich. Joseph Nicéphore Niépce wusste das. Trug ihn 1826 als feinen Lack auf – und noch heute staunen wir über den banalen Ausblick aus seinem Arbeitszimmer, also über die älteste noch erhaltene, mit Asphalt belichtete Fotografie.

Dem gemeinen Straßenasphalt darf man das nicht abverlangen, doch auch er kann was. Streetart allemal: Sommerweich nimmt er gern Verlorenes an – Platinen, Kabel, Schrauben oder Messer – LKW-Reifen sorgen für Fixierung und Glättung, die Nacht für Abkühlung und Beständigkeit… Seitdem wir das im Fokus haben, finden wir – ganz en passant – die rätselhaftesten Stillleben des Unterwegsseins.