Jahr: 2026

O ihr Alle… Jesus und die Zeitsprünge

Erinnerung sprich? Wir waren schon dort und haben es doch vergessen. So können Anblicke uns immer aufs Neue erfreuen, von einem Zeitsprung zum anderen. Zwischen dem ersten und zweiten Besuch dieses Wegkreuzes ohne Kreuz lagen 26 Jahre (Zeitsprung 1993-2019). Zwischen jenem Wiederauffinden und dem erneuten, vollkommen Unerwarteten bei unserer letzen Radtour Flieden-Fulda-Flieden 2026 waren es sieben Jahre. Auch das ist Regionalität. Ist ein Navigieren durch und an uns bekannten Plätzen. Der Rahmen unserer Reichweite zeigt, wo wir zuhause sind. Grenzenlos. Magdlos, Brandlos… Und wie der Kaliberg den Hintergrund hält. Und die kleine Trauerweide gewachsen ist. Und wie es wohl kommt, dass sie, obschon an einer Anhöhe stehend so kräftig geworden ist? Marias (und ihrer Nachfolgerinnen) Tränen? Das jedenfals steht auf dem Podest: O ihr Alle, die ihr vorübergehet alle Wege gebet Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze. (Klagelieder, Jeremia 1,12) Gibt genug zu beweinen, aber das Staunen, das Sehen und Freuen nährt uns doch.

Buchkritik: Die Wildnis in uns

Eiskalt erzählt: Kurz nach der Ein- die erste Rausführung – und es schaudert mich. Ich lese, dass der Autor seit Stunden in die falsche Richtung läuft, statt zur angesteuerten Hütte. Dass er mitten in Nieselregen, Schnee und Eis steckt, ohne Wegmarke. Ein Krimi. Wie er die aufblockenden Gedanken beschreibt, das einblitzende Erkennen des Irrgehens – und die Angst. Hätte er die nicht überwunden, gäbe es das Buch nicht, schon klar, dennoch packt sein Bericht, als wär man dabei: Schafft ers? Er muss, sonst erfriert er und keiner kriegts mit.… Und dann im Laufschritt zurück – auf den rettenden Weg. Mitten im weißen Nichts Menschlein sein – und Überlebender werden. Ein Erlebnis, an dem Torsten Schäfer klar macht: Wildnis ist keine Tourismus-Kulisse oder Outdoor-Kick. Wildnis kann so tödlich sein wie unendlich wunderbar. Zu all den Facetten dazwischen kann er Erlebnisse erzählen, eigene wie gesammelte. Doch so spannend sie sind, sie sind nur ein Teilaspekt von „Die Wildnis in uns“. Geschrieben wurde das Buch aus der Überzeugung heraus, „dass wir indigen Menschen neu zuhören müssen, die seit …

Zieh dir was!

Geld rein, Drehn und Klack: Da war die rote Kugel! Ahh: Wie der Zucker auf der Zunge brennt. Erst die Kruste, dann das weniger leckere weiße Zeuch zerbeißen, knatschknatsch, hin- und herschieben das Geklumpe. Toll war das. Nur kriegte ich leider keine Blasen hin. Ich pustete, schnaubte und zischte, aber nix, da flutschte eher der Klumpen auf die Straße. Viel, viel später konnte ich‘s irgendwann doch. Aber nie so herrlich wie im Film Die Farbe Rot. In dem die Hauptdarstellerin Valentine diese Megablase produziert. Rot natürlich. Riesengroß landet dieses Blasen-Bild auf einer Werbeplakatwand. Sehr sehenswerter Film aus der Farben-Trilogie von Kieslowski. Kann man immer wieder anschauen. So ein Archiv, ob Film, Foto oder Text ist großartig. Nur droht wegen des jährlichen Zuwachses immer das Ausmistenmüssen: Brauchen wir das noch? Du? Ich? Was kann weg, was darf nie! nicht (gelöscht oder weggeschmissen werden)?  Und hat man sich entschieden: „So lange nicht gebraucht, weg damit“, will man es garantiert eine Woche später wieder anschauen. Tscha. Weg ist weg. Doch was noch da ist, ein Lebensschatz. Und eine …