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Hirn statt Kohle – Friday for Future

5. Juni 2019 von m&m | Keine Kommentare

 
“Power to the People” der Spruch hat nichts verloren an Strahlkraft.Fühlte sich nach Jugend an, nach früher und heute zugleich. Gut.

Interessant, wie alle Berichterstattung – ungeachtet der Bilder, die eine andere Wirklichkeit zeigten, eine Jugenddemo inszenierte. Was ich sah, ging querbeet durch alle Altersgruppen. Was ich sah waren handbemalte Pappen (Yeah!). Babymamas, Pubipapas, Rentnerinnen, Schulkinder, Hunde, Fahrräder, Rucksäcke, Transparente und „Ordner*in“nen. Da wusste ich: Das hat eine Frau organisiert. 4500 Leute ohne Müllhinterlassenschaften. Power to Micaela!




 
Noch? Am besten wars für mich, auf heißen Asphalt liegend, direkt vor den Toren der EZB. Mitten auf der Straße. Die-in. Fast 4500 Als-ob-Tote, als Symbol für den Klima-Raubbau an der Welt – und den Lateralschäden, die daraus resultieren. Die Hitze im Rücken hat mein Trackerherz auch um die Tiere geheult. Paradoxerweise sehr entspannend. Demo-Yoga. First World halt. Und doch wurde der Menschen (und Tiere) gedacht, jenen die fern sind und für unseren „nachhaltigen“ Lebensstil“ krepieren.
Dann auf einmal ein Radler, straight und mit Helm und ruft: “Ihr seid alle faule Säcke!” Kam aus der EZB vermutlich. Hörte sich irgendwie an wie… früher.

Ist schon paar Tage her jetzt, der vorletzte Friday for future am 24. Mai – deshalb kann ich jetzt auf die jüngste Doku zum Thema Mobilität verlinken: Klixtuhier (ARD-Doku “Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?”) – auch weil das das Thema des nächsten Großdemoprojekt hier in FFM sein wird: #Aussteigen (gemanaged von derselben taffen Orgafrau). Wir werden da sein.

 
 
 

Disco, Disco Partizani!

2. September 2018 von m&m | Keine Kommentare


 
Gestern vor der alten Oper: Frankfurter gegen Rechts und für Musik.
Gerockt, zum Toben gebracht und laut gemacht von DJ Shantel und seinem Bucovina Club Orkestar: Disco, Disco Partizani!
“Bella Ciao” wurde auch angespielt, mitgesummt – und Shantel (aus Sachsenhausen!) hat gleich erkannt: “Leude, so machen wir keine Revolution.” Recht hat er… Also, tobt, rockt, steht auf, haltet zusammen – und tanzt!


 
 
 

Aus name zustand: 17.000 friedliche Protester!

19. März 2015 von m&m | 2 Kommentare

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Feuer und Gewalt! Morgens um 7 ist die Welt schon angeraucht. Eine halbe Stunde nachdem der erste Heli übers Haus geknattert ist, laufen die ersten Meldungen über Twitter. Wie? Brennende Autos und Barrikaden? „Shit! Keine Gewalt!“ Bittet @Muschelschloß auf twitter. Ja, Scheiße. Bleibt aber Ausreißer von immerhin 1000 Hool-Köpfen, die für Randale gekommen sind. Da hat Frankfurt schon anderes erlebt, selbst wenn jetzt alle Medien schnappatmen. Und das heftigst, untermalt von den feurigsten Szenen und Fotos von den steinewerfendsten Schwarzer Block-upyern. Vom Machtdemonstrations- oder Self fulfilling Prophecy-Charakter des „Schutzkonzepts“, das unsere Stadt schon seit Montag in eine Festung verwandelt hat – nichts. Vom Ausschluss der Presse bei der Eröffnungsfeier – nichts. Nicht die Demonstranten haben die Innenstadt wegen Brandschatzens und Marodierens lahmgelegt, wie man angesichts der Berichterstattung denken könnte, sondern die großzügige Absperrung der Innenstadt durch die Polizei.

Ausreißer hin oder her, der Morgen war krass. Autos haben gebrannt, es gibt diverse Scherben, Emotionen, Feindbilder aufzukehren. Und wieder zeigte sich, dass Streitkultur fehlt, dass Konflikte vor allem eins auslösen: Angst. Traditionell wurde also nach rechts und links sortiert – und besonders dort gemobbt und gepöbelt, wo es am wenigsten soziale Kontrolle gibt, im Netz.

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Um 14 Uhr auf dem Römer jedenfalls wars pickepackevoll und alle hatten beste 1.-Mai-Stimmung. Der Attac-Slogan „My big fat greek Solidarity“ war einfach gut, für Kinder gabs blau weiße Herzchenballons. Kurz: Schuldenschnitt mit Herz. Junge und mittelalte Leute waren da, Friedenstäubchen mit Pace-Fahnen und Hardcore-Aktivisten mit denselben Sturmhauben wie die Polizei. Rund zehntausend fasst der Römer. Rund um den Paulsplatz waren nochmal so viel, flankiert von nochmal so vielen Einsatzkräften. Später in der Tagessschau (die Jungs haben vor mir gefilmt) sieht man davon im Schatten von Randale und Feuerbildern nur eine Pflichtsekunde lang. Heiligs Blechle!

Die Zeil wurde von Aktivisten wie bei Occupy vor zwei Jahren mit diversen Aktionsspots aufgemischt. Wellenbewegungen von Demonstranten und Polizisten. Geführt von einer Sambatruppe in rosa. Die wird zweimal eingekesselt – doch weiter geschieht nichts, beide Seiten machen ihre Demo, verhandeln und halten sich zurück. Es geschieht ohnehin nichts, was nicht gesehen, dokumentiert und getwittert wird. Von hinten sieht man nur emporgereckte Arme und Smartphones, oder das Teleskopstativ mit Kamera der Polizei. Gerangel. Hin- und Hergewoge. Sie rufen: „This is how – demo-cracy looks like! This is how – demo-cracy looks like…“ – und ich wundere mich, dass nicht alle mitschreien. Nee, mitschreien ist oldschool. Dafür wird aufgezeichnet.

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Ansonsten ist es gespenstisch leer in der Stadt. Manchmal begegnet man einem Trupp Polizisten, die wie eine Phalanx irgendwohin marschieren, manchmal einem Trupp Demonstranten, die sich mit Proviant eingedeckt haben. Manchmal beidem… Mittwoch autofrei – das hat mir gut gefallen. Konsumfrei teilweise auch – Kaufhof und diverse andere hatten geschlossen (sicher mal sicher). Das bereinigt die Demostatistik. Hatte mal recherchiert, dass an einem Occupy-Aktionstag mehr Leute bei Kaufhof waren als auf der Demo. Gestern nicht.

Mittlerweile sind sie wieder zuhause die 900 Sonderzuzügler aus Berlin. Die Italiener, Spanier, Franzosen und Griechen werden wohl noch hier sein. Die Medientitel am Kiosk melden Feuer und Randale! Wenig, was Menschen mehr in Alarmzustand versetzt. Und Zeitungen wollen ja verkauft sein. Auf twitter bedauerte einer, es werde bleiben, dass man besser mit dem einen Prozent an Reichen leben kann, als mit den 99 % Bekloppten. Yep. Das ist der zentrale Befund des Tages. die Diskussion geht nicht dahin, wieso wir einen Verarmungskurs mittragen, wieso wir alles tun, dass das Geld nur ja ausschließlich bei uns bleibt (Griechenland den Griechen! Haben ja eh alle nur geprasst. Zum Schämen wie dieser Schäubleplan eines Flüchtlingslagers in Nordafrika – was ist extrem?). Nein, es wird nicht über auskömmliche Lohnkosten, faire Behandlung oder ähnliches diskutiert, sondern – über gewaltbereite Linke, respektive Ausländer.

Es soll auch Verletzte unter den Polizisten gegeben haben (laut @polizei_ffm abends schon wieder alle fit. Der Tagesspiegel meint, vom selber versprühten Pfefferspray). Gewalt macht Gewalt. Daher ist doch die Frage, wie klug das Konzept war. Wie gut die Idee, die Bank wie eine Festung schon zwei Tage vorher zu verrammeln und zu verbarrikadieren und die Stadt mit 10.000 Polizisten aus ganz D aufzurüsten, die in ihren Rüstungen wie eine Kreuzung aus Bulldogge und Footballspieler aussehen. Dass die Protester aus Südeuropa sich nicht aufhalten lassen, wenn sie dem kapitalistischen Machtzentrum ihre Meinung kundtun wollen – Überraschung! Heute ist die Stadt wieder uns, der Aufräumdienst war schnell, von Frankfurt in Schutt und Asche keine Spur. This is how democracy looks like…
 

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