Alle Artikel in: Natur und Umwelt

Schwarmeleganz: Bergfinken

Hier der Link zur Galerie: Bergfinken im Winterquartier (15 pics) Da sind sie! Erst die kleine Vorhut, rund 50 der heiß erwarteten Bergfinken, dann eine Zeit lang wieder nichts. Dann ein weiterer Vogelschwarm, und kurz drauf die nächste Vogelwolke. Tausende, abertausende Vogelleiber im Formationsflug. Zum ersten Mal zeigen sich Bergfinken hier in Hessen. Bieten uns ein ungewohntes Bild: unerschöpfliche, unfassbare und dazu magisch schöne Überfülle. Sie kommen her zum Schlafen, satt von Bucheckern, die es letztes Jahr reichlich gab (sprenkeln uns mit weiß-zimtnen Klecksen). Mal ähneln sie einem Band, das sich spiralig windet, mal wenden sie, als hätten sie genau diese Choreografie für genau jene Sekunde ausgezwitschert. Geflogene Partituren. Der Himmel gefüllt mit Strichen und Punkten. Zeichen so fremd und zugleich so vertraut, man möchte mitsingen, mittanzen, fliegen… Ausbreiten, falten, anlegen, Fahrt gewinnen! Dabei sind sie kaum zu hören. Ein überirdisches Rauschen, ein flattriges Flirren wenn sie genau über unseren Köpfen sind, mitten durch die Menschen zu fliegen scheinen, oder zum Steigflug ansetzen um endlich ihren Schlafplatz auszusuchen. Ausbreiten, falten, anlegen. Mit angelegten Flügeln wie …

Das Quappen-Tagebuch

Hier der Link zur Galerie: Quappen (12 pics)   Achtzehn könnten sie heute sein – oder tot. Ich sage: sie leben noch. Schließlich hatten sie eine Powerkinderzeit – bei uns. Achtzehn Jahre ist das schon her, dass wir den Förster fragten, ob wir uns Kaulquappen holen dürften. „Klar, sowas muss ein Kind doch mal erlebt haben“, lautete die Antwort. Erst nach unserer Quappenaufzucht belehrte uns dann ein anderer Forstmann, „sowas“ sei verboten. Alle Amphibien stünden unter Naturschutz! Weil: Leider sei die Überlebensquote ziemlich gering, und sogar Schulklassen mit offizieller Erlaubnis bei der Kaulquappenaufzucht wenig erfolgreich. Daran musste ich jetzt wieder denken, als ich „Die Tage des Gärtners“ von Jakob Augstein las. Schönes Buch. Bin zwar an verschiedenen Stellen gar nicht seiner Meinung – Rhododendron etwa würde ich nie pflanzen. Nie. Rittersporn dagegen überall. Bei der Funkien dagegen sind wir uns wieder einig. Und herzlichen Dank auch für die Info mit der Kletterhortensie – aber das wäre ein anderer Text. Hier jetzt will ich vom Frühling reden! Sechs krasse Wochen noch, bevor er endlich kommt. Reden …

Großartig: Die besten Naturfotografien Europas

  Richtige Bilder. Frei von Kitsch oder Ichzeigdirwasknipserei, geladen mit jener wunderbaren Intensität, die Blicke anzieht. Wieder und wieder hält jemand inne und betritt das graue Karree der Stellwände. Sie zeigen die Siegerfotos der „Europäischen Naturfotografen des Jahres“ – dem jährlichen Wettbewerb der GDT. Die Menschen stolpern geradezu über diese Bilder, denn sie fallen erst beim zweiten, dritten Hinschauen auf. Eben noch schaute das Pärchen mit den Rollkoffern auf die Anzeigentafel: wann fährt mein Zug? Pünktlich? Plötzlich stehen die Rädchen still, die beiden staunen, lassen den typischen Lassmich-in-Ruh-Ausdruck, den Bahnhofsblick fahren, und sind ganz offenbar berührt. Hier!? Mitten im Trubel passiert, was durch sinkendes I-Stock-Bildniveau immer seltener gelingt: intensive Kommunikation zwischen Bild und Betrachter. Die Jury markiert diese Eigenschaft in dem einfach aber ansprechend gemachten Katalog als absolutes Auswahlkriterium für Siegerfotos. Zwischen Fastfoodangeboten, Werbegeflatter und allgemeinem Menschengewusel wirkt die Ausstellung wie ein ruhender Pol. Eine eigene Welt, die hier in Frankfurt sehr dicht in das kleine Aktionskarree gepasst wurde (an Ostern hockte da noch ein überdimensionaler, aufgeblasener Hase). Die Fotos überraschen mit besonderen Perspektiven, sind …

Knitta back! Bewegung überm Hotel H.

  Ja, es ist selbstgestrickt das Graffiti – und was die Fünferpäckchen, also das Zahlenrätsel darin betrifft, mache ich es wie alle andern. Erst ziehe ich eine Zahl aus dem Nichts, suche passende Daten dazu und interpretiere das Ganze nach Strich und Faden. Kann man auch Zahlenmystik nennen. Stricken ist Mathe, das habe ich hier schon mal erklärt – diesmal hab ich vierzehn Striche macht. 14? Googeln bringt das hier: Die „hebräische Bibel“ soll laut Wiki 14 schöne Frauen kennen, 14 Stationen von Jesus’ Kreuzweg gibt’s und 14 passende „Nothelfer“ werden für die katholischen Kirche erwähnt – die wird man da grade alle brauchen. Die rechtsextremistischen Nummer spare ich aus, aber Bach: Bach hat die Buchstaben seines Namens übers Alphabet numerisiert, addiert und – 14 herausbekommen. Unser 14er-Graffiti ist ein Flugzähler: Eine Stunde überm Hotel H’Inn.

33 Shades of Green – Auftanken im Stadtgarten

  Vom Glück des Kindischseindürfens im Garten schreibt Eva Demski. Kindisch? Aber ja! Oder was sonst soll das sein, wenn ich etwa kiekse „Komma gucken!“, nur weil sich, parbleu, mitten aus den Lanzenschwertern meiner Iris, urplötzlichst, weil bis eben unerkannt, eine flach gefaltete Blüte schiebt. So geschehen im Mai. Ja, da werde ich ein bisschen schwachsinnig vor Freude. Schließlich hatte sie drei Jahre nicht geblüht. Dazu blieb mir sogar noch eine Spannungsfrage: Gelb oder blau? Denn: eine meiner beiden Iris-Töpfe wurde mir während deren Herbstruhezeit aus dem Treppenhaus geklaut. Doch zum Glück hilft so ein Garten, versichert Demski, gegen Ärger und Grübeleien gleichermaßen. Sogar die Erderwärmung lässt sich vergessen, schließlich geht es hier um Verantwortungsübernahme: „Gießen. Mich. Jetzt.“ Eine Aktivität, bei der sich sogar krass verzwirbelte Synapsen entspannen – auf dass später und tatsächlich auch globales Denken wieder flutscht. Versteh gar nicht, weshalb ich Demskis Gartengeschichten erst jetzt für mich entdecke. Wohl, weil Gartenbücher mich eigentlich wenig locken. Jedenfalls die Sorte, die sich mit perfekt gestylten Bildern zum Wennmirsonstnichtseinfällt-Geschenk anbiedert. Hochglänzende Langeweile. Bisher gab es …

Abschuss – von Krähen, Gärtnern und Journalisten

  Was? Die erschießen Krähen mit städtischer Erlaubnis? Und das schon seit drei Wochen und auch noch in unserem Revier?! Las ich heute morgen in einer Email. Ich wär vom Rad gefallen, hätte einer vor meinen Augen eine Krähe abgeschossen. Gebe mich hiermit als Vogelgucker und Krähenfan zu erkennen: Ich mag die schwarzen Kerls, die einen immer so genau anschauen und möglichst auf Abstand halten – außerdem habe ich gerade das Buch Krähen. Ein Porträt von Cord Riechelmann gelesen (eigentlich wollte ich heut das Buch vorstellen, mach ich noch – jetzt kommt erst die Krähenstory life). War mir bisher nicht bewusst, dass Krähen das Etikett Unglücksvogel haben. Oder dass manche Menschen glauben, Rabenvögel wie Elstern und Krähen dezimierten bösartig unsere Singvögel und fräßen Lämmer oder kleine Hunde. Schall und Mythen. Riechelmann erzählt das sehr eingängig. Erfüllt vom neuen Krähenwissen entsetzt mich das Geschieße gleich doppelt: Idioten, mitten in meiner Stadt! denke ich daher zuerst, als ich den Onlineartikel zum Krähenmord anklickte. Der Link kam von einem bisher als seriös eingestuften Absender, nur deshalb las ich …

Hahn hacks – Luftgraffiti #3

  Wie aus dem Nichts. Als sei ein heimatloser Flugplatz im Sperrgebiet gelandet. Sanfte Wiesenrundungen, Pferde, Felder und im Hintergrund die Hügelkette des Hunsrück – besetzt mit derart vielen Windrädern, dass man kapiert, was Leute mit Verspargelung meinen. Und dann plötzlich diese Armybauten. Kasernen in Ocker mit ochsenblutfarbenen Halskrausen, jeweils geschmückt mit einem stilisierten Kampfjet-Emblem. Zugewucherte Vorplätze, eingeschlagene Fensterscheiben – das Gelände rund um den Flughafen Hahn ist ein Dorado für Jungs, die ihre Testosteronschübe ausleben oder einfach mal unbeobachtet sein wollen. Ebenso wie für Papas, die mit ihren Söhnen statt auf der Kartbahn im Nirgendwo landen und staunend herumcruisen – und natürlich für uns, die wir bizarre Orte lieben.   Zutritt verboten? Als wir vor einem halben Jahr auf Locationsuche waren, hing das Schild da nicht, ganz sicher. Wir treiben an einer Fichte vorbei, der der letzte Sturm ihr oberes Drittel abgerissen hat, streifen Riesenfliegenpilze – und öffnen schließlich ein Portal, betreten einen, ja, sakralen Raum. Wie Archäologen stoßen wir auf stumme Zeugen einer zerfallenden Welt, fremd und vertraut zugleich. „Danger Mines!“ ächzt eine …

Zeichen an der Straße: Njet-Jets!

Schwupps und – passt! Das Ortsausgangsschild Egelsbach hat ein neues Hemd. Gut, da ist bisschen Luft – aber so ist das eben bei Flughäfen, klein oder groß – die wollen immer wachsen, da muss man in XXXL denken. Ich zupfe hier und da, steige von meiner Leiter und – wie im Cartoon: „Es guckt wieder kein Schwein.“ Präziser ausgedrückt: keiner reagiert. Radfahrer truppweise, Jogger mehr als Flugbewegungen – und alle schauen gezielt vorbei. Ins Leere. Vielleicht sind sie verblüfft. Gehen Strick-Aktivisten ja sonst eher bei Nacht und Nebel raus, um ihre Werke anzubringen, vermummt, mit Spitznamen, psst! Mädels lasstma, braucht’s gar nicht. Liegt vielleicht auch am Thema. Blümchen und Pilze verschrecken die Durchschnittspassanten wohl weniger als eine, wenn auch verspielte Ansage. Denn: natürlich weiß jeder hier, worauf das durchgestrichene Njet-Jets anspielt. Net-Jets ist das Unternehmen, dem 80 Prozent des größten Verkehrsflugplatzes seiner Kategorie gehören, und es steckt selbst wiederum in der Brieftasche des superreichen Amis Warren Buffet. „Sitzt es gerade?“ Endlich sagt mal einer was. „Sie sind bestimmt von der Presse?“ Gerade mal nicht. Gerade …