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Blockupy: Alles ist verboten!

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Der schwarze Block Frankfurt schwitzt ordentlich und hat, zwecks besserer Unterscheidung, auf dem Rücken nicht nur “Polizei”, sondern rote, blaue und neongelbe Schildchen mit römischen Ziffern angeklettet. 5000 demonstrieren am Paulsplatz, vor der deutschen Bank, vor der EZB und am Römerberg. Sie halten außerdem einen grünen Lungenflügel Frankfurts besetzt: Die Taunusanlage. Verrammelt und abgeschottet. Wer da durch will, muss schon eine Sondererlaubnis haben, also Banker, Rechtsanwalt oder einer deren Dienstleistenden sein. Touristen, Spaziergänger, Radfahrer, Jogger – müssen draußen bleiben. Die ganze Innenstadt von baden-württembergischen Polizist_innen abgeriegelt, die den verwirrten Irrfahrern nicht mal sagen können, wie sie zum Bahnhof kommen.

Frankfurt Mitte Mai: Seit Montag ist Panik angesagt: Die Deutsche Bank packt ihre Skulpturen ein und zieht einen fünffachen Ring von schwarz bespannten Zäunen um ihre Türme. 40.000 gewaltbereite Demonstranten seien unterwegs, der HR interviewt Geschäftsleute in der Innenstadt und wünscht ihnen am Ende „viel Glück“, die Polizei empfiehlt: Eltern sollen ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen, Banker und Rechtsanwälte nicht Kostüm, Schlips und Anzug tragen, sondern „unauffällig“ in Freizeitkleidung kommen (unauffällig? Können die gar nicht. Da steckt der Mont-Blanc-Füller in der Freizeithemdentasche – und, die legeren Segelschuh kosten ein Vermögen). Die Beamten riegeln schon seit Montag die Innenstadt derart ab, dass man meinen könnte, die Queen, Obama und Perez kämen gemeinsam zu Besuch. Mittwochabend stürmt unser Großer rein: Dreimal haben sie mich heute gecasht: Perso abgenommen, an die Wand gestellt und angeschnauzt – Geht’s noch?!

Donnerstag

Alles unter Kontrolle. Allein, die gewaltbereiten Chaoten fehlen an diesem Mittag, an dem das Komitee der Grundrechte zur Demo für die Wahrung des Demonstrationsrechts aufruft. „Mama?!“, schmiegt sich ein Mädchen fragend an seine Mutter – die beiden kommen vom Paulsplatz, wo man schon von weitem Demogeräusche hört, Schilder sieht – „Ach“, antwortet Mama, „als ich so alt war wie du (grob geschätzte acht Jahre) hat meine Mutter mich auch zu Demos mit genommen.“ Ich grinse noch, als sich mir ein Blockierer in den Weg stellt: „Wollen Sie zur Demo?“ Ein kurzgeschoren Blonder, der mich nicht wirklich anschauen mag und nicht wirklich lächelt; einer aus dem schwarzen Block halt. Mal sehen, vor allem will ich durch. Er guckt, als sei ich schwer von Begriff: „Wollen Sie zur Demo? Hier gehts nicht durch.“ Aber, da oben gehts doch weiter, seh ich doch. Da will ich hin…Absurdsprech vom Feinsten. Schließlich lässt er mich. Manno! Wenn sie sich schon mich krallen wollen, kann es verdammt überhaupt keine Autonomen, außer dem gut bewehrten schwarzen Block mit der rückwärtigen Aufschrift “Polizei” auf der Jacke, hier geben.

Wir umkreisen den Absperrkordon der Innenstadt, sehen ratlos umherstreifende Polizisten und Kameramänner – kein gewalttätiger Chaot weit und breit. Nur Leute, die wie wir an jeder zweiten Ecke in einer polizeibestückten Sackgasse stranden. Und ein zutiefst subversives Demo-Schild der Dresdner Bank (hängt da immer):

… Den Göttern gleich ich nicht!

Zutiefst ist es gefühlt;
dem Wurme gleich ich,
der den Staub durchwühlt,
den, wie er sich im Staube nährend lebt,
Des Wandrers Tritt vernichtet und begräbt…

Für uns mög euer Wort in seiner Kraft bleiben…
Ihre Dresdner Bank.

Also, noch Mal: Paulsplatz. Und mit Mal wird’s eng. Polizeibusse fahren an, über Twitter wird gewarnt, ein Schützenpanzer und ein Wasserwerfer (WAVE) seien unterwegs. Doch jetzt wird hier gekesselt, dass mir ein bisschen schwummerig wird. Erst umstellen etwa 500 Polizisten rund 300 Demonstranten, Brustpanzer an Brustpanzer, Pistolenholster an Pistolenholster, Helm an Helm. Drumrum rangieren sie ihre Busse, Schnauze an Reserverad. Dicht. Und dann wird aufgefordert, die Demo zu verlassen. „Sie begehen hier nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat.“ Brüllt es aus dem Polizeiwagen. „Das Megafon weg!“ Konstantin Wecker soll aufhören zu singen, und: Alle sollen weg. „Genau!“ ruft ein vorbeiradelnder Nichtanzugträger: „Schickt sie alle nach Hause. Die braucht kein Mensch.“

Wir wutschen raus, obschon die Polizeikette recht dicht ist, und ich höre einen, den ich von Occupy kenne: „Rhein soll zurücktreten!“ Das werde ich überall sagen. „Rhein soll zurücktreten! Straftat? Unsinn! Hier wird man belogen und betrogen.“ Occupymann erzählt, die Polizei hätte ein Ausweichquartier für die geräumten Camper zugesagt – tatsächlich aber habe es das nicht gegeben, „die sind jetzt alle irgendwo untergekommen.“ Als wir fahren, sehen wir einen Trupp Blockupy-Aktivisten. Schließlich wird doch der Kessel wieder aufgelöst, alle ziehen auf den Römerberg, lese ich später auf Twitter.

Und? Blockupy war supererfolgreich. Jetzt schon. Dermaßen lahm gelegt war die Innenstadt noch nie, nicht mal beim Marathon oder beim früheren Erster-Mai-Radrennen. Und wenn jetzt schon die Polizisten demonstrieren… Die Blockyouparty geht ja noch drei Tage. Die Jungs und Mädels auf dem Römer beweisen sogar Lokalpatriotismus und Herzensnähe zu den Montagsdemos am Flughafen, sie rufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“

Erstaunlich aber doch, dass die Polizei eine verschüchterte Hertha weiterspielen lässt, damit es keine Randale unter den Fans gibt, in Frankfurt aber alles lahm legt, und keinen spielen lässt, auch wieder: damit es keine Randale gibt. Wer ist, macht und bestimmt eigentlich, wann wo Randale ist? Acht Monate gibt’s hier jetzt das kleine friedliche Occupy-Camp und plötzlich sollen die Leute ihre Sprösslinge nicht mehr in den Kindergarten bringen. Warum? Weil die Occupier Anzugträger und Kinder fressen? Nein, Herr Rhein macht Schluss mit lustig. Deeskalation sieht anders aus. Peter Grottian hat übrigens gleich zu Anfang des Camps ziemlich deutlich gemacht: Überlegt euch was, die sind jetzt nett zu euch, aber wenn’s ernst wird, wird sich das ändern.

Jetzt schon klar, was das ganze Himmelfahrtsspektakel soll (zu schweigen davon, was das kostet?!?!). Nun, Boris Rhein entspricht durchaus der neuen, spektakulär rückschrittigen Linie „Härte und Durchgreifen“. Weg ist weg: Occupy geräumt.

Ein Kommentar

  1. Ich wette, dass die meisten Blockupy-Anhänger sogar noch ein Bankkonto bei der Commerzbank / Deutsche Bank / etc. haben.

    So kurzdenkig sind diese Deppen überall geworden.

    Dabei hat der Konsument die grösste Macht: wenn niemand mehr mit Aktien handeln würde und auch kein Bankkonto mehr hat, brechen die Banken automatisch zusammen. Aber so intelligent ist eben niemand mehr auf dieser Welt…@

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