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Occupy Tag zwei: Yes we camp

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Kleiner Nachschlag: Es sind mehr als zwanzig Zelte (das Ordnungsamt hat also nicht ab zehn geräumt. Und das Camp ist vorerst genehmigt bis Mittwoch. In einer open space-Sitzung haben die Akteure heute Mittag einen Plan für das Vorgehen der nächsten Tage erstellt. Die Handzeichen – das Wirbeln der Hände noch oben steht für Zustimmung, nach unten für Ablehnung die Hände drehen für Rednerwechsel – heben weder den Lärmpegel, noch stören sie die Redner. Genial ausgedacht von den occupy wallstreet-Leuten.

Redner auswechseln, das wurde gestern einem Linken bedeutet, der von seiner Partei sprach – heute nachdem sich ein Render von attac gemeldet hatte, wurde ihm direkt geantwortet: “Dein Redebeitrag ist willkommen, wenn du dich als Person meldest, nicht als Vertreter einer Organisation.” Die Bundeszentrale von attac sei nicht weit weg, es wäre super, “wenn ihr sie öffnet und uns Schlafplätze oder anderes zur Verfügung stellt. Wir sind die Organsiation und wir wollen unsere Vielfalt erhalten, das ist unser Potenzial, aber wir wollen nicht, dass man uns in kleine Gruppen aufteilen kann.“ Wirbeln der Hände.

Vielfalt, Kreativität und sanfte Entschlossenheit. Es ist diese Generation, über die Soziologen, Eliten, Eltern, die ganze Zeit rätseln. Die sind so nett, die wollen nicht anecken, die sind so unpolitisch. Und jetzt stehen sie auf und zeigen, was sie drauf haben. Gut so.

Während manche ihr Glück ins Mikro rufen: „so ein geiles Gefühl, hier zu sein. Wenn ich an das Chaos von gestern Abend denke, und dann haben alle mit angepackt – super!“ Eine junge Frau, die zu den Organisation gehört, ermahnte: Irgendjemand hat ‚Nieder mit den Bonzen’ geschrieben – irgendwo anders steht „Kapitalismus tötet, tötet Kapitalismus“ – sie könne vestehen, dass jemand wütend ist, aber Ziel sei nicht Personen anzugreifen, sondern das System zu verändern. Der nächste Redner sagt: „Noch hat niemand Angst vor uns – das soll auch so bleiben.“ Dokumentarfilmer Martin Keßler empfahl den Demonstranten den Europahorizont zu weiten und die empörten Spanier einzuladen: Die sind ohnehin gerade auf dem Weg von Madrid nach Brüssel – ladet sie ein, die haben so viel Power, die geben euch Kraft.“ Der Mann arbeitet im Moment an einem Film über soziale Protestbewegungen in Europa und forderte zum, Vernetzen auf. Die Unterstützung de Stadtgesellschaft – Kirchen, soziale Vereine – wer auch immer Interesse an sozialer Bewegung hat – „nehmt Kontakt auf!“ Übrigens: Kleine Messer fehlen in der Campküche. Für so was soll ein schwarzes Brett auf der occupy Frankfurt-Site eingerichtet werden.

Hat denn ein solches Camp eine Perspektive? Was ist am Montag, wenn die Banken wieder geöffnet haben und der Alltag über den Willy-Brandt-Platz vor der EZB zieht? Ja, sagen Beobachtr. Ja, Wenn sie sich Vernetzen, sich nicht instrumentalisieren lassen und wenn sie das Medienloch überstehen, das zwangsläufig kommen wird. Es gab so viele Diskussionen am Sonntag unter den Leuten. Da war viel mehr als Sonntagsspaziergang. Und die open space-Diskussionen finden auch bei den zufälligen Passanten Respekt und Aufmerksamkeit. Da geht was, auch wenn Medien wie Spiegelonline das poplig finden. “Wir müssen slber ein Medium der Veröffentlichung haben, wenn die Presse uns zerreißt.” Sauschlechter Ruf, der einen da umgibt. – „Meine Mutter denkt, ich sei Klavierspieler in einem Bordell. Das ist ein anständiger Beruf“ – von wem war das? Aragon? – Peter Grottian, der gestern schon geredet hat, hat sich mit den Perspektiven auseinandergesetzt. Er rechnet mit dem normalen Medienalltag, aus dem die Demos alsbald verschwunden sein werden. „Die werden euch öffentlich durchwinken.“ Schaun wir mal. Morgen.

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