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endlich / unendlich – Brita Kunstpreis 2015

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© Annette und Martin Goretzki / Brita Kunstpreis 2015

© Annette und Martin Goretzki / Brita Kunstpreis 2015


 
Ein Kulturschock. Die Bilder dieser Ausstellung heischen, kreischen, knallen nicht. Aber sie sind packend präsent. Dicht und tiefenscharf. Beredte Bilderstatements, wie ich sie im normalen Wust der Anschläge oder den Medienangeboten fast nie wahrnehme. Ausgezeichnet mit dem Brita Kunstpreis 2015, Leitthema Nachhaltigkeit.

Feuer

Die Islandserie zeht uns rein. Ein Bild trägt den coolen Titel „Elfen und Kapitalismus“. Fotografiert hat Martin Sigmund „nach der Wirtschaftskrise“ monumentale Natur, gespickt mit Menschlein. Schön, und doch: die Exotik Islands, so scheint mir, reicht bereits für ein Skandic-Feeling. So wie die Weite der nordamerikanischen Gegend für ein Roadmovie (ausfotografiert und ausgekrimit).

Wasser

Ganz anders die Seestücke von Wulf Winckelmann: Meer. Himmel, Wellen, nichts weiter. Und unterschiedlich groß. In der Hängung sind sie verbunden durch die Linie des Horizonts. Himmel also, Meer, Niemand. Der Blick in den Beipackzettel verrät: erst fotografiert, dann abgemalt, dann das Abgemalte wieder fotografiert. Zum Beispiel den „Pazifik vor Fukushima“. Surreal. Sieht man das wirklich? Oder ist‘s wie bei optischen Täuschungen – wenn du es einmal weißt, wirst du die Kipp-Bilder nie mehr los, wird dein Hirn sie nie mehr anders sehn. Kaum also gelesen, dass dieses Meer vor mir fukushimagrün strahlt, hab ich unheilvolles Sirren im Kopf, unverständliche Reden, Sturmböen… Fu-ku-shima, Remember my name…

Luft

Die Montagen von Laura Stark gefallen uns sehr. Wenn das Nachhaltigkeit ist, dann ist Nachhaltigkeit luftig-leicht. Ein Traum? Nein. Ihre Idee ist die Darstellung von Gleichgewicht. Balance, absolut. Mit raffinierter Doppel-Expo-Technik lässt sie das Schwere des Anspruchs, oder der damit verbundenen Probleme weit hinter sich. Nimmt die Naturwaage in den Fokus, lässt sie oszillieren wie die Spaceships der Odyssee 2001.

Erde

Auf der Rückseite dieser Traumwand entdecken wir die Serie „Unfailing Power“ von Annette und Martin Goretzki. Bilder, die von landfressender oder ressourcenschonender Energiegewinnung erzählen. Sind uns sofort nah. Vielleicht weil es ein Paar ist, unser Alter… Die beiden haben den Publikumspreis bekommen. Publikum? Belegschaft. Die MitarbeiterInnen des Taunussteiner Unternehmens. Gute Idee.

Nur zwei von elf Projekten, denen ich gar nichts abgewinnen kann. Pfingsten in der Nähe von Wiesbaden? Dann unbedingt noch hingehn, selber sehn:

BRITA Kunstpreis 2015
Endlich und unendlich – Natur als wertvolle ökonomische Ressource im Wandel
24. April bis 24. Mai 2015
Kunsthaus Wiesbaden, Schulberg 10, 65183 Wiesbaden
Eintritt frei

© Wulf Winckelmann /Brita Kunstpreis 2015

© Wulf Winckelmann /Brita Kunstpreis 2015


 
 

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