Bild des Monats: Juni 2015
Bleib! Schau. Mich an. Wenn Bilder so zu mir sprechen, selbst wenn sie „Wurschtbud“ sagen, haben sie mich am Haken. Drei Serien gibt es bei den diesjährigen Wiesbadener Fototagen, bei denen ich blieb und schaute: „Wester World“ von Eckart Bartnik (darunter das Foto mit der Wurschtbud), „Breeda en Sestre – Brüder und Schwestern“ von Mika Sperling und „Empty Spaces“ von Katerina Belkina – außerdem mochte ich die Montagen von Brice Bourdet. Vielleicht, weil ich derzeit selbst gern mit Überblendungen arbeite. Gibt ja Leute, die das Gebastel nennen. Ficht. Mich nicht an. Doch, bevor ich erzähle, was wir in den vier von fünf Ausstellungshäusern gesehen haben, noch mal eben auf Los. Ich zitiere aus der Ausschreibung des Wettbewerbs, denn er passt gerade zu gut. Es gab zwei Leitplanken, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen – hier der „Europäische Ansatz“. So wie gerade die europäische Idee an ihrem Geburtsort vergewaltigt wird, lohnt es sich unbedingt diesen Part nochmal zu lesen: „Die Europäische Union wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern lediglich als Wirtschafts- und Verwaltungsraum wahrgenommen. Je mehr dieser …
Ein Kulturschock. Die Bilder dieser Ausstellung heischen, kreischen, knallen nicht. Aber sie sind packend präsent. Dicht und tiefenscharf. Beredte Bilderstatements, wie ich sie im normalen Wust der Anschläge oder den Medienangeboten fast nie wahrnehme. Ausgezeichnet mit dem Brita Kunstpreis 2015, Leitthema Nachhaltigkeit. Feuer Die Islandserie zeht uns rein. Ein Bild trägt den coolen Titel „Elfen und Kapitalismus“. Fotografiert hat Martin Sigmund „nach der Wirtschaftskrise“ monumentale Natur, gespickt mit Menschlein. Schön, und doch: die Exotik Islands, so scheint mir, reicht bereits für ein Skandic-Feeling. So wie die Weite der nordamerikanischen Gegend für ein Roadmovie (ausfotografiert und ausgekrimit). Wasser Ganz anders die Seestücke von Wulf Winckelmann: Meer. Himmel, Wellen, nichts weiter. Und unterschiedlich groß. In der Hängung sind sie verbunden durch die Linie des Horizonts. Himmel also, Meer, Niemand. Der Blick in den Beipackzettel verrät: erst fotografiert, dann abgemalt, dann das Abgemalte wieder fotografiert. Zum Beispiel den „Pazifik vor Fukushima“. Surreal. Sieht man das wirklich? Oder ist‘s wie bei optischen Täuschungen – wenn du es einmal weißt, wirst du die Kipp-Bilder nie mehr los, wird dein …
Kreuzig der Irrgang – weißlippig – harnsauer Schultern bewachsen mit Müll Sie schleudert Gummifinger Aus reinen Augen quellen Müllberge – sie sammelt gleichmütig – unbeirrbar – sie füttert milchig lächelnd die Abfallbehälter kennt alle in der Stadt – kreuzt Müll – fängt Ekel die Augen auf unscharf An ihren Händen kleben die Blicke der andern – sie indes greift und packt ungerührt beugt sich, scharrt zusammen sieht nicht die krausen Münder, gezückten Brauen, Rüschenheere sieht sie nicht Dann ein Schimmern – sie lächelt von der Straße hinter ihrem Hirn, Milchmädchenhirn, runde Stirn Wer gab ihr mein Grün? Dünnlippig die Porzellanaugen betasten den Raum den Raum, blau, zwischen den Brauen und Mündern, direkt durch den Ekel blitzt sie spitzt jagt jedem ihren Müllhaken unter die Haut.
wenn zwei wären kleine schwester sein mit blauen flügeln die große immer nah ein schatten warm und fest zum anlehnen, bedingungslos streiten und herzen gehen dürfen, für jahre – und wiederkommen ohne, ganz ohne arg
Feuer und Gewalt! Morgens um 7 ist die Welt schon angeraucht. Eine halbe Stunde nachdem der erste Heli übers Haus geknattert ist, laufen die ersten Meldungen über Twitter. Wie? Brennende Autos und Barrikaden? „Shit! Keine Gewalt!“ Bittet @Muschelschloß auf twitter. Ja, Scheiße. Bleibt aber Ausreißer von immerhin 1000 Hool-Köpfen, die für Randale gekommen sind. Da hat Frankfurt schon anderes erlebt, selbst wenn jetzt alle Medien schnappatmen. Und das heftigst, untermalt von den feurigsten Szenen und Fotos von den steinewerfendsten Schwarzer Block-upyern. Vom Machtdemonstrations- oder Self fulfilling Prophecy-Charakter des „Schutzkonzepts“, das unsere Stadt schon seit Montag in eine Festung verwandelt hat – nichts. Vom Ausschluss der Presse bei der Eröffnungsfeier – nichts. Nicht die Demonstranten haben die Innenstadt wegen Brandschatzens und Marodierens lahmgelegt, wie man angesichts der Berichterstattung denken könnte, sondern die großzügige Absperrung der Innenstadt durch die Polizei. Ausreißer hin oder her, der Morgen war krass. Autos haben gebrannt, es gibt diverse Scherben, Emotionen, Feindbilder aufzukehren. Und wieder zeigte sich, dass Streitkultur fehlt, dass Konflikte vor allem eins auslösen: Angst. Traditionell wurde also nach …
Zur Feier des Tages (12.3., an dem der erste Lyriker den Leipziger Buchpreis gewann..): Hach Lyrik. Analoges twitter. Aussicht Balkons gegenüber Kinder spielend Sonne im Nebel – Reflexe bizarrer Schönheit des Balkons gegenüber Mosaike der Lebenswahl, je tiefer desto besser der Blick über die Brüstung des Balkons gegenüber eindringend in fremdes Leben, fremde Horizonte der Brüstung des Balkons gegenüber solange Gott dieses Detail nicht im Griff hat, sagt W. hab ich nichts mit ihm zu tun Von der Brüstung des Balkons gegenüber springt ein Mädchen.