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Das Gedicht: Spring

  Leer räumen den Kokon, den Hort der Häutungen. Beziehen das Unbezog’ne, Neue den mehrfach, den leeren Raum entziehen dem andern, dem Noch-nicht entringen das Hier-ich! Alles kann sein vor der Niederkunft. Ein Finden, Schwingen und Austreiben. Aufziehn den Elternkreis. Aber das Band, die alte Feder der Unruh, Zug und Gegenzug Wellentalschmerz und Bergung bleibt als Furche des Zwischenstands. Wölbt die Lippen des Gucklochs die Weiße der Wände sprengt den Staub des Nichts und Wiedernichts. Bleibt zwiefach geheftet: Hasta la Vista! Vaterhands Muttermunds Baby. Spring, die Augen in die Ferne. Gib, der Zukunft Raum, dem Neuen Tür – wie immer es sei. Es gilt. Die Ansprünge erkennen und ertragen, die Spannung neu verdrahten: Ab jetzt. Den Vertrag mit dem Morgen schon gezeichnet, Deal. Die Kindheit wiegt, sie bleibt zurück.

Das Gedicht: Winter

  Winter Die Dachrinne kahl, bis auf ein Nest. Drin zittern weiße Federn, noch vom letzten Jahr. Wenn der Frühling kommt, wird dies das windige Zuhause von ein paar Küken sein. Kannst du sie hören? Wand an Wand, das schützende Dach über euch über dir Nach Jahren auf der Flucht, des Gehens im Sand vom Kind zum Mann. Des Singens, Aufbrechens, Suchens. Beschimpft, bepisst werdens, Umgeleitet, ausgenutzt werdens, des… Zuhören! Verdammt, ihr sollt endlich zuhören! Recht für, nicht gegen, Fluchtwege für Menschen freihalten, nicht nur als Notausgänge für Banken. Wem die Sohlen zu lange brennen, dem brennen auch Hände und Zungen Notausgänge fürs Erlebte Freiräume des Denkens manche kämpfen, manche beginnen zu singen So wie Yaxie Yax, nur älter, war Hilde Domin, der in der Fremde Wasser geschöpft wurde, die bleiben durfte, die auch fern ihrer Mutter ihren Fuß in die Luft setzte, es schmerzte, aber sie trug. Ihr Nest im Dachrinnenzweig Deins über den himmelblauen Geländern, über den roten Teppichfalten.. Rot, auch wenn Grün deine Lieblingsfarbe ist. Werden wir tragen?   Yaxie ist Yahye …

Antizunderzeichen: 20*C+M+B+12

  Jetzt kann’s losgehn. Die Heiligen sind da, die Waldkrippe komplett, der Waldweihnachtskreis geschlossen. Das Who is who der Könige – wer in der Waldhütte am Kesselbruchweiher Kaspar, Melchior oder Balthasar ist –, mögen theologisch Beschlagene deuten, das andere aber, das Krippen-Whodunnit-Rätsel hat der Dreikönigstag gelüftet. Mit den Dreien ist nämlich auch eine Nachricht aufgetaucht: der Krippenbauer ist ein Maler: Gaetano De Caro aus Neu-Isenburg. Nur wegen ihm weiß ich jetzt viel mehr über Zunderschwämme – Baumpilze –, die er in goldfarbenen Varianten traditionell als Heiligenscheine verwendet, und über die Heiligen Drei Könige selbst, als je. Als ich Kind war, war „Heiligdreikönig“ der Tag, an dem Weihnachten aufhörte. Krippenfiguren, Engel, Kugeln und Sterne verschwanden bis zum nächsten Jahr in ihrer stabilen Kellerkiste und der Baum? Weg. Davon, dass die Morgenlandmänner eher persische Sterndeuter oder Magier waren denn Könige, wusste ich nichts. Auch nichts davon, dass Gläubige ab dem 12. Jahrhundert die ursprünglich drei weißen Weisen in zwei weiße und einen schwarzen verwandelten. Nicht aus political Correctness, sondern weil sie glaubten, es gebe drei Kontinente und …

Zeitzeichen: Goldstrom

… Goldstrom ist unser Kommentar zum Thema Finanzwelten. Die eine Realität: Realeinkommen sind geringer als vor zehn Jahren, hat der DGB ausgerechnet (Quelle: Frankfurter Rundschau 24.11.11). Die Managergehälter dagegen sind nach einem kurzen Knick (Verzicht auf Boni, „Fairpay“) wieder auf dem Niveau wie vor der Finanzkrise. Nach einem Arbeitspapier der Hans-Boeckler-Stiftung verdienten Vorstandsvorsitzende der Dax-30 Unternehmen im Schnitt in 2008 1.092.000, in 2009 1.166.000 und in 2010 1.221.000 Euro. Letztes Jahr dürften es nicht weniger geworden sein. Der kapitale Golfstrom wärmt also noch. Manche.

Zeichen und Engel im Wald

. Die Krippe! ein Wunder. Schon abgeschrieben, und doch jetzt und endlich! Ochs und Esel, Hirte und – Engel Der Engel mit gebenden Armen und kräftigem Buchenfederschwung nie sah ich einen schöneren – so ein Glück. . Wieder sicher. Tut das so gut, weil die Kippe jetzt ständig da ist? Nicht erst, seit die Erde den Atomatem anhielt, seit wir dies unsichtbare Mal auf unseren Stirnen tragen: Glück gehabt. wieder Mal. Ist es deshalb? Occupy your life macht es selbst richtig damit es Traumpfade gibt, im unwägsamen Gelände damit, wann immer die Kippe kommt, damit wir wählen können und sehen, damit niemand aufgibt, zu früh.

Gedicht der Woche: unplugged

unplugged stäubts unter stellwänden geschredderten glücks brockts bunt, flockt, hartzt zu die ausgekommenen, ausgesiebten leeren blicks die dahocken, farblos gezaust, aschpink und plastik süchtig nach billigglimmer, overdrive gierend ohne grund immer nur: mehr,mehr dabei fehlt’s passwort mehr gibt’s nur für die drin geherzt vom druck: come on the pressure line nicht auffallen, auffragen nur einkommen zeitlos verbraust, züchtig bis ins workout und zikadesk: mehr,mehr und? schreischauwem gekappt alles bilder, süchte, blüten colours run dry die zukunft ein reisbrei politisch korrekt passwort? 1,2,3 und ab: schreischau selbst

Occupy Frankfurt: traumkrass

Hey Leute, ihr habts geschafft! Gerufen und Tausende sind gekommen. Tausende, die ihr Unverständnis, ihre Wut und Wunschzettel zu handgemalten oder farbgedruckten Bannern gemacht haben. Kleine Auswahl: We are so angry, we made a sign! – Grow solidarity, not economy – Power to the People – Diese Person möchte keine Banken retten – …Lobbyistennutten… – Schämt euch! – Jump you fuckers – Bad banks for bad boys – Ihr spekuliert mit unserem Leben! – Wozu Banken überfallen? Die Schlauen gründen eine Bank! – Revolution – Eat the rich! – wir sind die 99 % – Ich bin 99 % – Empört euch! – Wir sind alle Griechen – Europa den Europäern – Das Spiel ist aus! …… Und alle zusammen: „Hoch! die! Internationale Solidarität!“ Den Takt gaben Trommeln, Pfeifen und Ratschen. Seifenblasen steigen zwischen den Leuten auf. Die Abluftgitter der U-Bahn dienten als Flugblattspucker – man sah die kleinen Blätter von weitem wie Konfetti über der Szenerie umherwirbeln. Ihr habt noch was geschafft: die bunteste Mischung von Leuten zusammen getrommelt, die sich je in Frankfurt …

Die BildGeschichte: Der Wald zwischen Mythos und Bauland – Wildwechsel

Die Augenwasser des Himmels, streifen Lichtungen, durchströmen Wege über Wurzeln und Steine, bis ans Ende der gangbaren Spur. Wo Spinne euklidische Träume zu Netzen webt, Schwarzspecht ruft, Erdkröte schläft. Seele tauch ein. Wie ein Lot tief in die Kraftquelle, und dann, wie Odysseus aufs Laubbett sinken. Zuflucht, Ruhe, Wiedergeburt. Ewige Wiederkehr des immer Neuen: sicher sprießen Bärlauch und Pfeilwurz im Frühjahr durchs orangene Laub, sicher kommen die Kröten, Frösche und Molche zum See, sicher finden die Hirsche das erste, das saftige Buchengrün und sicher ist jeden Tag das Staunen. Was? Vor mir ein Mann. Still. Lauschend mit jeder Anzugfaser. Sein Rücken sagt: Bitte nicht stören! Was ist da? Der Mann blickweist vor: Damhirsche. Äsend und sichernd, die Ohren zum V. Mit einem Mal wischen sie davon, stolz, erhobenen Geweihs. Voraus voraus! Mein Einschaufler mittendrin. Ich möchte auch so laufen, möchte diese Synästhetikerin sein, die das Grün singen hört: die hell perlenden Buchen, lachenden Birken, feingliedrigen Lärchen, die Eschen, die Weiden, die Erlen und die Eichen… Brennnesseln auch, Farne, Pfeilwurz und Fingerhut… Wem die Zunge nicht …