Autor: Sylvia

Sterbende Sterne

  Sie bewegten sich noch und waren dennoch nicht zu retten. Es war unser zweiter Urlaubstag in Egmond aan Zee und es war eine apokalyptische Szenerie. Ebbe. Düsteres Nebellicht. Tausende sterbender Seesterne. Abgesehen vom Grollen der See war es still… Keine Möwe weit und breit. Die Menschen am Stand stapften um die Seestern- und Muschel-Teppiche herum – nur nicht auf die Tiere treten. Als sei gerade ein Atomkrieg ausgebrochen oder wir auf Keppler 22b gelandet. Anfangs hoffte ich, die Flut würde sie allesamt wieder mitnehmen und dann: „Alles gut“. Tja. Landratten-Seelenschmus. Genau wie die „Rettungsaktionen“ von Touristinnen, die noch lebende Stachelhäuter zurück ins Meer trugen. Die holländische Familie, die ihre Kinder aus den Toten ein Herz formen ließ, war zwar die Ausnahme, aber dafür krass herzlos. Typisch dagegen war bestimmt die Frage einer Deutschen, ob da wohl Gift im Meer ausgekippt worden war? Ich selbst dachte an Klimawandel und fürchtete um die Seesternpopulation… Ja, ja. Wir Ökos. Also, eine örtliche Zeitung gekauft. Die machte das Pech der Strandgutsucher zum Aufmacher: Nix zum verticken für die …

Bild des Monats: Dezember 2016

Urlaub an der See! Als wir am 27.12.16 in Egmond ankamen freuten wir uns, am Strand einen Seestern zu entdecken. Dann noch einer und noch einer… Tags drauf wurde klar dass sie massenhaft anspült wurden. Teppiche mit hunderten Tieren, die sich noch bewegten. Einmal an Land haben sie keine Chance, wieder ins Meer zu gelangen und zu überleben. Entlang der gesamten nordholländischen Küste wurden in dieser Woche tausende Seesterne und Muscheln angespült. Ein apokalyptischer Anblick. Sobald ich mehr weiß, wird es noch einen Text dazu geben.

Aufstehn / Get up

English version below Aufstehn Als der Tag Tag war und die Nacht sein Brunnen Als die Brust Brust war und die Zunge rosa und rau. Als der Süden noch nicht geboren war der große, trockene Süden Als der Norden noch der Spiegel der Sonne war und ewiges Weiß waren die Menschen noch jung doch die Angst war schon da Begann zu glüh‘n erkaltete in der Schönheit unserer Waffen die Armbrust der Macht blendet seither die Sonne bricht Eos die Finger brennt Angst zu Asche in den Sperrfeuern der Nacht Doch noch immer gilt Aufsteh‘n als Zeichen Tag für Tag Jetzt du!   – – –     Get up When the day was a day and the night its source When the breast was a breast and the tongue rosy and rough When the south wasn’t born yet the big, dry Sur When the north still was the mirror of the sun and eternal white humans were young but angst already grew Began to glow and cooled down then in the beauty of our weapons …

Friday Night (der 13.)

  Städte eroberte ich am liebsten barfuß es gab noch Regenwald damals ich trug Kamelhaar und Baum-ab-nein-Danke Buttons, rasend vor Eifersucht auf die kleine Schwarze in deiner Hand Das Leben außer sich schien leicht, Transzendenz kein Ding Sie leuchtete allabendlich nach den sinologischen Etüden vor dem Daunenschein eines gigantischen Federbetts Im Rahmen nichtender Blicke aus dem Philosophicum Komm, hieß es damals, Komm, gurgle mit Wasser dir, betrachte meine Vorlieben als deine verwischtes Mantelrückendu Nicht vor dir nicht nach dir Brücken nahm ich nur halb, starrte in den Wassermund aufs rituelle Messer ein einziger Schnitt wie der Schächter durchtrennt Speiseröhre, Luftkanal, Aderschlag. Jetzt! Muss ich gedacht haben, Jetzt! Kenn sie nicht mehr, jene, die sprang Was hatte ich mir vorgestellt? Rasend die Angst, als öffneten sich die Adern von selbst Als sänke ich ins viel und nichts. Gehäutet zurück. In Myrrheschwaden gehüllt Oh Paris! Und Afrikas Trommler auf dem Markt von Colobane. Erzähl, Geist der weißen Ziege, tröste die Männer mit trocknem Schlag, die Frauen mit Liedern wie Samenkapseln rot und braun Ich kaufte Glasperlen Duftete …

Hard Rain: Dylan und Druff

Weiß wirklich nicht, weshalb sich alle so über den Nobelpreis für Dylan und Dylan als Nobelpreisträger aufregen. Finde, er hat einen hervorragenden Kompromiss geschlossen und sogar ohne ein Wort deutlich gemacht, dass es auch nobeleske Frauen gibt. Sich zu verweigern ohne sich komplett abzuwenden, Diskussionen anzustoßen ohne das Wort zu führen, poetisch konsequent bis ins Mark zu reagieren – Hey, was wäre literarischer? Und was zeitangemessener? Denn zeitgemäß ist die ganze Nummer ja Brechtseidank nicht. Eher Hard-Rain-Stuff. Zeitgemäß ist, seinem Partner eine Rastaus-Zeit zu schenken, ein Hotelzimmer zu mieten, indem er/sie alles kurz und klein schlagen kann. Die Superidee stammt, woher wohl, aus USA. Genauer aus Texas, wo in Anger-Rooms seit etwa acht Jahren Sperrmüll mit Lust zu Kleinholz pulverisiert wird – seit kurzem kann man sich auch dabei filmen lassen. Interessantes Material, nehme ich an. Wäre sicher gut für eine Runde Selbsterkenntnis. Aber darum geht‘s nun eher nicht. Das Rumms und Poff soll entlastend und stressmindernd wirken. Nach der Wahl von Trump sollen die Buchungen in den USA in die Höhe geschnellt sein, schreibt …

Vom Draußensein – und Schuss!

  Hier mal ein bisschen Making-of. So sieht es aus, wenn meise&meise sich Bäumen nähern oder vor Schnecken in den Staub werfen… Es gilt auch für uns, was Andy Goldsworthy in dem Film Rivers und Tides über seine Arbeit erzählt: „Ich brauche das Land.“ Wenn er länger nicht draußen arbeiten könne, fühle er sich abgeschnitten von sich selbst, entwurzelt. Angefangen damit, draußen mit Steinen, Erde, Wasser oder Blättern zu arbeiten, hat er als Student am Strand. Um der Enge der Hochschularbeitszimmer zu entkommen. Dort wurde er dann, anders als in den Hallen des Lehrhauses, von purer Energie mitgerissen. Dort war „Atemlosigkeit und Unsicherheit“, erinnert er und schließt: Absolute Kontrolle kann der Tod einer Abeit sein.      

Rezension: Vogelfotografie, die zweite

  Wir waren ziemlich nah dran dieses Jahr: der GDT Wettbewerb um den Preis für den Europäischen Naturfotografen ist wie jedes Jahr die Herausforderung – und der Katalog wie jedes Jahr die Sammlung atemberaubender Fotos. Leider ohne uns. Aber, wir waren immerhin nominiert – und Wettbewerbsleiter Marc Hesse hat jenen aus dieser in der Leider-im-Finale-ausgeschieden-Mail versichert, darauf könnt ihr durchaus stolz sein. Sind wir. Und haben den Katalog geordert, wo wir neidlos Bilder bewundern wie das vom „Tanz unter den Sternen“ der Maifliege an der Donau (Imre Potyó), das von der schützenden Hand der Affenmutter auf dem Kopf ihres Babys „Schutz“ (Alain Mafart Renodier) oder vom „Atemzug“ in der Polarnacht von Audun Rikardsen, dem Gesamtsieger. Auch dieses Jahr zeugt die Auswahl vom kreativen Potenzial der Tier- und Naturfotografie – und von der Offenheit der Jury. Auch politisch anklagende Bilder sind wieder darin. Eine wie ans Kreuz genagelte Rabenkrähe brennt in mir nach, zum Luftholen die Wildwechselbrücke. Und dann wieder zum Verrücktwerden ein mit der Säge abgetrenntes Nashorn, diesmal von Bence Máté festgehalten, den wir als …