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Brotbox To-Ride in Thüringen

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Unsere Outdoorküche ist bunt, überraschend – und immer Herausforderung: Welche Zutaten geben die Geschäfte am Routenrand her? Wie sind die Bedingungen am Camping-Platz? Wann kommen wir an – und in welchem Zustand? Zentrale Frage bei unserer letzten Reise durch Thüringen, auch was die Zutaten betrifft, denn wir waren Ende Juni, Anfang Juli in der ersten großen Hitzewelle bei 37 bis 40 Grad unterwegs. Die schattenfreien Asphaltbänder, die Teil der Fernradwege waren, schafften sogar noch mehr.

Die ersten Tage sind wir mangels Campingplätzen an der Route Essen gegangen. Ist zwar auch nett, aber Vegetarisch bestellen je weiter man aufs Land kommt… Naja. Oft hat man sogar Auswahl – zwischen Käsespätzle und Salat. Mit etwas Glück sind die Käsespätzle (Bitte ohne Schinken!) dann auch wirklich nur mit ganz wenig Schinken. Also, Pat, übernimmst du bitte?

Ein, zwei Stunden Runterkühlen im Schatten, dann schnippelte mein Mann das Gemüse. Kocher an und was Feines gebrutschelt. Aus den Resten, die eigentlich immer anfallen, mischte ich wiederum morgens mit Kräutern vom Wegesrand lecker Salat für unterwegs.
Bei der Hitze sind wir so früh wie möglich los, zum Glück boten die meisten Campingplätze morgens die Lieferung frischer Brötchen an. Da darf man nicht wählerisch sein: weiß, mit oder ohne „Krümel“.


 
Gut, dass wir erfahrene Outdoor-Selbstversorger sind – denn anders als letztes Jahr auf den abgelegenen Dörfern der schottischen Hebriden, wo immer irgendwo einen Gemeindeladen erreichbar war, gab es in Thüringens Dörfern nichts. Auf dem empfehlenswerten Slow-Camping in Jena trafen wir Reiseradlerkollegen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die hatten darauf gesetzt, überall Wasser kaufen zu können – nichts da.

Entlang der ausgewiesenen Fernwanderwege R3, Rennsteig, Via Regia kann es einem passieren, dass man trockenläuft und kilometerlang nichts findet. Kein Bäcker, Metzger, Irgendwasladen. Null. Kaffee trinken gehn vormittags um zehn oder elf? Kannste mal versuchen. Entweder man ist gerade da, wenn der Betrieb Ruhetag hat, gerne Montag, Dienstag, Mittwoch. Oder: „Geöffnet ab 14 Uhr“, geschlossen, stillgelegt, die Kaffeemaschine muss noch gereinigt werden… Fein, wenn es dann Gemeinde-Kirschbäume gibt – und man jemanden hat, der einen hochschiebt (wenn die Oberarme zu schwach sind).




 
Einmal musste ich dringend pinkeln, die öffentliche Toilette hatte Ruhetag, als plötzlich ein Café auftauchte. Netter Garten, Tische draußen… Rettung. Nix wie rein und Wow! Hinter dem Schild „Women“, der frisch sanierte Toilettenbereich. Schwarzer Marmor, Duftstäbchen, Seife…

Erfrischt kehre ich zurück und lechze nach dem Kuchen, der verlockend auf gebaut ist… Da draußen die Karte fehlt, nehme ich mir drinnen eine und will gerade reinschauen, da brennt sich mir der tadelnde Blick der Besitzerin in die Seite. Sie (!) würde uns die Karte schon bringen: „Hier nehmen wir uns Zeit“. Die nimmt sie sich dann auch gründlich. Außer uns noch zwei, bereits bediente Leute da. Endlich ist Zeit fürs Bedienen. Pat bestellt Cappuccino, darauf sie in bärbeißigem Ton: die Cappuccino-Maschine ist kaputt. Filterkaffee is auch gut. Klappe und Wiedersehn. Wir Wessis haben das Weite gesucht.

Um der Gerechtigkeit willen: Wir waren auch in netten Cafés, in Erfurt, in Jena oder in Weimar. Auch freundliche Gaststättenbedienungen gabs, in Mühlberg etwa oder in Ruhla. In Ruhla wollten wir ja eigentich ins Eiscafé. Hatte leider „heute geschlossen“. Aber da drüben? Geht da was? Rustikaler, liebevoll dekorierter Biergarten. Ein Mann legt gerade die Sitzpolster auf. “Na klar”, kriegen wir was. Gibts auch Eiskaffee? “Eigentlich nicht, oder, Chefin?”



 
Die kommt raus: „Ich hab ne Eiskaffeemischung…“. Ich überlege, bestelle dann aber lieber Cappuccino und ein Eis – „Auch gut“, sie lacht und setzt sich später zu uns. Aus dem Rheinland stammt sie und führt seit fünf Monaten zusammen mit ihrem niederländischen Mann das Lokal. Und? „Schwierig“, antwortet sie, „die Leute sagen immer, ‚Der Mario hat aber anders gekocht.‘“ Mario, Der frühere Besitzer hatte die Gaststätte 18 Jahre lang. Klar, dass sich die Leute dran gewöhnt hatten.
Aber die beiden Neuen trauen sich auch was: selbstgemachte Burger und neben den thüringischen Spezialitäten, die hier jeder hat – “deswegen wollte ich was anderes anbieten“ – jede Menge Unthüringisches auf der Karte. Pat merkt sich gleich mal das mit Cornflakes panierte Schnitzel. wir wünschen den Thüringern in Ruhla feine Gaumen-Überraschungen und den beiden viele Durchreisenden mit viel Hunger.

Als die Reise um war, hatte Pat noch immer keine Thüringer gegessen. Einmal fast. Da er keine Bratwurst mit Klößen und Rotkohl wollte – wohl ein Klassiker hierzulande – bestellte er Röstbratel. Keine Ahnung, was er sich drunter vorstellte. Kleine Würstchen vielleicht? Jedenfalls guckte er sehr überrascht, als der Teller kam: Schweinenacken in Scheiben.

Wer also im Sommer eine Radreise durch eines der plant, wir empfehlen: Tütensuppen, Nussmischung, Äpfel und Müsliriegel satt einpacken. Dazu lieber mehr Flaschen zum Befüllen als zu wenig. Einfach alles irgendwo reinzustopfen, wird bestimmt gebraucht. Und immer freundlich bleiben und fragen, dann tauen sie irgendwann auf, diese oder jene Thüringer.


 
 
 

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