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Festhalten und Bewahren

1. Januar 2022 von Sylvia | Keine Kommentare


 
Erster Advent – nichts. Nikolaus – nichts. Oh, wie schade! Obs an Corona liegt? Am Alter? Warum auch immer, wir vermissten DeCaros Waldkrippe. Die uns so lange und jedes Jahr treulich einen bodenständigen Weihnachtspunkt setzte.

Immer um den ersten Advent herum schienen Zunderschwämme, Holz- und Wurzelstücke an der kleinen Hütte am Waldsee zusammenzurücken. Slow Motion irgendwie, von Geisterhand bewegt. Und dann, auf einmal kamen peu á peu Tiere, Schäfer, Engel. Josef und Maria – und am 24. endlich das Baby hinzu. Baby Jesus. Am 6. Januar noch die Könige.

Und die Besucher. Die vielen Besucher, die mit einem Lächeln gingen. Ja, klar, nicht alle. Gab auch Vandalismus, Josef und Maria umgeworfen, Baby Jesus geklaut. Aber für die meisten war es ein Ziel, eine Freude, eine Weihnachtswundergeschichte. Seit wann? Weiß nicht. Auf jeden Fall länger als unser Blog (10 Jahre), vielleicht schon 20 Jahre? Vor 10 Jahren hatten wir sie schonmal vermisst, doch Weihnachten kam, und Schnee und die Krippe, und alles war gut. Der Krippenbauer enthüllte sogar seinen Namen.

Wie auch immer dieses Jahr schien Schluss zu sein. Corona? Oder einfach genug? Hatte schon überlegt, ob ich selber… Aber dann gab es anderes auf meiner Agenda. Und auf einmal, zu Weihnachten, wollten wir ein Bild in die leere Hütte hängen, mit Gruß an den langjährigen Krippenbauer. Aber dann, gab es doch eine. Sah anders aus. Ein bisschen. Das Jesuskind vor allem. Aber hey: Da hatte jemand nicht nur gedacht, er könnte vielleicht.

Wenn man denkt, es geht nichts mehr… Ist es das? Dass man dann zupackt. Dass man beschließt, das und jenes darf einfach nicht aufhören. Fest halten, die Welt. Sich gemeinsam freuen. Ach! So geht Bewahren. Danke Gaetano DeCaro für alle früheren Installationen und – danke Familie Gärtner für die neue. Fürs Fortführen, fürs Fest halten.

Den Stadtwäldlern und allen andern auch: Ein festes, ein gutes, resilient zupackendes 2022!


 
 
 

Antizunderzeichen: 20*C+M+B+12

7. Januar 2012 von Sylvia | 2 Kommentare


 
Jetzt kann’s losgehn. Die Heiligen sind da, die Waldkrippe komplett, der Waldweihnachtskreis geschlossen. Das Who is who der Könige – wer in der Waldhütte am Kesselbruchweiher Kaspar, Melchior oder Balthasar ist –, mögen theologisch Beschlagene deuten, das andere aber, das Krippen-Whodunnit-Rätsel hat der Dreikönigstag gelüftet. Mit den Dreien ist nämlich auch eine Nachricht aufgetaucht: der Krippenbauer ist ein Maler: Gaetano De Caro aus Neu-Isenburg.

Nur wegen ihm weiß ich jetzt viel mehr über Zunderschwämme – Baumpilze –, die er in goldfarbenen Varianten traditionell als Heiligenscheine verwendet, und über die Heiligen Drei Könige selbst, als je. Als ich Kind war, war „Heiligdreikönig“ der Tag, an dem Weihnachten aufhörte. Krippenfiguren, Engel, Kugeln und Sterne verschwanden bis zum nächsten Jahr in ihrer stabilen Kellerkiste und der Baum? Weg. Davon, dass die Morgenlandmänner eher persische Sterndeuter oder Magier waren denn Könige, wusste ich nichts. Auch nichts davon, dass Gläubige ab dem 12. Jahrhundert die ursprünglich drei weißen Weisen in zwei weiße und einen schwarzen verwandelten. Nicht aus political Correctness, sondern weil sie glaubten, es gebe drei Kontinente und jeder der Heiligen stehe für einen davon. Meist soll Caspar den „schwarzen Kontinent“ verkörpern. Möglich also, dass der Künstler an ihn dachte, als er die Figur mit dem schwarzen Zunderschwamm als Kopf aufstellte. Was für Erwachsen der bartlose Jüngling oder heilige Caspar (hell oder dunkel), ist für Kinder übrigens das ewig pfiffige, und gegenüber jedem noch so übellaunigen Krokodil siegreiche Kasperle.

Allen Drei Heiligen ist im Lauf der Zeit über allen Legenden und Mythen, die erfunden wurden, eine existenzielle Aufgabe zugewachsen: finstere Gestalten, Böses und sogar Feuer sollen sie fern halten. Jesses Zunderzauber. Wolln mal sehen.


 
 
 

Zeichen und Engel im Wald

23. Dezember 2011 von Sylvia | Keine Kommentare

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Die Krippe!
ein Wunder.
Schon abgeschrieben, und doch
jetzt und endlich! Ochs und Esel, Hirte und – Engel
Der Engel mit gebenden Armen und kräftigem Buchenfederschwung
nie sah ich
einen schöneren –
so ein Glück.

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Wieder sicher.
Tut das so gut, weil die Kippe jetzt ständig da ist?
Nicht erst, seit die Erde den Atomatem anhielt,
seit wir dies unsichtbare Mal auf unseren Stirnen tragen:
Glück gehabt.
wieder Mal.

Ist es deshalb?
Occupy your life
macht es selbst richtig
damit es Traumpfade gibt,
im unwägsamen Gelände
damit, wann immer die Kippe kommt,
damit wir wählen können und sehen,
damit niemand aufgibt,
zu früh.

29. November 2011
von Sylvia
Keine Kommentare

Kein Zeichen: kein Advent, weil Einer fehlt

Nichts. Der Blick in die Hütte zeigt auch heute morgen keine Veränderung. Nur das Stück entrindeter Baumstamm, das da schon lange rumliegt und auf dem man zur Not sitzen kann. Wo bleibst du? Mann! Wenn du nicht doch noch kommst, … Weiterlesen