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Via Regia auf dem Fahrrad – unser Ostsommer

26. Januar 2020 von Sylvia | Keine Kommentare



 
Sonne, Licht, Wärme! Hach, wie schön wär das denn!?! Vielleicht nicht grad 30, 40 Grad…. My Goodness! Was haben wir im Sommer im Thüringer Wald geschnauft und geschwitzt. Trotzdem macht jetzt die Erinnerung mein Hirn leuchten: Frankfurt-Elsterberg. Wir natürlich mit dem Rad.

Eine Abenteuerreise. Zum Geburtsort meines Vaters. Wir waren noch nie da – eine Freundin meiner Mutter lebt dort. Sie ist unser Ziel. Dafür reisen wir durch Nord-Osthessen, durchqueren Thüringen und kommen schließlich nach Greiz und Elsterberg in Sachsen. Als wir endlich bei ihr klingeln, haben wir insgesamt 530 Kilometer abgerollt und 5400 Höhenmeter bezwungen. Fazit: Abenteuerlicher als die Äußeren Hebriden in Schottland. Sehr Ost, sehr fremd, sehr erlebnisreich. Von schrecklich bis schön war alles dabei.

Stopp, Moment – bevor ich erzähle, ein Nachruf: Landkarten Schwarz hat fertig. Aus diesem Laden stammen viele unserer Karten. Ende 2019 mussten die Buchhändler schließen – und sind damit leider ein Beispiel fürs Spezialistensterben, wie es im Klimawandel ja viele Arten trifft. Sehr schade das. Die ehemaligen Geschäftsführer Peter Magin und Michael Brendel haben einen letzten Gruß online gestellt. Für jene, die den Laden zwar nicht über Wasser halten konnten, aber immer noch echte Karten und kompetente Beratung suchen: Adressen für Landkartenmaniacs – ein Onlineshop und drei Ladengeschäfte (Halle, Karlsruhe, Wiesbaden).

Einen davon, den nächsten, haben wir diese Woche getestet – und für sehr gut befunden. Buchhandlung Angermann in Hessens Landeshauptstadt. Die Wiesbadener Buchhändler haben Kinder und Küche zum Reisen gesellt – clevere Kombi. Nettes Personal. Feiner Standort. Direkt in der Stadtmitte am Markt. Möge die Kaufmacht mit ihnen sein.



 
Jetzt aber drehen wir das Rad zurück in die Zeit, als es noch Landkarten in Frankfurt gab und warm war: 24. Juni 2019 – und los! Wir rollen zum Entrée Hohe Straße. Die Eiserne Skulptur am Frankfurter Stadtrand verweist auf die Stationen der römischen Handelsstraße Via Regia, die früher den Rhein mit Schlesien verband. Heute könnte man auf diesem Weg bis nach Leipzig oder gar Moskau fahren. Allerdings muss man dafür taff sein, denn so schön klar und ausgebaut wie hier, ist die Via Regia schon sehr bald nicht mehr. Wir werden sie eine gute Woche lang nehmen, und dann bei Jena, Richtung Greiz und Zielort Elsterberg verlassen.

Wir hatten Supersommerwetter – jeden Tag 30 Grad morgens, 40 mittags, 30 abends. Sobald wir zurück waren: Bilder hochladen. Bilder löschen. Erinnern, nochmal durchleben alles. Den puren Genuss des Unterwegsseins. Das trockene Grün und Gelb und Erdfarbene. Das staubige Radwegband, teils rosenfarben und von wenig Halt bietendem Sandschotterkies. Das Bergabrollen und Hinaufschnaufen. Kapitulieren ab neun Prozent Steigung unterm Gezeter von Amseln, ungläubigem Starren von Kühen oder Pferden. Vorübereilende Szenen. Fahrmomente, getrieben von Gedanken wie, Ich fahr noch bis zu dem Baum da vorne, wenn ich es schaffe, da gibs Schatten…

Oder Rasten wie Auszeiten. Etwa auf Wildwiesen oder im Auwald. Die Wege. Die rettenden Wasser: Haune, Werra, Gera, Apfelstädt… Die Elsterauen. Die Städte und Dörfer. Und immer und überall genieße ich die Artenvielfalt, die im Osten gefühlt alles übersteigt, was wir bisher kennen. Neuntöter, Goldammer, Milan, Milan, Milan – Bussard, Amsel, Spatz und Star, Wacholderdrossel… Dann die Schmetterlinge! Kaisermantel, Schwalbenschwanz… Die Käfer, Libellen, und Raupen! Die Blüten!

Die waldigen, feldrigen und blumigen, die kargen und schroffen Landschaften. In den Ortschaften Wechselbäder aus staubigen Ruinen – oder geputztem Fachwerk. Zerfall und Erhalt einander abgewandt. Rücken an Rücken. Brummelig-abweisend der eine, fröhlich-lustig der andere – und man weiß nie: Wer hat welches Gesicht…



 
Wie für alle unsere Touren hat Pat die Strecke vorher inhaliert. Ist wochenlang abgetaucht ins Netz der On- und Offlinekarten, hat Höhenprofile eingesogen und Campingplatznadeln im Via-Regia-Heuhaufen gefunden – und nicht zuletzt überprüft, ob es diese Plätze tatsächlich noch gibt. Und zwar für uns Zelter, nicht nur als Parkplatz mit Stromanschluss für Wohnmobilisten. So sieht nämlich mittlerweile ein „Camping“-Platz oft aus. Immer wieder musste er deshalb neue Wege abseits der regulären Via Regia-Strecke suchen.

Ist ein gängiges Missverständnis, dass Zelten die einfachste Reise-Variante ist. Nein. Ist es nie. Trotzdem zelten wir gerne. Weil man dann noch dichter dran ist am Draußensein. Einfach wunderbar. Nun ja, jedenfalls, wenn man allein ist – oder die Mitzelter nicht Extremschnarcher sind oder gerade einen Rappel haben.
Für die ersten Tage fand Pat auf unserer Strecke jedenfalls keinen Zeltplatz. Also vor Ort in Gelnhausen und Neuhof Zimmer gebucht. Gelnhausen – Schelm von Bergen – direkt am Markt war okay: Ohne Aufzug, mit Frühstück – Personal sehr nett. Die Räder rockten übernacht in der Cocktailbar ab, wo dann auch Frühstück serviert wurde. Eigentlich hatte der Gasthof ja dicht, aber man war flexibel – Danke!

Danach der Schützenhof in Neuhof. Nnnnie wieder. Neu ja. Frisch renoviert die Zimmer, aber das Haus noch nicht ganz fertig. 80 Euro für heißes Schlafzimmer mit integriertem Klo. Kein Frühstück, kein Abendessen weil die Gaststätte noch umgebaut wird, kein Like. Die Chefin empfiehlt den Döner an der Straßenkreuzung gegenüber – „Kann man gut essen!“ Und als ich versuche zu handeln und einwerfe, dass wir in Gelnhausen für 60 Euro mit Frühstück waren, hat der Chef das unschlagbare Argument, „Na, das liegt ja viel südlicher.“ Aber auch viel schöner, Mann. Der Grieche, den wir beim Reinfahren gesehen hatten, versöhnte uns. Ein wenig.


 
 
Also los ohne Frühstück. Es folgte ein typischer Anfangstag: Ausmeckern, Runterfahren. Einstimmen. Aufeinander und auch auf den speziellen Charakter dieser Tour. Was sehen wir, welche Fotos, welche Dinge oder Viertel… Was wollen wir, willst du, will ich machen? Der rote Faden dieser Tour ist: schöne Landschaft, mit EU-Zuschuss geputzte Bauwerke, pralle Häuschen versus graue und einstürzende Altbauten. Die Strecke selbst durchwachsen. Morgens fast immer wunderbar, die Wiesen über und über mit Tauperlen bestickt. Immer etwas zu sehen, das neu für uns ist. Mittags High Noon – die Sonne wirkt plötzlich feindselig und grillt uns. Flucht zu einer schönen Stelle (= schattig und ab vom Schuss): Klamotten runter und Plumps. Trinken, Trocknen. Uff. Nachmittags irgendwo ankommen, Zelt aufbauen und abkühlen. Meist sind wir danach Essen gegangen. Die Zeltküche blieb oft wegen Überhitzung geschlossen.

An diesem Nachmittag rettete uns die Haune vorm Hitzschlag. Nordosthessisches, wildromantisches Flüsschen, dass hier mit halber Kraft rauscht – wie in den letzten Sommern wohl alle Gewässer Europas. Auf der anderen Uferseite siehts nach feinem Rastplatz aus. Eine Furt! Mit letzter Kraft die Räder in den Schatten geschubst; zusammengepackt, was jeder so in seiner Pause braucht – dann nix wie rüber. Da bleiben wir die nächsten 3 Stunden. Hau mich in die Haune – Ahhbküühlungngng…

Später erreichen wir den Campingplatz Hünfeld-Praforst. Gepflegte Wiese, freie Platzwahl. Supper. Wir bauen unser Zelt im Schatten des Waldes auf. Danach zupfe ich Pat mindestens 20 Zecken von der Pelle. Viel packen wir nicht aus, denn anders als bei unseren letzten Reisen geht es gleich am nächsten Tag weiter. Trotzdem sind wir glücklich: Endlich wieder Zeltluft. Nettes Platzteam, irre Nachbarn (im obszön gigantischen Wohnmobil) – und spezielles Essen. So muss Reisen sein… Campingplätze sind unvergleichliche Parallelwelten. Jeder ein eigener Planet, von unglaublich cool bis unfassbar krass.



 
Der nächste, am Rand von Heringen gehört zur Kategorie cool. Absackerbierchen, Trockenraum und Strom mit freiem Zugang, Frühstücksbank… Alles, was unser Zelterherz erfreut. Geführt von einem gemütlichen Niederländer und seiner Frau. Ankommen tun wir wieder durchgeglüht und plumpsmüde – und bekommen von ihm den Tipp für besten Italiener in Town. Alora: Pizza. Mit Ausblick auf die Kalibergbau-Abraumhalde Monte Kali. Abgefahrener Sonnenuntergang vorm Schaufelbagger. Sehr schick.

Kategorie krass folgt auf dem Fuß: Campingplatz Eisenach. Zugewiesener Platz nahe der Rezeption, unweit des Kiosks, aber auch direkt an der Hauptstraße des Areals. Und da es hier Menschen gibt, die zum Brötchenholen mit dem Wohnmobil fahren, war das tatsächlich eine Hochbetriebsstraße. Trotzdem blieben wir zwei statt eine Nacht. Fühlte mich innerlich gehetzt, wünschte mir Zeit zum Ankommen.

Um diesen Tag gut zu nutzen, planten wir am nächsten Tag eine Tour zum nächsten Ort. Erkundung der Gegend, Einkaufen, Kaffeetrinken sowas. Klappte leider nicht. Es war zu steil. Geschafft hätten wirs schon, aber wahrscheinlich nicht schnell genug für unsere Essensversorgung. Essenziell – oder? Aber das scheint sich im Fremdenverkehrsbüro Thüringen noch nicht rumgesprochen zu haben. Unser größtes Problem, und das aller Radler und Zelter auf diesem ausgewiesenen Radfernwanderweg, heißt Grundversorgung. Brot, Wasser, gerne noch was mehr – gab es auf dem Weg so gut wir nirgends zu kaufen. Wir mit unseren fünf Trinkflaschen, die morgens auf dem Campingplatz mit Leitungswasser befüllt wurden, waren meist gut versorgt. Ein Pärchen, dem wir in Jena begegneten, und das auf Lebensmittelläden unterwegs gesetzt hatte, erzählte von Durst und Wassernotstand.

An der Route Via Regio gibt es nämlich weder Läden, noch Cafés oder Gaststätten. Und wenn doch – sorry, aber es war wirklich so aufm Land – dann hatten sie geschlossen, die Kaffeemaschine war noch nicht an bzw. kaputt. Vielleicht machten sie auch auf, aber erst in zwei Stunden oder hatten einfach mal Ruhetag. Beispiel Kaffeehaus, frisch renoviert (mit EU-Zuschüssen, wie ich unterstelle). Hatte ich mich auf eine Pause in diesem schönen Garten gefreut. Und musste soo dringend. Das Klo war modern, stylish und sauber. Der Waschtisch schwarzer Marmor… Wow. Weltoffen stand „Women“ draußen an der Tür. Auf dem Weg zurück, sah ich auf den Tischen im Haus Karten mit dem Kaffee- und Kuchenangebot. Ich nahm eine Karte und wollte in den Garten, als die Weltoffenheit endet. Die Chefin schnauzt: „Ich bring ihnen das schon. Wir haben hier Zeit.“ Als sie dann endlich Zeit für uns hat, legt sie die Karten auf den Tisch und sagt, „Cappuccino gibts nicht. Filterkaffee ist auch gut.“ Wir waren bedient und verschwendeten keine Zeit mehr, weiterzufahren.



 
Wenn man online recherchiert, ists in Thüringen einfach nur schön. Ich glaub, es gibt über die letzten Winkel Schottlands mehr (ehrliche) Erlebnisberichte als über diesen Teil Deutschlands; wo meine Großmutter aufgewachsen ist – und mein Vater Kind war. Vielleicht, weil alle mur im Wohnmobilen sitzen und Fernseh gucken?

Einen Blogbeitrag von einer Frau hatte ich vorher gesehen. Sie schreibt, dass sie sonst eher Bahn als Fahrrad fährt, und wie sie sich entscheidet, Urlaub im heimatlichen Bundesland zu verbringen. Mietet sich flugs ein himmelblaues Fahrrad und radelt genau da herum, wo wir auch waren: Rennsteig bei Ruhla. Keine Silbe, nichts, aber auch gar nichts über die Steigungen, die den Rennsteig (auch als Skipiste) so legendär machen. Hä? Himmelblauer Bullshit.

Touristen-Belämmer-Quark. Okay, ihr habt die Mundharmonika erfunden in Thuringia, aber das erlaubt euch nicht, Steigungen kleinzuflöten. Und, schon klar, Rennsteig, DER Rennsteig, ist legendär. Auf 50 Kilometer überwindet man etwa von Wilhelmsthal nach Ruhla – und um Ruhla herum 400 bis 650 Höhenmeter. Das heißt Treten, Treten, Treten. Oder Schieben, was nicht minder anstrengend. Denn die Wege sind durch die vorhergehenden Gewitterstürme wie offene Wunden des Waldes. Quer drüber nicht selten Baumstämme, die der Wind umwarf. Macht alles Muckis, wirkt jedoch mitunter negativ auf die Moral.

Die Thüringer werben mit schöner Landschaft im Allgemeinen, dem Rennsteig im Besonderen – und ja, auch mit dem Fernradweg R 3. Aber: Bitte! Werben allein reicht nicht – und den Radweg einfach neben der Bundstraße mitlaufen zu lassen ist mehr als herzlos. Allein der Anblick der brülleheißen, verbrennungsmotorgetriebenen Blechkisten führte bei mir zu permanenter Zellkernschmelze.

Die Landschaft allerdings ist wirklich der Hit. Teilweise romantisch sanft, dann wieder geprägt von verblüffenden Kontrasten. Verrottende Ruinen und traumhafte Berge oder die Abraumhalde Monte Kali als Hintergrundbild. Deren Anblick begleitet uns tagelang. Wie das die Landschaft prägt. Und es gibt nicht nur diesen einen Kaliberg.


 
Auch sehr prägend – die drei Hubbel mit Burgen drauf, die „Drei Gleichen“. Der Legende nach soll vor knapp 800 Jahren ein Kugelblitz umhergesaust sein und alle drei – Potzblitz! – getroffen haben. Was mir auffällt beim Durchstreifen der Umgebung – ehemaliges Torfstichgelände, Alabastergrube, Wiesen, Felder, Wälder: Hier muss es Beutegreifer geben, die Schafe mögen. Und Bauern, die vorsorgen, statt heulen: E-Zaun, Ziegen und Schafe gemischt, teils sogar auch Kühe drin – und: Herdenschutzhunde. Und freundliche Thüringer, die uns zum Bratwurst-Essen einluden. Aber wir waren ja unterwegs und proviantversorgt. Sehr nett, danke nein.

Das wäre vielleicht die Gelegenheit gewesen… Armer Pat, am Ende hat er keine einzige echte Thüringer Bratwurst gegessen. Entweder es gab keine oder er hatte Lust auf was anderes. An diesem Abend draußen vor der Rathausschenke von Mühlberg wollte er. Röstbratl stand auf der Karte und klang verlockend nach Bratwurst, war dann aber irgendwas mit Schweinebraten.

Aber es gibt ja nicht nur den Thüringer Wald und das Burgenland. Sehr gut gefallen haben uns Erfurt, Weimar und Jena. In Weimar war eigentlich mal Kultur vorgesehen, die Ausstellung der Bauhausfrauen wollten wir sehen. Aber in Weimar angekommen mussten wir erstens feststellen, dass vor allen Ausstellungshäusern lange Schlangen standen, und zweitens, dass diese Ausstellung gerade in Erfurt war. Da kamen wir doch grad her…



 
Also Buchenwald-Gedenkstätte. Der Weimarer Campingplatz liegt eh auf dem Weg dorthin. Auch das ein ganz besonderer Ort – die Geschichte, die dazu gehört, erzähle ich ein andermal. Buchenwald war wie alle KZ-Gedenkstätten bedrückend. Die Ausstellung selbst ist sehr gut konzipiert. Viele Menschen waren da. Vor allem Jugendliche, die ganz offensichtlich mit Aufgaben im Gepäck kamen, die nur lösbar waren, wenn man sich intensiv auf die Ausstellung einließ. Der nächste Ort machte uns gruseln. Buchenwald ist dort heute nur die Bezeichnung für den Wald nebenan. Halali, wir gehen jagen im Buchenwald.

Gegruselt hats mich auch in Gotha. Vielleicht war mir auch einfach zu heiß. Aber mit dem Radwander-Pärchen, das wir in Jena getroffen haben, waren wir gleich einig, die Thüringentour fühlte sich nicht an, als seien wir in Deutschland unterwegs. So unvertraut und fremd.

Und, ja, wir hatten auch Vorurteile. Manchmal wurden sie übertroffen von dem, was kam. Etwa als ein (laut Plakat in seinem Fenster ausgewiesener) AfD-Fan auf mich zustiefelte und mich beinahe gebissen hätte. Ich konnte ihn zum Glück mit den Worten „Wie schön!“ entwaffnen. Tatsächlich habe ich ein Bild von seinem Schuppen mit Deutschlandfahne gemacht – glaub nicht, dass er und ich mit „schön“ dasselbe meinen.

Der Gerechtigkeit halber: natürlich gibts auch total nette Thüringer (siehe oben unter Drei Gleichen). Ebenfalls in Mühlberg ist ein Familie zuhause mit Hirsch auf dem Vordach. Auf meine Frage, „Darf ich den fotografieren?“ Sagten die nur: Ja klar. Woanders schreien Menschen uns an: „Was machen Sie da??“ Oder: „Ich hol die Polizei!“ (bspw. in Hessen, NRW, Bayern). Auch Sabrina war ne Nette, die Campingplatzwartin vom Platz „Drei Gleichen“ mit ihren witzigen, getrockneten Demobrötchen zum Auswählen unter drei Sorten. Mein Fazit: wenn man die Thüringer nett anspricht und freundlich kuckt – werden die meisten ganz hilfsbereit. Na, wie bei uns, würd ich sagen. Nur diese in Abweisung gekleidete Vorsicht, die kennen wir sonst eher nur von Nordosthessen (was ja zu Südwestthüringen kaum einen Unterschied macht).



 
Sogar eine Rezeptidee haben wir mit gebracht – aus Ruhla. Allerdings nicht von einem Thüringer Koch, sondern von einem Holländer. Die sind wohl überall!?! Dieser hier und seine Frau haben in Ruhla eine Gaststätte übernommen. Auf der Speisekarte wenig Thüringer Gerichte, weil, „Das haben sie hier ja eh alle“, meint die Chefin. Dafür unter anderem Schnitzel mit Cornflakes-Panade. Die selbstgemachten Burger mussten sie wieder aus dem Programm nehmen, zu exotisch, wollte keiner. Dafür gabs bei uns zu Weihnachten cornflakes-panierte und frittierte Schnitzel. Vom Sellerie für die einen, vom Kalb für die anderen… Großartig.

Schließlich Zielankunft in Elsterberg. Mit Häuschen und Kirchen, die genauso aussehen wie die in dem Baukasten, mit dem ich als Kind bei meiner Oma spielte. Plötzlich war mir alles sehr nah und vertraut. Die Locals führten uns dann mit Stolz noch ein bisschen ihr Thüringen vor – die Göltzschtalbrücke etwa. Wow! – Das Land – die Weite… Wir werden wiederkommen, ganz bestimmt – allein um im Herbst die Starenwolke zu sehen.