meiseundmeise-blog

Hey Insta, Offboooom!

10. März 2021 von Sylvia | Keine Kommentare

 

Sieben Jahre her, mein erstes Bild auf Insta: Schneckenbaby auf Finger. Mein Finger. Ohne Hash ohne Tag. Wusste ich noch nix von. Auch nicht, dass, wie oder warum man Follower sammelt.

Irgendwann kapierte ich und klinkte mich ein: #25bluehours #streetphotography #ifyouleave #myfeatureshoot #rebelsnature #saveourplanet #takemagazine #lucecurated #makeseemag #minimal #streethoney #thisaintartschool #mindtheminimal #kinfolk #paperjournal #onbooooooom #visualsgang….

Alles, damit Bilder gesehen werden. Bewundert, geteilt, gefeatured und gelikt. Und so ne Taschengalerie hat schon Charme. Verführerischer Zeitvertreib das. Und so wird ein Geschäft draus. Nicht meins. Bin eher für l’art pur l’art. Echt cool aber, und das hat mich lange gehalten, war dieses Weltgefühl. Kommentare und Austausch mit Menschen aus Venezuela oder Kalifornien, Schottland, den Niederlanden – oder … Stadtallendorf. Brüder und Schwester-Ansichten einer visuellen Welt, ach wie schön (wär das). Letztlich gehört man ja nirgends dazu, es sei denn man kommuniziert vor allem mit der eigenen Peergroup. Also alles wie immer als Journalistin.

Aber nochmal zurückgespult. Da war vor allem Neugier: Wie ticken die anderen? Was sehen sie, was heben sie heraus? Impliziert ja auch Nachdenken. Was will ich? Ihnen zeigen? Was will ich sehen? Denn: Insta kann auch Newskanal. Bei Weltereignissen sah man sofort, wie in anderen Teilen der Welt darauf reagiert wurde. Trumpismus, I can’t breathe… Hat mich sehr berührt, wenn da jemand plötzlich einen ellenlangen Post zu einem Bild ablieferte, voller echter Gedanken und Gefühle.

Ich folgte Stephen Shore oder Martin Parr ebenso wie Freunden und Fährtenlesern oder Margret Atwood. Wie Trampen war das. Man teilte ein Stück des Wegs und schaute einander über die Schulter. Bildverliebt habe ich mich da manchmal, etwa in die Blauwelt von @pamhubbard, die Roadmovieblicke von @theotherhelenkim oder Fährtenleserfunde von @trackerowl. Britischen Humor gabs immer frisch bei @themanwhostaresatbadgers. Bester Name ever. Das Allerbeste aber waren seine abgefahrenen Texte. Der hier zum Beispiel:

On dealing with the hullabaloo flu.
Whether standing in a queue
Or visiting the capital of a country like Peru.

What did you do?
I hope no clandestine rendezvous.
Just added some fatty tissue.
Or maybe a paddle in your canoe.
Achieved an ambition and learned to play the kazoo
Or rid your shower of all the mildew.

Made clear to all your point of view.
Any who’d listen got a talking to.
After you became a self styled health guru.

Don’t worry we’re told, they’ll be a breakthrough.
With luck before we start sniffing glue.
The truth being told, no one knows what to do
About this hullabaloo flu.

Should’ve kept the lid on Pandora’s box
And gone to meet a little Fox.

Weiß nicht mehr genau, aber irgendeinen „So-cool-man“-Spruch habe ich sicher dagelassen. Hat er mich doch wunderbarst aus der Corona-Vereisung gestarrt. Danke! Danke und Daumen hoch. Hatte übrigens nie nachgeschaut, was Mister Badger sonst so macht. So groß ist die Insta-Aufmerksamkeitsspanne ja nicht. Aber jetzt, wo Zeit ist, und Schreibfokus… Also, im profanen Leben betreibt er eine Online-Plattform, über die jedermensch seine eigenen oder anderer Leute Bilder auf irgendeinen Gegenstand – Handyhülle, Lampe sowas – drucken lassen kann, und so ein unikates Lifestyle-Produkt erhält. Zeitgemäß. Geschäftsidee. Womöglich einbringlicher als eine Fotoagentur?

Irgendwo gabs ne Statistik, die irgendwann sagte, ich würde mich täglich 15 Minuten mit Insta beschäftigen. Olala. Aber, klar – Nachgucken, wer was gepostet hat. Ob jemand einen Kommentar ab- oder Herzchen dagelassen hat. Öhm. It’s only .. Life, you spend, singt Patty Smith.

Am meisten Zeit haben mich Auswahl, Bearbeitung und Umwandlung meiner eigenen Bilder gekostet. Und nochmal soviel, um gute Bildüberschriften zu finden. Etwa sowas: „Plastic free surface“. Meine beste, für den Försterwiesenweiher, in dem sich der Himmel spiegelte. Und dann mussten noch passenden Hashtags dazu…

Ist gut jetzt. Alles auf Null. Aber verrückt: Erst lassen sie einen nicht raus, dann nicht wieder rein. Im Profil gibt es keine Möglichkeit, den Account zu löschen. Geht nur um drei Ecken. Ich nutzte den Link einer IT-Site. Und wurde gewarnt: Vier Wochen hast du Bedenkzeit, danach wird alles un-wider-ruf-lich gelöscht. Alla gut. Warten wir’s ab, dachte ich. Als ich aber vor Ablauf der Frist noch mal gucken wollte, ob ich’s rückgängig mache, war der Account schon nicht mehr aufrufbar. Okeh. Aber, he: Reduzieren ist immer gut. Zumal Insta sein Lametta längst verloren hat und nun Facebook gehört. Weswegen man als Social-Media-Addict fast alles doppelt sieht. Wisch und ade. Deckel auf die Box. Sing das Hullabaloo, Schneckenbaby: Die Insta-Zeit, sie ist um.
 

 
 
 

Hey JOBO, mach mal Sonne!

5. Februar 2021 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Praxisbericht zum Artisan Platinum Printer von JOBO (Keine Werbung, das Gerät haben wir selbst bezahlt).

Ein halbes Jahr überlegen wir hin und her: lohnt sich die Anschaffung – ja? -nein? Pat tendiert zu ja, sofern wir weiter Bilder mit analogen Techniken erstellen wollen. Ich zu nein. Wozu brauch ich so ein Teil für nicht gerade kleines Geld, wenn ich wunderbar mit der kostenlosen Sonne arbeiten kann? Brennt sie im Sommer doch mehr als man vertragen kann. So what?!

So. What: Ich änderte meine Meinung, denn bei unserer Cyanotypie-Serie Save our Souls war Pat derjenige, der für die Ausgangsnegative und Abschluss-Scans sorgte, ich hingegen bepinselte die Papiere mit Emulsion und flitzte mit Handy und Pats Konfirmations-Stoppuhr zwischen Belichtungsbank und Entwicklerschalen hin und her. Jedenfalls, bis kurz vor Abschluss der Serie die Wolken kamen.
Prinzipiell ist das Cyanotypie-Verfahren ja simpel – Papier mit Emulsion lichtempfindlich machen, der Sonne aussetzen, und erst in einem Säure-, dann einem Wasserstoffperoxidbad entwickeln. Birgt jedoch reichlich Arbeit und ebenso reichlichen Zeitaufwand. Unter anderem, weil man bei unterschiedlicher Sonnenintensität je nach Uhr- und Jahreszeit oder unterschiedlich dichten Negativen die optimale Belichtungs- und Entwicklungszeit erfühlen muss. Die ersten Cyanos für Save our Soals entstanden auf dem Balkon und im Badezimmer. Was die eine zwar recht hektisch, aber dem Verfahren als am angemessensten empfand, war dem anderen zu unberechenbar.

Ohne Deadline kann man sich die besten Bedingungen aussuchen: Im Hochsommer bei ungetrübtem Sonnenschein, vorzugsweise auf dem Land, und so viel Zeit mit einer Serie verbringen wie man Lust hat. Doch mit Deadline oder Zeitbeschränkung aus anderen Gründen ist schnell Schluss mit sonnenlustig. In diesem Fall sah das so aus: Ich war ich fast fertig, als die Sonne wegblieb – und ich zudem merkte, dass ich ganze Sets neu erstellen musste, damit am Ende alle Bilder die gleiche Qualität hatten.


 

Kurz: Wir kauften den UV-Belichter, und es hat sich gelohnt. Geniales Teil: Schublade auf, Kontaktkopierer rein – Schublade zu, LED-Sonne an – fertig. Gut, ein wenig Gefrickel mit den Zeiten gab es auch noch: sieben, fünf oder doch nur drei Minuten? Das aber ist ja mit der Sonne genauso. Hat man die Zeit einmal raus, ist das Arbeiten ein einziger Flow. Während man im Tageslauf immer mitberechnen muss, dass die Kelvinzahl des Lichts sich verändert, kann man in der recht einfach wirkenden Metallkiste ein Bild nach dem anderen belichten. Immer dasselbe Licht, immer dieselbe Zeit = Reproduzierbares Ergebnis. Daraus ergibt sich das zweite fette Plus. Denn: so wirkt eine Serie wie aus einem Guss. Naturwissenschaftlerin und Cyano-Pionierin Anna Atkins wäre begeistert gewesen. So wie wir.

Was da eigentlich entstanden ist? Unser Projekt: Blue Note / „Save our Souls“ superkurz erklärt: Hinschauen, statt deprimiert wegdrücken, was die Ergebnisse der Artenmonitorings wieder und wieder belegen: den millionenfachen Tod von Einzeltieren, das Aussterben ganzer Arten – und letztlich die Bedrohung des menschlichen Überlebens. Mit neun Tableaus á je 12 Bildern von Vögeln, Insekten, Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Schnecken, Bäumen und Urpflanzen in verschiedenen Lebensphasen wollen wir auf den immensen Verlust des Planeten durch das Artensterben aufmerksam machen. (Mehr zur Serie sowie die Bilder selbst in der Februar-Ausgabe des Naturfoto-Magazins.)


 
 
 

Süßer die Quitten

16. November 2020 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Dieses Gelb! Dieser zitronenrosige Duft, und unterm schützenden Flaum die kühlste, glatteste Haut. Aaah! Eine Sinnesweide. Dieses Jahr schnuppern und schmausen wir reichlich daran, denn hinterm Landhaus stehen ein paar Quittenbäumchen. Und was für welche. Nicht dass sie stattlich wären. Sind eher von gedrechselt murkeliger Gestalt, was aber sicher am Gerumpel der Baumaschinen des Nachbarn liegt und der Dürftigkeit bisheriger Beachtung. Schert sie gar nicht. Im Gegenteil, ihnen geht nicht mal bei diesen apokalyptischen Sommern die Puste aus. So ist das wohl, wenn man aus dem früheren Persien stammt. Und vertragen auch noch Frost. Und beschenken uns mit riesigen Früchten, unsre Hohenloher Birnenquitten. Und last but not least: Geschmacklich sind sie einfach nur ne Wucht. Die türkischen mögen größer sein, weicher und weniger herb, unsere aber punkten mit Aromentiefe. Deliziös. Was sag ich, Rabolicious!
Seit vier Wochen etwa, seitdem uns die faustgroßen Früchte fast auf den Kopf gefallen sind beim Ernten, sind wir umgeben von diesen Gelblingen. Gucken frech vom Fensterbrett, füllen Schalen und Körbe und haben uns zu x verschieden Köstlichkeiten für jeden Tageszeitenhunger inspiriert. Kostprobe?

Morgens – Sonnenfrühstück
Wir reiben den bitteren Schutzflaum ab, entfernen das Kernhaus und schneiden die Spalten ungeschält in Stücke. Butter erhitzen und die Quittenstückchen darin kurz anschmoren, Honig und evtl. auch Zimt, Kardamom oder Nelke dazu und 5-7 Minuten dünsten bis sie gerade richtig weich aber nicht matschig sind. Vielleicht noch ein bisschen Apfel oder Holundersaft zugeben und in einer Frühstücksschale nach Gelüst mit Getreideflocken, Blüten, Nüssen, Quark und/oder Joghurt mischen.

Mittags – Gemüse-Tagine mit Quitte
Unser marokkanisches Kochbuch hat ein Rezept für Rindfleisch mit Quitten, aber natürlich passt das herbsüße Obst auch zu allen anderen Gemüseeintöpfen, die wir in unserem afrikanisch-arabischen Lieblingstopf, der Tagine, zubereiten. Ta-was? Kennt ihr nicht? Tagine oder Tajine ist ein traditioneller nordafrikanscher Lehmtopf. Das Kochgeschirr ist dort gang und gäbe, dementsprechend heißt, was bei uns Gemüse-Eintopf genannt wird, dort Gemüse-Tagine. Während die traditionellen Tagines aus Keramik sind, glasiert oder unglasiert, verwenden wir ausschließlich die Deluxe-Variante mit Gussboden und glasiertem Keramikdeckel (Von Le Creuset und Staub). Die sind einfach nur genial.
Reste im Kühlschrank? Etwa Bohnen oder Möhrengemüse? Passt gut. Als frische Grundlage paar Schalotten, bisschen Zucchini, Fenchel oder Kürbis anschmoren und dann eine (wie oben zubereitete) Quitte dazu, sobald die Gemüsetagine fertig ist. Dazu reiche man sich Scheiben von selbstgebackenem Brot (s.u.).


 

Nachmittags – Quittentarte
Teig: 220 g Mehl, 120 g Butter, 60 g Zucker, ein kleines Ei, 2 Prisen Salz
Füllung: 1 kg Quitten
Creme: Je ein Viertelliter Milch und Sahne, 100 g Butter, 50 g Zucker, abgeriebene Orangenschale, 2-3 Eier, 40 g Speisestärke
Teigzutaten zu einem glatten Teig verkneten und kühl ruhen lassen, dann die Quitten von Flaum und Kernhaus befreien. Nach Belieben schälen oder nicht, und in feine Schnitze schneiden. Mit Orangensaft beträufeln.
Cremezutaten verrühren und in einem Topf zum Kochen bringen, aufkochen, 10 Minuten abkühlen lassen.
Eine Form mit dem Teig auskleiden und die Quittenschnitze darauf verteilen, dann die Creme drübergießen und im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad ca. 45 Minuten backen.

Abends – Menü mit Varianten
Vorspeise: Quitten-Feta-Teigtaschen
Hauptgang: Rotkohl mit Quitten oder Spitzkohl-Tagine mit Quitten-Bratkartoffeln

Quitten-Feta-Teigtaschen
Teig: Fertige Filoteigblätter vom Griechen oder Blätterteig
Füllung: 2 Quitten, abgerieben, und ohne Kernhaus in Scheiben geschnitten
Frischkäse mit Ziegen- oder Schafsfeta und einem Ei verrühren, feingeschnittene Frühlingszwiebeln und Zitronensaft dazu, würzen nach Geschmack.

Teigblätter vorbereiten, Quitten entweder pur oder mit Gemüseresten vom Vortag auf die Blätter legen und die Creme darauf verteilen. Filoteigblätter schmecken am besten, wenn man jedes einzeln buttert, bevor man die feinen Blätter aufeinander legt. Auf diese Weise die Füllung einpacken, mit Öl beträufeln und mit Schwarzkümmel bestreuen. Im auf 220 Grad vorgeheizten Ofen etwa 15-20 Minuten goldbraun backen. Funktioniert auch als Hauptgericht – dann passt eine Tomatensauce dazu.


 

Rotkohl mit Quitten
Rotkohl raffeln. Zwiebeln klein schneiden, Quitten abreiben und in kleine Stücke schneiden. Butter und Olivenöl erhitzen, Kohl, Zwiebeln und Quitten kurz anschmoren, dann mit Gemüsebrühe angießen, mit Salz, Zimt, Nelke würzen und bei kleiner Flamme etwa 45 Minuten dünsten. Dazu? Backofenkartoffeln und Bratling für die Veggies, Bratwurst für die Fleischesser…

Spitzkohl-Curry mit Quitten-Bratkartoffeln
Spitzkohl, Möhren, Zwiebeln plus Paprika, Kürbis, Ananas oder was sonst zur Hand ist, fein schneiden und in erhitztem Öl mit Sambal Oelek anschmoren. Kokosmilch und etwas Gemüsebrühe angießen, etwa 30 Minuten bei kleiner Flamme garen lassen. Mit Salz, Zucker, Kurkuma, Kreuzkümmel, Pfeffer und Zimt abschmecken. Nach 20 Minuten rote Linsen zugeben, evtl noch Flüssigkeit angießen, und mitgaren lassen.
Dazu

Bratkartoffen mit Quitten
Gute festkochende Kartoffeln (Leyla etwa) achteln und kurz vorkochen. Abtropfen und antrocknen lassen. Öl und Butter erhitzen, Kartoffeln golden anbraten. Etwa fünf Minuten bevor sie fertig sind, die gleichgroß wie die Kartoffeln geschnittenen Quittenschnitze dazu – auch hier bringt Honig herrliche, leicht karamellisierte Röstaromen – göttlich. Letztes Mal hatte Pat eine reichliche Portion in der Pfanne. Also hatten wir Reste. Also gab es zwei Tage später Brot mit Quitten und Kartoffeln drin.

Quitten-Kartoffelbrot
Brot backe ich in letzter Zeit am liebsten nach dem fast knetfreien No-knead-Prinzip und variiere nach Resteslust. Diesmal so:

6 Tassen Mehl (4 Tassen 550er Weizenmehl, 1 Tasse frisch gemahlener Dinkel, 1 Tasse frisch gemahlene 6-Kornmischung)
1 gute Tasse geriebene Bratkartoffeln und Quitten plus dem Rest Butter-Öl-Honig-Gemisch aus der Pfanne, außerdem noch 6 Walnusskerne, geröstet und grob zerkleinert sowie kleingeschnittener Rosmarin, 3 Teelöffel Salz, 1,5 Teelöffel Trockenhefe oder ein Drittelwürfel frische.

Alle trockenen Zutaten vermischen und dann ca. 3 Tassen warmes Wasser einrühren, bis alles vermischt und der Teig weich und leicht klebrig ist. In eine große Schüssel legen, reichlich Mehl drüber, mit einem Teller abdecken, und über Nacht gehen lassen. Das Volumen des Teigs sollte sich mindestens verdoppeln. Am nächsten Tag den Teig dreimal falten, und in Gehkörbchen oder in gut bemehlten Leintüchern gehen lassen. Bei mir gibt das 2 kleinere Brote. Nach ca. 2 Stunden sollten sie wiederum aufs doppelte aufgegangen sein. Sobald sie gut aufgegangen sind, geeignete Bräter in den Backofen und alles auf 260 Grad vorheizen. Dann die Teiglinge auf ein Stück bemehlte Pappe stürzen und in die vorgeheizten gusseisernen Bräter gleiten lassen (Achtung sauheiß!). Deckel drauf und 30 Minuten bei 260 Grad backen. Deckel ab, und nochmal 15 Minuten backen. So geht knusprig.

Absacker – Quittenlikeur
Wie er schmeckt können wir noch nicht berichten, denn wir haben ihn erst vor zwei Wochen angesetzt:
2-3 Quitten vorbereitet wie oben, 1-2 Bitterorangen, 1 Orangen in kleine Stücke geschnitten, Kardamomkapseln, Sternanis und Zimt, Kandiszucker, Wodka

Weithalsige Flaschen etwa über die Hälfte mit dem Obst (150-200 g.) füllen, Gewürze und 150 g Kandis dazu und mit Wodka auffüllen. Zuschrauben und in die Sonne stellen, jede Woche einmal vorsichtig 2 Minuten lang hin und her schwenken, damit sich der Zucker auflöst und alles gut durchmischt wird. Dann heißt es Warten: Sechs Wochen lang muss das reifen. Dann den Auszug durch ein Haarsieb gießen und in saubere Flaschen füllen, nochmal eine Woche ruhen lassen.
Mit Beeren hab ich solchen „Angesetzten“ schon gemacht – war echt köstlich. Bisschen Spannung muss sein, und herbsüßer die Küche nie duftet… Trotzt Corona Leute, und Cheers!


 
 
 

Lebenslang

14. Oktober 2020 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Turnaround. Friss. Bleib.
Nimm: den fremden Boden,
die Unnacht.
Du lebst, was willst du
Ich seh dein Ohr zucken

Ob die Trennung schmerzt?
Alldämmend das Raunen
Deine Rückwelt ein Bild auf der Wand
Traumend pflügst du
Weite, Zickzack, Nase tief

Im Knistern roter Leiber
und geschwinder die Füße im
Schlaf als je, die Ohren auf Acht
Schleicht wer? Hund? Hyäne?
Los doch, ihr Sternfinger, lauft

Oder fliegt. Hoch und hoch
Nebenan im Türkisverließ
Die Himmel bedeckt, die Sonne ein Netz
drin das bunteste Federschwirrn
immerhin, immerher, immerhin

Zu schön, zu selten, bleibt hier
Himbeeren und Maden und Mäuse
So grob für alle Zukunft. Lebend
Als ob. Als ob wir pfeifen im Wald
Für nichts

 
 
 

Zelten für Bikepacker

11. Oktober 2020 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Zelten ist best. Eigentlich. Aber früher war da mehr Glanz. Seit die guten Plätze für Vintage-Zelter wie uns wegschmelzen wie arktisches Packeis, seit immer mehr Wohnmobile unterwegs sind, macht es immer weniger Spaß. Jaha, schon klar, nur immer schön ist Zelten nun auch nicht. Nass werden ist doof, Straßenlärm auch. Zecken oder Windstärke 8 müssen nicht sein… Aber, im Grunde alles erträglich und gehört dazu. Eins aber, und dieser Punkt wird immer krasser, verleidet uns das Zelten: Menschen mit Klatsche und Reisemobil. Aber, der Reihe nach.

Für die schönsten Plätze muss man sich schönst ins Zeug legen. Die liegen nunmal ab vom Schuss, ist ja grad der Reiz. Beispiel Uig oder Bosta Beach auf der schottischen Insel Lewis: Bergauf-bergab-bergauf. Da ist es! Nein, noch ne Schleife und noch ne Kehre und – weiter treten, treten, treten. In vorüberziehenden Wohnmobilen konnten wir nichts als Weicheier in Dosen erkennen. Ja, sorry. Wenn man platt ist, mault man gern bisschen ab. Zum Glück sind die Camper-Spezies meist fein voneinander getrennt. Wohnmobile näher an den Sanitäranlagen und Radler- und Fußgänger-Zelte da, wo man mit einem Auto wirklich nicht mehr fahren kann.
In Schottland hatte die Wohnmobilfraktion neben den unvermeidlichen Klappleitern, -stühlen, -tischen und -Lampen meist ihre Hunde, Kajaks oder Surfbretter dabei. Mancher schläft halt nicht gern im Zelt. Könnt ja wilde Tiere geben draußen. Geht klar, Leute, da komm ich mit. Wer freut sich schon außer uns über Igel oder Jungfrösche im Vorzelt. Bei Zecken und Mücken oder gar Kühen hörts bei uns ja auch auf. Wo andere ein Netz um die Familie oder den ganzen Wohnwagen wrappen, zücken wir Antibrumm, Pinzette, Zeckenkarte und wrappen wir uns in Gleichmut.

Ging lang gut, aber jetzt ist wohl Ende der Zeltstange. Irgendwas ist gekippt, wie in einem gestressten Biotop, und zwar quer durch Deutschland. Auf den Plätzen, wo wir letztes und dieses Jahr übernachtet haben – von Frankfurt aus nach Gotha, Tauberbischofsheim oder München – gab es den klaren Trend zur Übergröße. Ein Reisebus ist nix gegen so ein Megareiseding. Ob in Hünfeld oder Jena – allein das Einparken erfordert Stunden. Kaum steht das Teil, wird ausgepackt und der Vorplatz hergerichtet: Sitzgruppe, Geschirr, Tischwäsche, Fußmassage, Lampiongirlande, Hunde, Spiele, Grill. Noch was zuhause geblieben? Hier noch ne Klappe öffnen, da was betätigen. Der Camperchef lässt die Kabelmuskeln spielen, badet sein Ego im Staunen der Umwelt, sein Bier im Eis! Alle alles gesehn? Dann abhängen vorm Bus.




 

Dieses Jahr hat Corona noch mal einen draufgesetzt. Hat die Leute völlig kirre gemacht – oder waren sie‘s vorher schon, nur woanders im Urlaub? Wer weiß. Die Platzbetreiber dürften jedenfalls zufrieden sein. Ordentlich Stellplatzbelegungen, die mehr Geld bringen, als so poplige Zelte. Duschen und kacken tun sie in ihrem Bus. Die Chemietoilette hat Rollen, so kann der Camper seine Scheiße bequem zur Entsorgung fahren. Da heißt es Augen zu und schnell vorbeizischen, wenn er‘s auskippt.

Ist der Bus nicht ganz so groß, haben manche sogar Fahrräder dabei. Gerne die E-Variante. Der echte deutsche Camper aber haut den Lukas, und fährt in seiner Freizeit Scooter, Roller, Smart oder Quad. My Mobile‘s my Castle. Letztes Jahr boomte das schon, dieses Jahr haben die Reisekisten noch mal zugelegt. Die Sache läuft so prima, dass es einen Hersteller gar an die Börse treibt. Vielerorts sparte man dann Personal und Platz und lockte Camper mit suppergünstigen Preisen auf Parkplätze mit Stromanschluss. Immer öfter musste Pat unsere Tourenplanung neu aufsetzen, um Plätze zu finden, wo auch wir übernachten konnten.

Die in ihren Kisten wissen wahrscheinlich gar nicht, was sie verpassen. Einfach alles eigentlich. Den Glanz, das Salz des Campens: Zelt auf und Nase im Himmel, Abendessen bei Sonnenuntergang… Ach – Draußensein! Das gibs noch auf Plätzen wie „Drei Gleichen“ in Thüringen. Jena und Hünfeld waren auch nicht schlecht. Traumhaft war Donauwörth: Wasserrauschen, Froschgequarre, Zippen von Reißverschlüssen und leises Schnarcheln des Zeltnachbarn waren das Lauteste dort. Unterm Zelt und den Barfüßen ein vorbildlich gepflegtes Grasbett. Nächtigen darf hier übrigens nur, wer zu Fuß-, mit dem Boot oder Rad kommt. Spätabends lockt der Bierautomat, frühmorgens der Nebelblick auf die Donau. Sowas findet Pat im Internethaufen durch nächtelange Recherche. Auch den ersten Platz für dieses Jahr hat er so gefunden. Eigentlich war er skeptisch: keine Website, keine Infos… Aber: alles gut. Zum Glück hatte sich der Chef vom nächsten Platz in Schusterwörth nicht gemeldet. Rammelvoll wars da, als wir vorbeifuhren, und drumherum die reinste Müllhalde.

Vorletztes Jahr haben wir getestet, ob wir noch zeltkompatibel sind, unser letzter Zelturlaub lag da schon ein paar Jahre zurück. Der erste sowieso: Sommerferien ‘99 mit Kind an der Ostsee. Glücksburg war unsere erste Etappe. Ich erinnere das Getrippel kleiner Vögelfüße auf unserem Zeltdach und höre noch ihr Geflatter. Damals lernten wir Camperland kennen mit all seinen Sitten und Gebräuchen. Da staunte ich noch über faltbare Spülschüsseln, Solarduschen sowas. Sowohl Pat als auch ich hatten zwar vorher schon gezeltet, aber … anders. Ich mit Freundin ohne Zelt in Frankreich – Pat als Einmannzelter in Schottland…




 

Mit Kind unter Leuten – war jedenfalls unschlagbar. Immer andere Kinder da, mit denen sich was losmachen lässt. Schön auch das Bikergarn, das man gemeinsam spann. Leute, die von ihren Reisen, etwa durch Tschechien erzählten und wie es war als der Schaltzug riss, kein Ersatz dabei und weit und breit nichts und niemand… Heute können wir selber die dollsten Sachen erzählen. Über die Pubies, die von Sylt nichts anderes sahen als die Nacht. Die uns gackernd ünd über Zeltleinen stolpernd den Schlaf raubten. Wie wir in Schwedeneck an der Ostsee zwei kaputte Schläuche auf einmal hatten, beim neuesten Rad – und weit und breit kein Fahrradladen. Vom Absaufen des Zelts auf dem Donauradweg in Melk, ich sehe noch die Tasche mit Pats belichteten Filmen (!) die vor unserem Schlafzelt vorbeitrieb… Weiter gehts Jahre später. 2018 ohne Kind, dafür mit Trailer, in Schottland: Möwe klaut Hühnereier vom Zeltnachbarn… Abgefahren coole Nummer! Das war in Laxdale auf Lewis, einer der schottischen Äußeren Hebriden-Inseln. Nette Leute an der Rezeption, Aufladen von Handy- und Kamera-Akkus umsonst, gepflegte Zeltwiese, Kochhäuschen, Sanitär – bester Platz!

Dieses Jahr wollten wir eigentlich die andere Seite der Insel erkunden. Mindestens aber bis South Uist kommen. Doch Corona hat Großbritannien im Sommer zur No-Come-/No-Go-Area gemacht. Sehr schade. Okay, haben wir uns gedacht, dann eben Raboldshausen. Rabowas? Rabowo? Kennt ihr nicht? Joa, ist ja auch klein das Kaff. Auf ner 1:50.000er Karte muss man‘s gar nicht erst suchen. Liegt in der Nähe von Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim oder Crailsheim. Farout also, im Hohenlohischen. Warum dahin? Haben dort einen Landsitz jetzt. Können da arbeiten, Ruhe haben, Spatzen und Stieglitze gucken. Nachdenken. Damit da wirklich was rumkommt, brauchen wir dafür etwas Anlauf. Nach unserer Erfahrung denkt es sich besser, wenn auch die Seele ihren Weg in Ruhe finden und erkunden kann. Und wie ginge das besser, als mit dem Rad?!

Mit diesem Plan haben wir uns dann trotz aller Aversion gegen den massenhaften Ferien-Run der Deutschen auf Deutschland aufgemacht. Für zehn Tage, dem maximalen Zeitraum, den wir unserem alten Kater und den Katzensittern zumuten konnten. Und da ist es passiert: Sie haben uns das Zelten verleidet. Nette Bulli-Lover und Wohnwagenzieher mal eben weggucken: Zur Hölle mit allen Wohnmobildeppen!

Der Auftakt und erste Platz „NaturFreunde Bootshaus am Altrhein“ war noch erste Sahne. Die Freude des örtlichen Fußballfanclubs, sich erstmalig nach dem Corona-Shutdown wiederzusehen, verhinderte zwar die Nachtruhe. Aber, Leute, geschenkt. Dafür gabs Mauereidechsen zum Gucken, ein Morgenbad im und das Frühstück direkt am Rhein. Das ist Zelten. Glückstrahlend gings weiter. Wegwarte himmelte die Seitenstreifen, Störche segelten über uns. Federn säumten meinen Weg. Ein Federtagebuch harrt noch der Umsetzung. Abends aber die krasse Ernüchterung: „Camping Weißensee“. Ein Geizplatz. Zum Abgewöhnen. Jeder Millimeter vermietet, nicht mal eine Bank oder freier Platz, wo man frühstücken könnte. Der See ab 19 abends bis acht Uhr morgens verrammelt – und ein Mannemer Nachbar mit Verbaldurchfall. Gott, was haben wir und unsere niederländischen Nachbarradler ihn gehasst.

Danach versöhnte uns Heidelberg-Schlierbach wieder ein wenig. Wohnmobile abgepuffert von richtigen Zeltern und Radlern um uns herum. Immer nett, wenn es was zu gucken gibt. Was haben, machen die anderen so? Kann man sich was abgucken? Vom wettergegerbten Alt-68iger vor uns, blieb mir die Hängematte hängen. Auch ein Niederländer. Die schreckt ja nichts und niemand. Packte als erstes seine ultraleichte Matte aus, posierte davor und ließ Landsleute ein Handyfoto machen. Am abgefahrensten aber der Däne zur Rechten mit seiner Reisegitarre. Pat steht noch heute der Mund offen, er durfte sie ausprobieren.




 

An Pats Geburtstag dann erreichten wir „Waldcamping Bienau“. Schön gelegen zwischen Waldrand und Fluss. Sicherheitshalber hatte ich vorgebucht. Im Internet lockte: Mit Imbiss. Als wir abends durchgeschwitzt und hungrig ankamen, zeigte sich der Imbiss wegen Corona geschlossen. Der Platz runtergekommen. Die Sanitäranlagen never ever renoviert. Und die Zelter in zweiter Reihe ohne Neckarblick. Bei der verpeilten Platzchefin gabs nicht mal Einkaufsmöglichkeiten an der Rezeption. „Ooch“, meinte sie: „Bis zum nächsten Ort mit Pizzeria und allem sinds doch nur drei Kilometer.“ Es waren sechs und alles hatte geschlossen. Irgendwie haben wir – kurz vorm Verhungern – im übernächsten Ort doch noch was gefunden. Am nächsten Morgen um Acht waren wir back on the road.

Nach Plan lag vor uns die vorletzte und mit 80 km längste Etappe unserer Tour. ich wagte an diesem Tag nicht wie sonst dauernd anzuhalten, um nach Fuchsschiss, Käferlein oder Vogelflug zu gucken. Bloß nicht schlapp machen, dachte ich immer. Bloß nicht. Bei einer Eiskaffeepause meinte Pat: „Wir liegen so gut in der Zeit – wir könnten theoretisch durchfahren.“ Hm. Dann müssten wir nicht wieder nur für eine Nacht das Zelt auf und wieder abbauen und noch einen Campingplatz ertragen. Du wirst am Straßenrand liegen und heulen, dich selber verfluchen… War mir klar, und doch klang es verlockend. Ich sehnte mich danach, zu bleiben und Ruhe zu haben. Also: Ja. Wir fuhren durch.

Der erste gemeine Berg zog sich endlos. Eine ungeschriebenen Regel bei uns lautet: „Jeder fährt sein Tempo und wer vorne ist wartet dann irgendwo“. Diesmal war ich vorne. Und wartete. Wartete, wartete. Kein Pat. Als er dann kam, sah er nicht sehr frisch aus. Vielleicht weil er wusste, das Schlimmste kommt noch: Ein als Fernradweg ausgewiesener Steilhang. 44 %. Er war schon oben, als ich dachte, ich pack das nicht. Frische? Urgh! Wie wir die letzten 20 der 114 Kilometer ausgehalten haben – keine Ahnung. Gegen halb elf waren wir in Rabo.

Ein Bett! Bleiben! Im Garten sitzen. Ahh, tat das gut. Die geplante dreitätige Zelt-Rückreise? Gestrichen. Sind erstmal durch mit Zelten. Obwohl… Wir hoffen auf das Abebben von Corona. Und auf Schweden by bike und im Zelt. Vielleicht. Ist nächstes Jahr Zelten dort wieder best?!