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Let’s Fotoherbst again – unsere “Isle of Lewis” goes Schömberg

3. August 2019 von Sylvia | Keine Kommentare


 

Yeah! Wir sind zum vierten Mal dabei! Unsere “Isle of Lewis, Insel der Weite” wird neben 23 anderen Profi-Serien Teil des 15. Schömberger Fotoherbsts sein. Dem Wettbewerb und Festival der Reise- und Reportagefotografie im Schwarzwald. Wir freuen uns!

Wind, Wasser, Felsen… So sehen die Basics der schottischen Isle of Lewis aus – deshab sind diese Elemente auch die Basics unserer Serie über die “Insel der Weite”. Fast vier Wochen lang erkundeten wir dafür als Reiseradler die größte der schottischen Inselkette „Äußere Hebriden“. Unser Plan: Lewis umrunden und auch ein wenig von Harris, der „nur“ durch eine Mittelgebirgskette getrennten Inselschwester anschauen – und am Ende eine Reisereportage produzieren – einige davon sind online: Hier oder hier.
Wir starteten dabei mit recht unterschiedlichen Vorstellungen: Einer von uns war schon mehrmals da, zuletzt allerdings vor fast 40 Jahren – eine von uns noch nie.

Lewis hat rund 20.000 Einwohner, Tendenz sinkend, weil es kaum Arbeit gibt. Allerdings kommen viele Touristen. Menschen, die die von steinernen Zeugen menschlicher Willenskraft ebenso fasziniert sind wie von der uralten Felslandschaft. Neben vielen verlassenen Häuserruinen zeigen Baumaßnahmen, dass man versucht, darauf zu reagieren. Mitten im Nirgendwo, oberhalb des Reef Beach etwa entsteht ein Café mit grandioser Aussicht.

Vielleicht bricht wirklich eine neue Zeit an. Junge Leute, die auf der Insel bleiben, machen Cafés auf (mit Angeboten für Veganer), bieten Ferienwohnungen an, Delfin-Besichtigungstouren oder Handarbeiten aus knallbunten Tweedstoffen. Kein Wunder eigentlich, denn im Laufe von zehntausend Jahren haben die Bewohner entlang den Atlantikküsten immer sehen müssen, wie sie den Gegebenheiten eine Lebensgrundlage abringen konnten. Dabei hieß es zusammenhalten und auch Fremde willkommen heißen – denn: Wer weiß, wessen helfende Hand man würde brauchen können. „Die See ist manchmal barmherzig, die Felsen sind es nie“ – mit diesen Worten wird im Inselmuseum ein alter Seemann zitiert.

Getaktet wird das Leben auf Lewis ganz sicher von Ur-Zeit. Kanada und Schottland gehörten einst zueinander. Schottland und England dagegen trennten (Meeres-)Welten. Geblieben sind dem Lebensraum die ältesten Oberflächensteine Europas – teils älter als die Alpen – und eine alles umwallende Gelassenheit. Wir haben uns während unserer Reise der inselüblichen Nicht-Hektik gerne angepasst – und etliche Reiseziele gestrichen, um mehr Zeit fürs Sehen zu haben. Gesehen und selbst gespürt haben wir, wie Natur und Landschaft die Menschen auf den Hebrideninseln prägen – aber auch, wie Menschen wiederum Natur und Landschaft prägen. Unsere persönliche Faszination für die Basics der Insel seht ihr life in Schömberg: vom 11.10. bis 10.11.2019.
Und bis dahin schon mal hier:









 
 
 

Go, Stadtwald, go: 13. Schömberger Fotoherbst!

13. Oktober 2015 von Sylvia | 3 Kommentare

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Tiefblaubunt dieser Sonntagmorgen, Herbsttag deluxe. Und wir nicht per Velo im Stadtwald, sondern per Auto dran vorbei, um ihn uns genauer anzuschauen. Heißt? Wir fahren zur Ausstellung, dessen Teil er jetzt ist: zum 13. Schömberger Fotoherbst. Dem Reise- und Reportagefotografie-Festival, bei dem wir jetzt zum zweiten Mal vertreten sind. Nach zwei Stunden und zwei Staus wird’s endlich goldrotschwarzwaldig – Swabian Summer in Schömberg.

Kaum das Ortsschild passiert, sind wir Pünktchen im Gewühle. Umgeben von lebendigem Strömen, das den ganzen Tag anhält und uns mitreißen wird, sobald wir den letzten Parkplatz gefunden und das erste der Bilder im Kurpark gesehen haben. Unerwartet dieser Massenandrang – schon –, aber doch schön auch, das sich einfädeln und treiben lassen, sich finden auch. Das Gefühl des Fremdseins in der Heimat, die Lust des Auszeitnehmens vom Tagesgeschäft. Zimtzucker zwischen den Zähnen, Kindermund im Ohr. Und, achja: Bilder, Bilder, Bilder.

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Da wo die Bläser traditionellen Trachtenbeat in den Herbst pumpen ist der Herzpunkt der Ausstellung. Dort, man muss es sagen, endet das Geschiebe. Schön für die Betrachter, die jetzt ins Rathaus finden, schade für die dort (und an den anderen beiden Orten für die Profis) großartigen, gut zusammengestellten Serien. Wir ziehen drei heraus:

Mit „Wanna have love?“ erzählen Insa Hagemann & Stefan Finger visuell sehr berührend. Machen betroffen ohne das übliche Betroffenheitswerkzeug. Loten sich ein in die Tiefe der Kinderseelen, die Sextouristen auf den Philippinen zurücklassen: das blonde Baby, der blasse Teenager, der kaffeebraune Junge – alles Außenseiter in einem Land, das keine Migranten kennt, so die kurze Info zu diesem Projekt…

Direkt daneben Oliver Mezgers „Dreiundzwanzig“. Von ihm sehen wir dieses Jahr schon zum dritten Mal coole Fotos (2x in Wiesbaden). Hier seine lichtschöne Serie vom Naturpark Schwarzwald. Warum Dreiundzwanzig? In dreiundzwanzig Stunden entstanden. Ein paar Schritte weiter heißt es „Ich war hier“, eine gewagte, kluge Komposition von Werner Mansholt. Er beginnt mit einer 25.000 Jahre alten Felszeichnung und variiert das Thema durch Kritzeleien auf dem Kölner Domdach, Schädelhaufen im Gebeinhaus, mit Namen beritzten Bambusstangen bis hin zu den bunten Abdrücken von Kinderhänden auf einer Schulwand auf Kreta.

Raus aus der Ausstellung rein in den ohrenbetäubenden Jahrmarkttrubel – und Halt! Das muss ich haben: An einem Stand werden dampfende, frisch gebackene „Kürtös“ angeboten. Sieht verlockend aus, wie Baumkuchen gekreuzt mit Stockbrot. Was ist das? Die Warteschlange verheißt: was echt Gutes. Nachdem ich dran bin und auf mein Kürtös warte, erklärt mir Standchefin Ines Balatoni: „Wir sind Ungarn und das ist eine Siebenbürger Spezialität, die auch in Ungarn noch manchmal auf Jahrmärkten verkauft wird. Im Original wird der Teig überm Holzfeuer gebacken – aber geht hier nicht wegen den Brandschutzbestimmungen.“ Supergeniales Zeug.

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Nach der Pause wieder zu den Bildern. Und würfeln: wo ist die Poststraße? Da nämlich, im Haus Bühler, da hängt unser Stadtwald. Ein eigenartig vertrautes Gefühl macht sich breit: Hallo Stadtwald. Gut machst du dich hier, inmitten der echt harten Konkurrenz… Zwei Zimmer weiter eine Islandserie, die das mittlerweile so ausfotografierte Land plötzlich wieder geheimnisvoll macht: Karl Huber sah „Island im März“. Und auch die NachwuchsfotografInnen sind hier beheimatet, darunter Elias Klein mit einer schönen „Billard“-Studie.

Schömberg, das ist Hingabe mit klarer Linie – alle haben dieselben Rahmenbedingungen im Wortsinn. Weiße Holzrahmen, weiße Schrägschnittpassepartous, höchstens zehn Bilder. Einziger Kritikpunkt an dieser Stelle – manchmal gab‘s erhellenden Begleittext, manchmal nicht. Das Quäntchen Zu-Text aber hätte allen Projekten gut getan. Denn: solche Info vermag doch oft den Blick zu weiten, sowie die Räume zwischen den Bildern zu verstehen.

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Auch bei den Amateurbildern, die im ganzen Ort verteilt in den Schaufenstern hängen. eine schöne Idee, die allerdings manchmal Grenzen hat (bei der die Bilder umgebenden Dekokunst). Doch so haben die Menschen, die wegen des verkaufsoffenen Sonntags hier waren, auf jeden Fall die Amateurserien gesehen. Von denen die tapfere Jury in der Sommerbruthitze dieses Jahres ebenso viele ausgewählt hat wie bei den Profis: je 25.

Zum Schluss nochmal ins Kurhaus. Von dort steckt mir noch die Qual in den Gesichtern von Sandra Hoyns „Letzten Orang Utans“ in den Knochen. Die Serie erinnert daran, dass nicht nur der Wald stirbt, sondern auch seine Tiere. Für das Palmfett in unseren Margarinen und Keksen und unzähligen Fertigprodukten. Einer im Käfig, der die Hand eines Menschen fest umklammert hat: Bleib bei mir! Einer auf dem Krankentisch – alle Menschen mit Mundschutz und Handschuhen. Die Bilder von den Rettungsaktionen, dem Bergen der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer fallen mir ein. Dass im Hintergrund die Kurkapelle zum Tanz aufspielt macht das Ganze komplett surreal. Kommen, sehen, denken. We’ll be back!
 
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13. Schömberger Fotoherbst
Internationales Festival für serielle Reise- und Reportagefotografie
Rathaus, Museum Haus Bühler, Kurhaus, Schaufenstergalerie in 75328 Schömberg
9.10. bis 8.11.2015
 
 
 

5785 Hektar for 13. Schömberger Fotoherbst!

6. August 2015 von Sylvia | Keine Kommentare

Mit unserer Serie “5785 Hektar – Stadtwald Frankfurt” sind wir beim 13. Schömberger Fotoherbst, dem Internationalen Festival für serielle Reise- und Reportagefotografie. Schwarzwald wir kommen! (9. Oktober bis 8. November 2015)

Überquerung

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Waldstuhl

Frosch

Baumharz
 

Barfuß auf der Borke, bäuchlings im Farn oder mit dem Tele wartend im Gebüsch: wir haben ein besonders enges Verhältnis zum Frankfurter Stadtwald. Seit 25 Jahren erkunden wir fast täglich das Grün vor unserer Haustür zu Fuß oder mit dem Rad. Erleben ihn immer wieder anders, entdecken Unbekanntes – oder genießen das Ritual der Wiederholung auf bekannten Wegen. Für manchen Städter dagegen ist schon ein Reh ein exotisches Wesen, ihm ist der Naherholungsforst ferner als der malaiische Regenwald, in dem er vorgestern noch über eine Hängebrücke lief… Diese fortschreitende Entfremdung bewegte uns dazu, unser Langzeitprojekt zur Serie „5785 Hektar – Stadtwald“ zu bündeln. Der stadtnahe Wald fasziniert uns, weil er so viele Facetten birgt. Trotz der starken Nutzung und der Geringschätzung, die manche nur für ihn übrig haben, erfüllt er tagtäglich zahlreiche Funktionen: ist Luftfilter, Wasserreservoir, Lärmschutz, Erholungsgebiet – Kultur- und Lebensraum zugleich.

Er kann eine Oase sein, doch er ist kein einsamer Ort. Von Joggern und Hundebesitzern wird er ebenso intensiv genutzt wie von Förstern und Wirtschaft. wir haben in den letzten Jahren Flughafen, Bahn, und Straße immer tiefer in den Wald vordringen sehen und in Reportagen auf den mangelnden Schutz und die wichtigen Funktionen des Waldes hingewiesen. Umso mehr freuen wir uns daher über das hingabevolle Staunen von Menschen, wenn plötzlich vor Ihnen ein Damhirsch den Weg kreuzt. Und sind verwundert, wie wenige den Unterschied zwischen Reh und Hirsch kennen oder wissen, wie wichtig der Wald für die Metropole Frankfurt ist. Mit unserem Reportageprojekt wollen wir diese Vielfältigkeit abbilden, diese wunderbare Welt aufschließen. Und zeigen wie wertvoll sie ist. Dazu passt der Begriff von Heimat von Ernst Bloch: „Die vergesellschaftete Menschheit im Bund mit einer ihr vermittelten Natur ist der Umbau der Welt zur Heimat.“

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