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Schottland – Reiselogbuch #3

22. Oktober 2018 von m&m | Keine Kommentare

5. Juli


 
Nach Uig am Geburtstag unseres Sohns. Erinnerungen an die Geburt und Gedanken an den heute 29jährigen sind mit uns.

Der Weg – Weite. Darüber Wind. Das Gras schüttelnd, den Fels schrubbend. Am Weg Findlinge, mit hellen, kreisrunden Flechten besprenkelt. Unterwegs: Eine Schotttendistel in weiß. Ein gutes Omen?

Wind und Wind und Wind. Ein Straßentag mit Hänger. Tiere sehen wir hauptsächlich als Wildunfälle der Straße. Roadkill. Ein toter Marder, Kaninchen, ein Rothirschskelett. Vor ein paar Tagen sah ich eine prächtige Möwe, als lebe sie noch, am Ortseingang von Stornoway. Auf unserem letzten Ausflug einen Igel, eine Sperberin. Ansonsten ist die Landschaft karg. Lässt dir Platz bis zum Horizont. Meist sind wir unterwegs die einzigen auf der Straße.



 
Wann sind wir endlich da? Ich glaube den Weg verloren, uns verirrt. Es geht immer nochmal um die Ecke, immer kommt noch eine weitere Biegung – und kein Schild weit und breit. War da nicht vor etlichen Kilometern eins? Richtung Camping, in eine ganz andere Richtung?? Schon recht spät jetzt. Pat, der den Hänger hat, völlig platt. Schnauft: „Ich kann nicht mehr treten.“ Aber wechseln will er nicht.

Endlich tut sich was rechterhand. Ein ellenlanger Strand, wie angekündigt. Pat zeigt dorthin: da unten muss es sein. Wir folgen mit dem Blick unsrem Straßenband, realisieren, dass es sich vom eigentlichen Ziel da unten geradeausweg bewegt, dann windend und schlängelnd wieder hin. Hrgh! Zuur–Hölle.

An der letzten Biegung zwei Rothirschkühe. Sie stehn im Eck eines umzäunten Grundstücks. Rechts von ihnen Fels, vor ihnen wir – Aug in Aug. Kurzer Blick, wenden und ab!

Der Zeltplatz wie versprochen: Direkt am Strand. Wir gehen weit nach vorne, wo es nur wenige Leute hat. Die Wildzelter. Die meisten sind näher dran am Häuschen mit den Sanitäranlagen – und dem Strom.


 
Die meisten mit Wohnmobilen. Immer wenn uns so eins auf der schmalen Ministraße überholte, fand ich sie furchtbar. Unpassend, wie sie in der Blase ihrer mitgeführten Komfortzone vorbeieilten, als sei die Zeit gleich um. Während wir uns mit letzter Kraft und Disziplin hügelan arbeiteten. Nein, kein Neid. Mochten sie ohne die Säure der Anstrengung dahinsausen. Ohne Mumm. Pah.

Und endlich da: Zeltaufbauen. Zur Ruhe kommen. Irgendwann merkt Pat: seine (beste) Outdoorflasche ist weg. Muss bei der letzten Rast mit Hängerabwechslung unbemerkt liegen geblieben sein. Die ist wohl weg, ärgert sich mein Mann. Schaunmermal. In ein paar Tagen, wenn wir weiter fahren, kommen wir ja dort wieder vorbei… Dumm. Aber den Höllenritt zurückfahren und gucken will keiner von uns.

6. Juli

Moin Uig!
Morgens feucht und trüb. Am Strand alles voller Fußspuren – Menschen, Hunde, Wasservögel. Und was für ein Strand. Flach und weit – und dazu windet er sich immer an der felsigen Küste längs. Bei Ebbe gehts kilometerweit und immer wieder um eine Klippenecke. Zum Verlaufen groß. Bis zum Meer braucht man fast zehn Minuten. Von oben schauen oft majestätisch die Hüter der Höhen, die Schafe herab.



 
An den frischen und alten Spülsäumen des Meers viele abgerissene Tangwedel. Filigrane federartige, fast weiß bis schlammbraun. Oder große Äste mit Blättern, die wie transparente Kunstlederriemen aussehen. Dazu curryfarbene mit Luftpölsterchen… Manche fühlen sich wie Papier an. Foto! Bitte zuhause Cyanos draus machen.

Pat kocht. Entspannt ihn, schmeckt mir. Jeder von uns greift nach einem Happen Zeit. Zeit fürs ankommen, sich finden, sich rauswagen, sich rausfühlen und eins werden mit dem Leben draußen.

Wind, Wind! Bisschen Sonne auch heute, die das atemberaubende Strand-Düne-Berg Panorama sehr cool ausleuchtet.

7. Juli



 
Ganz Sartre. Jeder auf sich geworfen. Jeder unter dem Blick des anderen. Ihn mal wünschend, ihn mal meidend oder drunter leidend. Die Alltagsmahre derweil an der Schädelnaht kratzen. So ringt jeder mit seinen Störsendern, diesen ungelösten, sich immer fester ziehenden Denkknoten. Die geruhsame Freundlichkeit der Inselschotten tilgt indes manches. Lindernd wie Balsam: Hi Dear. Are you okay?

Eine wachsende Population von Fischottern soll auf Lewis leben. Ich also meine Fährtenleser-Basics, das “Messbesteck”, immer griffbereit. Die Augen otterspottrig geweitet. Allerdings auch hier, im Regenland, dies Jahr alles viel zu trocken. Spurenlesen für Fortgeschrittene. Die Flussufer steinig oder durchzogen von Wurzelwerk. Ich finde nichts. Keine Fraßspur, kein Trittsiegel, keine Losung. Von der Sichtung lebendiger Exemplare ganz zu schweigen. Wollte ich ernsthaft suchen, müsste ich wohl ein, zwei Tage nichts anderes tun. Aber wir wollen ja die Insel gemeinsam erkunden …

Morgens am Strand ein Greifvogel mit Beute in den Fängen. Was genau, ist nicht auszumachen. Dass er trotzdem rüttelt?! Keine Kamera griffbereit.




 
Einkaufen. Der nächste Shop liegt oben an der Höllenritt-Straße – maximal fünf Kilometer von uns entfernt, trotzdem haben wir keinerlei Ambitionen, mit dem Rad hin zu fahren. Das Fahrradhirn streikt. Die Quälerei der Hinfahrt noch recht präsent. Aber Luftlinie und zu Fuß sieht es doch viel kürzer und einfacher aus – oder?

Tatsächlich. Lauflust pur! Wir queren die saftgrünen Schafswiesen, mit ihren omaweichen Torfpolstern und nutzen die Wege von Torfstecher und Schaf. Bei normalem Wasserstand ohne kniehohe Gummistiefel sicher kaum passierbar. Wir folgen den Tierpfaden, klettern über Weidezäune und stehen im Community Shop wie kleine Kinder. Solche Shops gibts hier überall in der Pampa der Insel Lewis. Gemeindeläden, wo man fast alles bekommt. Vom Handykabel über Hommus-Brotaufstrich bis zum Whisky. Letzteren allerdings erst ab 10 Uhr (Kinderschutz).

Da wir zwar keinen Whisky aber Wein und Cider mitnehmen wollen – und es halb zehn ist –, trinken wir noch einen Kaffee vorm Einkaufen. So der Plan. Pat wartet draußen, ich ordere Kaffee und werde zur einer Riesen-To-Go-Maschine geschickt. Ich brauche viel Assistance, bis ich gerafft habe, was bei diesem KI-Kaffee-Monster zu tun ist: Erstmal passende Münzen einwechseln. Nur 50-Pence-Stücke (und nur neue!), dann eine Sorte Kaffeeflavour aus 10 möglichen auswählen. Das entsprechende Tütchen aus der Schublade picken, in die Vorrichtung pfriemeln – Go, die erste. Für den Cappuccinogeschmack ein weiteres Tütchen aus einer anderen Schublade. Auch wieder vorsichtig in den in den Schlitz fummeln – aber nicht zu tief, sonst: „Sorry, can you please help me?“ Dann muss der Verkäufer die Sauerei wegmachen, vielleicht ist dann auch noch das Wasser alle. Dritter Versuch und PUSH! Stunden später hatten wir unsere Cappus.

In der Kaffee-Ecke ein Mini-Heimatmuseum, mit Lokalinfos, Brettspielen, Büchern. Büchern! Selten so viele Leute lesen gesehen wie hier auf der Insel. So sehen Beschäftigungen aus. Kein Internet, nix. Auch am Zeltplatz nicht. Dafür Spülplausch. Sehr sozial hier die Jungs. Beim Spülen wirste eingeladen zur Offenen Party am Reef Beach, hörst von den besten Möglichkeiten zum Kitesurfen. Oder wirst getröstet, wenn du wieder mal keine Delfine gesehen hast.

8. Juli



 
Vom Zelt aus im Blick: Unser Hausberg Suaineabhal. Riesenberg. Viele Winter und viele Sommer sah er kommen und gehn. An Schottlands Küsten hier oben im Norden gibt es aufgrund von Urgesteinsbewegungen die ältesten Oberflächensteine Europas – teils älter als die Alpen. Das Gebirge war mal höher als der Himalaya.

Suaineabhal, unser Blickberg, ein karges Adlerheim. Sich jeden Tag wie ein Chamäleon wandelnd. Manchmal ganz im Nebel. Immer dominant. Und rund wie eine liegende Brust; mit Spitzchen. Das haben alle Berge hier, obendrauf ein Steinmännchen. Wir fotografieren ihn bei jedem Licht, allen Wettern. Heute morgen im Niesel: Regenwolkenschleier bis zum Boden; das Licht grandios. Nordlicht, Meerlicht. Wir saugen es ein. Trinken und trinken. Die Farbe des Meeres: türkis.

Neue Nachbarn heute, leben sonst auf Skye. Sie stammt von dort, ein Mädchen von den Inseln. Drei, vier Jahre älter als ich. Mit Hund – Spenster. Man könnte problemlos neue Freunde finden. Hier weit draußen. In aller Ruhe. Man braucht nicht viel sagen, nicht viel tun, lernt sich trotzdem ganz gut kennen.

9.7

Gallan Head


 
Nahe bei gibt es noch einen Delfin-Aussichtspunkt, der wie viele Tier-Beobachtungspunkte an der Küste mal eine Militärbasis war. Wir fahren hin im Wind, werden dort vom Wind gezaust und fahren zurück im Wind. Die Siedlung kurz vom Aussichtspunkt, wie aus einem Film. Der Militärschrott unübersehbar präsent. Prägt eine seltsame Atmosphäre. Können Kinderspielzeug und bunte Vorhänge nicht wett machen. Sehr Nord. Sehr Pragmatisch. Wir leben hier. So what?

Der Gallan Head Aussichtspunkt selbst – gespenstisch. Alte Bauten, zusammengestürzt oder zerstört, alte Kabel, tot hoffentlich. Als wäre ein Krieg drüber gefegt. Ich denke an die Bunkerkette der Normandie. „Danger – Mines!“ stand damals am Beton. Hier steht außen an einer Mauer geschrieben: Danger! High Voltage! Drinnen eine Graffiti-Grimasse.

Der Ort voller Vogelwächter, die uns auf Schritt und Tritt begleiten. Möwen und Austernfischer schimpfen: wegwegweg! Wir kämpfen uns vor bis an die windigen Klippen. Wir finden jeder für sich einen guten Sitzplatz auf dem grau-weiß-schwarz gesprenkelten Fels. Können uns nicht satt sehen. An der Weite, am Blau des Meeres. Am Flug der Basstölpel, Tauchen der Kormorane.

10.7.


 
Ein Tag Fährtenlesen. Ich schwärme aus: Wer frisst eigentlich all die Kaninchen? Fellreste, Pfoten, Wirbelsäule, Schädel, Hüftknochen… Liegt alles bunt verstreut herum. Ich sehe einen Bau, eine Fleischverpackung tief im Eingang. Wer wohnt hier? Spuren trotz des Regens vorher leider undeutbar. Der Sand schon wieder trocken. Regenpfeifer, Bachstelzen und Steinschmätzer warnen. Manche von ihnen bewohnen offenbar auch Kaninchenbaue und behalten mich im Auge, während ich fotografiere, notiere, zeichne…

Schnuppere und aufnehme: Duft der Wiesen. Frisches, grünes Gras, Blüten. Heublumen. Kräuter mit großen weißen Dolden wachsen hier, Orchideen (geflecktes Knabenkraut), teils blasslila, teils dunkelviolett – wie hängt das mit den Böden zusammen? Wir haben hier Torf, Humus, Sand. Bis heute der Boden meist rissig-trocken.

Draußen regnets, ich wälze meinen Naturführer und bestimme die Dünenflora: Strand-Hafer, Gras-Nelke, Sumpf! Sumpf! Sumpfdotter, Schaf, Schafgarbe, Gäns – Frauenmantel, Gänseblümchen, Kna-benkraut! Pissnelke, Orchidee, und Thy-mi-an. Hi Dear, Pfennig und Labber, Labber und Pfennig. Lab-kraut, Pfennig-Gilb-Weiderich!



 
Gestern kamen wieder neue Nachbarn. Aus Glencoe diesmal – später erfahren wir, dass es Landsleute sind. Expats aus dem Ruhrpott. Sie bauen ein cooles, tipimäßiges Spitzzelt auf. Haben wir vorher noch nie gesehen (danach hatten wir nochmal dänische Nachbarn mit so einem Zelt, aber ne Nummer kleiner und von einer andren Marke). Dass es Deutsche sein müssen, dachte ich mir beim Namen des Hundes: Momo. Sie schlafen darin im Kreis an der Zeltwand entlang. In der Mitte wäre Platz für ein Feuer, aber das machen sie nicht. Der Superhund wacht draußen. Muckst sich nicht, wenn die Tiere vorbeikommen, die hier zuhause sind. Entspannteste Familie ever. Heyho Leute, wenn ihr das lest: Schön euch kennengelernt zu haben.

Ein anderer Nachbar ist kaum zu sehen. Ein Minimalist. Rennrad, Biwaksack – fertig. Nur das mit dem Essenstransport sei ein Problem. Aber Taschen wie wir – er schaut auf unsren Hänger, die Packtaschen. „Bewundernswert“, sagt er (was meint er wirklich?) „Für sowas bin ich zu faul.“ Wir finden auch ihn bewundernswert. Mit seinen eher unpraktischen Anziehsachen und dem Schlafplatz unter der Uferböschung, die ihn nachts wie ein Dach schützt.

Wir packen im Niesel. Die Familie bleibt – wir winken einander. Bereit? Wir starten zum nächsten Wellenritt an Land. Next Stop: Bosta Beach.

 
 
 

E1R1 Profi Photo Award – wir sind auf der Shortlist

11. August 2018 von m&m | Keine Kommentare

Die Schönheit Europas – in Frankfurt? Na klar! Der E1R1 Photo Award will den Europa-Fernwanderweg E1/R1 bekannt machen und seine Vielfalt zeigen. Da E1R1 direktemang durch unseren Stadtwald führt, haben wir die dort entstandene Serie “Himmel und Erde” eingereicht. Und jetzt freuen wir uns sehr unter den 28 nominierten Serien zu sein! Hier gehts zur Shortlist: Klick.

Entschieden wird nächste Woche.
Wege, Europa – Hach! Drückt mal ganz fest die Daumen, ja?!

Für Himmel und Erde im Stadtwald




 

 
 
 

14. Schömberger Fotoherbst – wir sind dabei

8. August 2017 von m&m | Keine Kommentare


 
Ob es wieder Kürtös gibt wie vor zwei Jahren? Wir werden hinfahren, sehen – und berichten. Erst mal aber freuen wir uns sehr, wieder Teil des Schömberger Fotoherbstes zu sein. Unsere Reportage „Ich war ein Flughafen“ über das Arboretum Main-Taunus wird dort neben den Arbeiten der anderen Festival-Finalisten zu sehen sein.

Unser Beitrag zeigt einen idyllischen Ort mit dramatischer Geschichte: Unter dem Decknamen Schafweide legte die deutsche Luftwaffe 1937 im Taunus einen geheimen Fliegerhorst an, den Flughafen Eschborn. 1944 bombardierte die US-Armee den Platz, und nutzte ihn nach dem Krieg selbst. Später wurde er ziviler Güter-Flugplatz für die Post und das Technische Hilfswerk – die große Wende für den Platz jedoch kam durch den Frankfurter Flughafen. Die wütenden Proteste gegen die Startbahn West am Flughafen Frankfurt führten letztlich dazu, dass er in einen der schönsten deutschen Waldparke verwandelt wurde: Als Wiedergutmachung für den Kahlschlag im Frankfurter Stadtwald entstand das Arboretum Main-Taunus. Ein berückend schönes Kleinod mit einem alten Hangar als Herz. Uns gab dieser Ort den Impuls für ein längerfristig angelegtes Reportageprojekt über Arboreten.

Als erster Teil entstand die Serie „Ich war ein Flugplatz“, denn: das Arboretum Main-Taunus zeichnet sich durch seine faszinierende Geschichte und sein besonderes Konzept aus. Arboreten sind Gehölzsammlungen, die mit Stolz viele exotische Bäume zeigen. Auch so im Taunus, allerdings wurden hier Bäume und Sträucher so zusammengepflanzt, wie sie auch in der Mongolei, in Nordamerika oder Japan als „Waldgemeinschaften“ existieren. Als Besucher tritt man quasi eine Welt-Waldreise an. Als weißer Faden dient uns die Birke, die in Nordamerika ebenso wächst wie in China oder der Mandschurei. Die gepflanzten Exemplare zeugen von der großen Sortenvielfalt. Hängebirke, Papierbirke, Moorbirke… Natürlich beherrscht sie als Pionierbaum längst auch das alte Flughafengelände. Zwar ist der Zutritt für Waldbesucher verboten – aber möglich. Denn es ist ein längst nicht mehr geheimer Treffpunkt für Jugendliche aus dem Umland. Die Spannungsgeschichte eines Waldparks, der durch die Luftfahrt geboren wurde, die Nutzungsspuren von Mensch, Tier und Zeit sichtbar zu machen ist das Ziel dieser Serie.

Wer Zeit hat: Unbedingt hinfahren! Wegen der Ausstellung natürlich, um Inspirationen und Schwarzwaldluft zu tanken – und vielleicht gibt‘s auch wieder Kürtös…

Unser Beitrag zum 14. Schömberger Fotoherbst, dem internationalen Festival für serielle Reise- und Reportagefotografie vom 6. Oktober bis 4. November 2017:
 










 
 
 

Lieberger Liebste

30. April 2016 von m&m | Keine Kommentare

Wildtulpe #1
 
Lichtgelb, zierlich und frei von Streifen, Fransen oder was Züchtern sonst seit dem Barock so eingefallen ist – die Urfom der Tulpe ist einfach perfekt. Wie sie nach Gau-Odernheim gekommen ist? Warum sie sich vor vielen Jahrzehnten aus der Türkei kommend via Spanien, Italien und Österreich gerade hier zum größten Vorkommen nördlich der Alpen versammelt hat? Weiß niemand so genau. Vielleicht weil ein früherer Apotheker sie spezieller Eigenschaften wegen kultivierte. Oder weil der Lieberg einfach der Wildtulpen liebster Weinberg ist. Auf jeden Fall auch, weil die Pfälzer Winzer sie nicht mit Herbiziden ausrotten – darauf einen Lieberger!

Wildtulpe #2