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Aufstehn / Get up

23. Dezember 2016 von m&m | 1 Kommentar

English version below

Aufstehn

Als der Tag Tag war
und die Nacht sein Brunnen
Als die Brust Brust war
und die Zunge rosa und rau.
Als der Süden noch nicht geboren war
der große, trockene Süden
Als der Norden noch der
Spiegel der Sonne war
und ewiges Weiß
waren die Menschen noch jung
doch die Angst war schon da

Begann zu glüh‘n
erkaltete in der Schönheit
unserer Waffen
die Armbrust der Macht
blendet seither die Sonne
bricht Eos die Finger
brennt Angst zu Asche
in den Sperrfeuern der Nacht
Doch
noch immer
gilt Aufsteh‘n als Zeichen
Tag für Tag
Jetzt du!

 

– – –
 


Get up

When the day was a day
and the night its source
When the breast was a breast
and the tongue rosy and rough
When the south wasn’t born yet
the big, dry Sur
When the north still was
the mirror of the sun
and eternal white
humans were young
but angst already grew

Began to glow
and cooled down then in the beauty
of our weapons
The crossbow of power
blinding the sun ever since
breaking Eos’ fingers
burning angst to ashes
in the curtain fires of the night
But
standing up
still is a powerful sign
Day by day
And now: You!

 
 

Urban Landscapes: Fünf

9. Februar 2015 von m&m | Keine Kommentare

Nebel_#01

 

Fünf

Gott was für ein Licht!
Leitfeuer. Leuchtspur. Gepunktet.
O Glück!
Die Kreuzung so still
so tief – nebelzart
im Eishauch

2 Stunden noch
dann wieder Stoß und Stoß
Rot und Rot. Warten.
Warten. Warten.
Minority Report
War da was? Gestern?
Nacht im Kopf – Coffee to go
Voll heiß.
Voll kalt – Slow-Mo

Warte. Noch ist
Zeit.
Vereist die Bühne. Traumkalt, leer
zerwischt
Orangnes Leuchten
Urban stills
Memes all over

Guck. Die im Fenster
wie aufgezogen
Steht. Kaffee. Schicht
Dreht im eignen Rhythmus,
wie nie von dieser Welt.
Sortiert, ordnet, häuft
Brezel und Brötlich
ne andre
matscht im Nudelsalat
schabt, formt, pampt
so fort

2 Brücken weiter
Schlag auf Schlag. Ein Riese
Boden bebt
Metall blaut
rammt – tief ins Stadtherz – rafft
Main-Erde
rasselt, rummst, rockt
schlägt ab
häuft das Gebrock, dampft und schnauft

neongelb die Arbeiter
kurz angezuckt
vom Blau der Retter
…vorbei…
Mögen ihre Hände ruhig sein

 

Das Gedicht: Weiß

29. Oktober 2012 von m&m | Keine Kommentare

Weiß

dein Kleid war weiß
den ganzen Sommer lang
ein Kinderkuss, ein Flirrflug,
ein Blinzeln im Luftzug im
Sternnebel der Pollenlust.

Um ist das Spieljahr,
gefaltet das Kleid,
Unschuld zerfressen,
Glieder bloß.

Noch wehen
zwischen Blauflügel und Rotschnute
Wege aus Himmelerde
einbahnig
das Unterkleid aus Luftkammern
rippt im Lichtflug
das Gestern
Bruch auf Bruch.

Morgen, singt Wader,
Morgen, wenn alle Träume geträumt,
werde er wissen
woher das Gift in seinen Adern.

Sich bauschend derweil
das Kleid des Todes im
Staub der Tage
verweht, verschossen:
das Tanzkleid des
Sommers.

26. Oktober 2012
von m&m
Keine Kommentare

Poetry meets Gier, Maß, Alltag

„Today was national Poetry Day, what is your favourite Poem?“ Nationaler Gedichttag – welches ist euer Lieblingsgedicht? Fragte eine Freundin am 4. Oktober auf fb. Gedichttag? Was? Wann? Natürlich das „national“ übersehen. Sonst hätt ich zur Feier des Tags eines … Weiterlesen

Entrée: Lebensräume – Flugrouten

5. Juli 2012 von m&m | 1 Kommentar


 

Noch nicht da gewesen?
Hier ein paar Bilder und Texte unserer Ausstellung:

Früh

Zum See. Frühmorgens,
wenn die Stadt noch schmale Augen hat.

Die Ufer gesäumt
von Suchenden.
Die am Wasser sitzen,
Gedanken schwimmen
lassen,
austreiben, auswuchern,
passen.

Ich wusste doch nicht,
dass Städte sich verkleiden,
sie drauf angewiesen sind,
ihre Plätze tauschen manchmal und
sich wild und heimlich ausschütten vor Lachen.
Dass es so einfach wäre,
Du zu sagen.

Doch die Schwäne.
Heben sich und
tragen mich fort.
 

Unterm Rad

Wie es formt,
das tägliche Schaffen von Zukunft!
Den Stein ein wenig
weiter schieben dürfen.
So ein Glück,
ihn herabrumpeln zu sehn.
Sich einspieln, hochziehn –
immer rasanter hinab, geschickter die Züge hinauf.
Kette und Schuss,
40 mal 45 –

zähl nach.
Die Welt ein Lachen im Kompass,
bis die Nadel springt.
In einer Sekunde nur
alles gewendet, gestoppt,
auf Null.

 

Nachtflug

Ein Leuchten
im Lidschlag
des Monds
eine Lichtspange rafft
All und Rinne des Zufall.

Ein Aufglühn:
Verheißung, Gral, Sirius’ Sehnen.
Gebannt von undeutbaren Zeichen,
gebrannt vom Atem
der Hoffnung.
 

Raus
aus dem Pulsen der Stadt,
dem Wuseln, Wispern, dem Weiterweiter –
aus.

Rein. Einhalt, Einfalt
in Helios’ Blumenspiegel
bin ich leicht.
Dicht gepackt
zwischen den Blütenschnuten
summt die Timeline:
Parallelpendel,
Bienenbilder,
Falterfliegen,
Wespenmasken.

Im Blick der Wendesonne
wachsen mir gelbe Zünglein,
sprießen mir grüne Locken heiterkühl
und silbernes Stromhaar.
Im Herzen des Sommerfelds
bin ich
ich.

wird fortgesetzt (hier: Endspurt).

ausstellung lebensräume – flugrouten: 3.6. – 8.9.12
stadtkirche offenbach, herrnstraße 44
mo – fr 12-18 uhr, sa 11-13 uhr