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Urban Poetry: Uns

18. Februar 2015 von m&m | Keine Kommentare

Nebel_#02

 

Uns

Die Frühe. Die Straße. Nur uns.
Der Nachbarin, die zur Schicht eilt, der Schlaflosen,
dem Zeitungsmann, vermummten Radlern, Bauarbeitern – uns.

Die Bahnen ihr,
der dicken Schwimmerin.
Die im allmorgendlichen Ritualbad
sich treiben lässt. Ihr Glück
für eine Viertelstunde
la Reine, la Delphine! Nur Sie.
Textor zum Tag. Leicht, unbeglotzt, frei.

Die Fenster. Im Atem der Fremden.
Himmel löst Welt. Löscht Nacht. Im Nebel dunkler denn je.
Die Straße der Frühe.

Uns

 
 
 

Fotolyrics: Galaxity

3. August 2014 von m&m | Keine Kommentare

#01_Niederlande02
#10_Niederlande02
#05_Niederlande02
p9-2905
#08_Niederlande02
 

Galaxity

Endlich! Meine Silbermöwen
Niederhimmel voraus,
truppweis, augüber
immer hoch
über der struppigen Mähne segelnd

Hier! Landpferds, Sandpferds Grenzband
borderline
Abseits home
mit neuen Silberschuh‘n, am Abgrund
einer rechts, einer links,
einer gefallen

Ach! Zwei gerettet
im Zelthaus
und da: leben!
Im Schaukasten
Wie sich‘s gehört

#03 Niederlande02
 
Vorn das Meer und 30
drinnen Setzfach
chillen
Eier legen, weiß und türkis
draußen Spatzen
befreien das rosa Geranium von Läusen
dazwischen die Alben der Vormieter

Sag! was du willst
ich sammle Leuchttürme
Bild um Bild
in Tüten
lausch auf Knien
paarweis,
vielleicht sogar verliebt
im Wispern der Schmetterlinge.
 
#04_Niederlande02
#02_Niederlande02
#06_Niederlande02
#07_Niederlande02
#11_Niederlande02
 
 

Fotolyric: Red&Blue

13. Juli 2014 von m&m | Keine Kommentare

NL_#01
NL_#02
NL_#03
NL_#04
NL_#05


 

Red&Blue

Die sieben Himmel der See
und die sieben des Lands
Blau und Blau und Rot und Gelb.
Das Leben streifen
mit Strandsohlen, Moosgummiballen, Regenlidern
mit Mal so hungrig
so riesig, Großmutter wo ist dein Mohn?

Wo deine Erinnerungen?
Die unbeschwerten Rufe, Küsse, die
Lichterketten des Abends
Neuheit, Neugier wo?
Tour de Force durch all die Jahre
alle Windungen
Gleichnisse
als Marker gegen Schwenksicht

Und wir sehen, fühlen
unter der weißen Wüste das Bersten, die Katastrophe.
Ein Nachglühen wie zerrauschte Träume.
Schwelt es noch? Alles fort, Bäume, Büsche…
Wie die Vögel flohen!
Hier war es! Hier wütete die Blume des Feuers –
und für diesmal die Retter
eilten nicht in die schäumende See

Wie surreal die weißen Wolken! Wie froh!
Wir finden die Pfade, wir baden die Sohlen
In blauem Ruß
Und, wie alle, folgen dem Leuchten,
ziehen den achten Himmel
Nacht

NL_#06NL_#08
NL_#07
NL_#10
NL_#11

 
 

Die „Blume des Feuers“ ist ein Gedankensprung zu Cees Nooteboom

Das Gedicht: Weiß

29. Oktober 2012 von m&m | Keine Kommentare

Weiß

dein Kleid war weiß
den ganzen Sommer lang
ein Kinderkuss, ein Flirrflug,
ein Blinzeln im Luftzug im
Sternnebel der Pollenlust.

Um ist das Spieljahr,
gefaltet das Kleid,
Unschuld zerfressen,
Glieder bloß.

Noch wehen
zwischen Blauflügel und Rotschnute
Wege aus Himmelerde
einbahnig
das Unterkleid aus Luftkammern
rippt im Lichtflug
das Gestern
Bruch auf Bruch.

Morgen, singt Wader,
Morgen, wenn alle Träume geträumt,
werde er wissen
woher das Gift in seinen Adern.

Sich bauschend derweil
das Kleid des Todes im
Staub der Tage
verweht, verschossen:
das Tanzkleid des
Sommers.

26. Oktober 2012
von m&m
Keine Kommentare

Poetry meets Gier, Maß, Alltag

„Today was national Poetry Day, what is your favourite Poem?“ Nationaler Gedichttag – welches ist euer Lieblingsgedicht? Fragte eine Freundin am 4. Oktober auf fb. Gedichttag? Was? Wann? Natürlich das „national“ übersehen. Sonst hätt ich zur Feier des Tags eines … Weiterlesen

Das Gedicht: Nur Sein

15. August 2012 von m&m | Keine Kommentare

Wenn der nächste
Eissturm kommt,
weil die alaskanischen
Dämme schmelzen…

Wenn der nächste Blutsturm
kommt, weil die Angst
vor dem Nächsten immer
größer wird…

Wenn der nächste
Hirnsturm braust
durch dein Gesicht, bis du
im Spiegel dich nicht mehr kennst…

sich das Spielfeld krümmt
am Ende der Berechenbarkeit –
dann bleibt: nur Sein.

Endspurt: Lebensräume – Flugrouten

9. August 2012 von m&m | Keine Kommentare


 

Noch einen Monat läuft unsere Ausstellung in Offenbach. Ein paar Bilder und Texte daraus haben wir schon vorgestellt unter Entrée… – hier die Fortsetzung zum Reinschnuppern:


"Es ist"

Waldsee

Nimm die Birkenroute,
lies ruhig ihre Schriftrollen,
summ das codierte Lied der zarten Betula.
Folge dem Uferweg.
Hände und Füße im Waldfell
Kopf in den Wolken.
Tag um Tag.
Mit Mal wirst du die Glasschnüre sehn
im Frühlicht des Jahrs,
drin Hunderte schwarzer Samtperlen,
unterm Bernsteinblick der Eltern eingewirkt.
Eine jede ein pulsendes Wunder.
Ein Leben.

Es ist
nicht mehr da,
das unschuldige Aufwachsen
in grünen Kinderzimmern.
Und auch die Kinder nicht.
Aber dies Sehnen,
Verlangen nach
flirrendem Blattgold,
das Ruhe ins Aug fächelt.
Dem Lichterspiel winzigster Zellen,
dem Rauschen –
Wasser und Photonenströme,
dem Gurren der Frösche tief und
nicht von dieser Welt.
Finde die Feder.



 

Stehn bleiben

Warten.
Welche Farbe hat die Zeit?

Loslassen.
Denn: „es kommt natürlich vor,
dass man wirklich sprachlos ist.“
Pina.

Sie kämpfte, dass ein Ahnen beginne
ein Tanzen im Kopf.
Half den Nadelkissen im Hirn
zu singen, den Füßen zu malen,
schwerelos.

Aus Blau werde Licht
blitze der Wasserhimmel
in Tropfen.
Wirf, wirf die Kugeln ins
Schneckenohr, lass sie kollern
durch alle Windungen rennen,
bis weißes Gleißen
die Neuronnetze flutet.
Lachenden
Munds.


ausstellung lebensräume – flugrouten: 3.6. – 8.9.12
stadtkirche offenbach, herrnstraße 44
mo – fr 12-18 uhr, sa 11-13 uhr

 

Entrée: Lebensräume – Flugrouten

5. Juli 2012 von m&m | 1 Kommentar


 

Noch nicht da gewesen?
Hier ein paar Bilder und Texte unserer Ausstellung:

Früh

Zum See. Frühmorgens,
wenn die Stadt noch schmale Augen hat.

Die Ufer gesäumt
von Suchenden.
Die am Wasser sitzen,
Gedanken schwimmen
lassen,
austreiben, auswuchern,
passen.

Ich wusste doch nicht,
dass Städte sich verkleiden,
sie drauf angewiesen sind,
ihre Plätze tauschen manchmal und
sich wild und heimlich ausschütten vor Lachen.
Dass es so einfach wäre,
Du zu sagen.

Doch die Schwäne.
Heben sich und
tragen mich fort.
 

Unterm Rad

Wie es formt,
das tägliche Schaffen von Zukunft!
Den Stein ein wenig
weiter schieben dürfen.
So ein Glück,
ihn herabrumpeln zu sehn.
Sich einspieln, hochziehn –
immer rasanter hinab, geschickter die Züge hinauf.
Kette und Schuss,
40 mal 45 –

zähl nach.
Die Welt ein Lachen im Kompass,
bis die Nadel springt.
In einer Sekunde nur
alles gewendet, gestoppt,
auf Null.

 

Nachtflug

Ein Leuchten
im Lidschlag
des Monds
eine Lichtspange rafft
All und Rinne des Zufall.

Ein Aufglühn:
Verheißung, Gral, Sirius’ Sehnen.
Gebannt von undeutbaren Zeichen,
gebrannt vom Atem
der Hoffnung.
 

Raus
aus dem Pulsen der Stadt,
dem Wuseln, Wispern, dem Weiterweiter –
aus.

Rein. Einhalt, Einfalt
in Helios’ Blumenspiegel
bin ich leicht.
Dicht gepackt
zwischen den Blütenschnuten
summt die Timeline:
Parallelpendel,
Bienenbilder,
Falterfliegen,
Wespenmasken.

Im Blick der Wendesonne
wachsen mir gelbe Zünglein,
sprießen mir grüne Locken heiterkühl
und silbernes Stromhaar.
Im Herzen des Sommerfelds
bin ich
ich.

wird fortgesetzt (hier: Endspurt).

ausstellung lebensräume – flugrouten: 3.6. – 8.9.12
stadtkirche offenbach, herrnstraße 44
mo – fr 12-18 uhr, sa 11-13 uhr

 

Das Gedicht: Winter

29. Februar 2012 von m&m | Keine Kommentare

Yaxies hands #1

 

Winter

Die Dachrinne kahl,
bis auf ein Nest.
Drin zittern weiße Federn, noch vom letzten Jahr.
Wenn der Frühling kommt, wird dies das windige Zuhause
von ein paar Küken sein.

Kannst du sie hören?
Wand an Wand, das schützende Dach über euch
über dir
Nach Jahren auf der Flucht,
des Gehens im Sand
vom Kind zum Mann.

Des Singens, Aufbrechens, Suchens.
Beschimpft, bepisst werdens,
Umgeleitet, ausgenutzt werdens,
des…

Zuhören! Verdammt, ihr sollt endlich zuhören!
Recht für, nicht gegen,
Fluchtwege für Menschen freihalten, nicht
nur als Notausgänge für Banken.

Wem die Sohlen zu lange brennen,
dem brennen auch Hände und Zungen
Notausgänge fürs Erlebte
Freiräume des Denkens
manche kämpfen, manche beginnen zu singen

So wie Yaxie Yax,
nur älter, war Hilde Domin,
der in der Fremde Wasser geschöpft wurde,
die bleiben durfte,
die auch fern ihrer Mutter ihren Fuß in die Luft setzte,
es schmerzte, aber sie trug.

Ihr Nest im Dachrinnenzweig
Deins über den himmelblauen Geländern,
über den roten Teppichfalten..
Rot, auch wenn
Grün deine Lieblingsfarbe ist.
Werden wir tragen?

 

Yaxie ist Yahye

 

Mehr zu seiner Geschichte: Hier im Blog.