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Ausstellung: Die B-Klasse im Städel

2. August 2017 von m&m | Keine Kommentare

Fesselnd, trotz des emotionslosen Blicks, dieses Bubikopfmädchen auf dem Plakat „Fotografien werden Bilder / Die Becher-Klasse“. Dem Titel entsprechend sind Hilla und Bernd Becher nicht im Fokus dieser Ausstellung. Die Grafik an der Foyerwand des modernen Städelzweigs ähnelt einem Stammbaum, zackig zur Matrix werdend: Die Bechers an der Spitze. Begründer einer Dynastie. Die abzweigenden Linien führen zu neun wohlgehabten SchülerInnen.

In der Ausstellung zwar kein Wasserturm nirgends, aber dennoch frühe Becher’sche Leitplanken: Papierabzüge von Industrietoren, Fachwerkhäusern, Kohlesilos. Sehr schwarzweiß, sehr analog und auch sehr klein. Die Bilder ihrer Schüler anfangs noch ebenso analog, schwarzweiß – doch der bald kommt der erste Sprung ins Farbige und der nächste ins Digitale. Der noch gar nicht so lange her ist. Damit beginnt das Spiel mit der Wahrheit, dem Verschwinden der Doku, dem Dehnen und Größer- und Nochgrößerwerden.

Viel Langweiliges dabei, unter diesen berühmten Fotografien, die „international prägend“ waren, wie Kuratorin Jana Bergmann emotionslos vermerkt. Ein Großteil wirkt enttäuschend flach. Ob klein oder groß, schwarzweiß oder bunt spiegeln die meisten – über die Vorsätzlichkeit hinaus und in einfache Bildsprache übersetzt – ein gerüttelt Maß an deutscher, buchhaltérischer Leere.


 
Fotografien werden Bilder… Barbara Klemm sagt im Video zur Ausstellung ihrer analog schwarzweißen Fotos (die den Umbau der modernen Städelabteilung reportieren): “Die Bild-Komposition ist wichtig.” Sonst sei es Doku, aber kein Bild.

Einige der B-Klasse-Fotos aber sind stark über die schiere Größe hinaus: die vier Meter “Montparnasse” etwa von Andreas Gursky. Auch sein Panorama vom Gardasee. Im Bild “Passkontrolle”. zeigt er gar Humor. Noch witziger wird es in der Kombi mit dem Bild daneben, in der Lobby eines Großkonzerns aufgenommmen, wo am Empfang genau dieselbe Sorte Kontrollettis sitzen. Herrlich. Und auch schön: Candida Höfers Diaschau „Die Türken in Deutschland“. Dabei sind eigentlich große, menschenleere Räume ihr Markenzeichen. Bibliotheken, Hörsäle, Vortragssäle. “Ich dirigiere nicht gern”, gesteht sie im Museums-Video-Porträt. Und dass sie sich wohler fühlt, wenn da nicht so viele Menschen sind. Anfangs habe auch sie “noch ohne großen Aufwand” fotografiert. “Kleinbild und ohne Stativ”, schief manchmal.

Dann kam Technik. Kamen Großbanken als Auftraggeber für große Becherschülerbilder. Die in große Foyers passten und genügend monetäre Distanz ausstrahlten. Im gemeinsamen Video zur Ausstellung erklären Volker Döhne, Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth abwechselnd, worum es ihnen eigentlich ging: Konkurrenz zur Malerei. „Wenn das Bild größer ist, ist die Wirkung anders“, sagt Höfer … Dazu der verknitterte Ruff ganz cool: Vorher sei die Fotografie den Sammlern am Arsch vorbeigegangen, aber bei der Größe „konnten sie nicht mehr wegschauen.“ Think big. Think Geschäftsmodell.


 
Vor den Bechers habe es nicht die Präsenz dieser Fotografie im Bereich der bildenden Künste gegeben, führt Ruff weiter aus. Heute dagegen hätten wir „eine Situation, wo eigentlich alle ganz normal mit dem Medium Fotografie als künstlerisches Medium umgehen.“ Ist das so? Sicher, Fotografie ist allanwesend. Aber der bewusste Umgang mit ihr, die Lesbarkeit ihrer Inhalte, die Bildsprachkompetenz sowohl der Sender als auch der Empfänger – hat all das mithalten können? Wahrhaftigkeit. Wieder landen wir hier, wieder beim Höhlengleichnis von Ulrich Metzmacher.

Und beim nächsten Video, gedreht im Palmengarten. Wo Jörg Sasse über Schein und Sein nachdenkt. Er verwendet überwiegend Fundfotos, die er bearbeitet. Urheber: Sternwarte, Amateur (Nachlässe), oder er selbst, weil er manchmal auch “knipst“. Knipst? Einer der neun Becher-Schüler. Apropos Fotografie, Natur, Palmengarten. Dort sind gerade die atemberaubenden Bilder des GDT-Wettbewerbs um den Titel des Europäischen Naturfotografen 2015 zu sehen (aktuell wird der 2017er Wettbewerb für die erstmalige Präsentation beim Naturfotografie-Festival in Lünen vorbereitet). Sorry, aber für uns sind es diese Naturfotografen, bei denen – unter (ebenso?) großem Zeit- Fleiß- und Technikaufwand plus Know-how über Ort, Flora, Fauna, Wetter – Fotografien zu Bildern werden.
 
 

Die Ausstellungen:

Fotografien werden Bilder / Die Becher-Klasse
im Frankfurter Städel Museum noch bis zum 13. August, Eintritt 14 Euro

GDT – Europäischer Naturfotograf des Jahres 2015
im Frankfurter Palmengarten, Galerie am Palmenhaus, noch bis 27. August, Eintritt 7 Euro
 
 
 

Ferienlesestoff: Eddi Error von Anne Böhme

4. Juli 2017 von m&m | Keine Kommentare

Die erste Buchkritik war vernichtend: „Das muss alles neu geschrieben werden, man versteht ja gar nichts.“ Und ja, tatsächlich müsste das Buch komplett überarbeitet werden, richtete es sich an Kinder wie den vierjährigen Neffen der Autorin, dem daraus vorgelesen wurde.

Ja, eine Insiderinfo – und ja, ich gestehe, ich bin befangen: die Autorin ist mir nicht fremd. Habs mir trotzdem vorgenommen. Was ich bei Verrissgefahr bei Freunden wie Kunden eher umgehe. Doch, auch wenn Kritiker natürlich alles anders machen würden, und ich manchmal ganz gerne was verreiße, hier wars nicht nötig. Dazu (wieder mal) mein Lieblingszitat vom Godfather of Buchkritik Reich-Ranicki: „Liebe und Tod, alles andere ist Mumpitz!” Hier geht es eindeutig um Liebe. Zum Leben, den Kindern, der Familie – der Tod (der Robotertod) wird indes nur kurz gestreift. Geschrieben wurde der Kinderroman für ab Sechsjährige, doch auch für ab 30-Jährige ist er gerade richtig dick, kuddelmuddelig und fesselnd.

Für Leseanfänger gibt es durchaus Herausforderungen. Das Schlangenwort Aufräumroboter etwa ist zu bewältigen. Mit zunehmendem Geschichtsfaden wird das immer leichter fallen, denn es geht um eine traumhafte Sache: eine künstliche Intelligenz, die zum Familienmitglied wird. Zum Superkind sozusagen – oder viel mehr: zum Superkumpel.

Eddi Error ist genau das. Wie ein Haustier, nur dass er nicht auf den Boden pinkelt oder haart, höchstens mal Ölflecken produziert – und auch noch von den Kindern der Buchfamilie, Niels und seiner älteren Schwester Jule, lernt. Natürlich sind genau das oft die Stellen, an denen man sich auch als 30plus-Leser schlapp lacht. Etwa, wenn die Eltern einkaufen sind, und die Kinder in der Zwischenzeit die Küche aufräumen sollen. Zu dritt macht das gleich viel mehr Spaß, also wirft irgendwann Jule beschwingt einen Lappen quer durch Küche in die Spüle. Das checkt Eddi sofort als neu Gelerntes ein – und wirft ebenso schwungvoll die Teller hinterher…. Oioioi, schnell raus aus der Küche!

Klar, dass Mama dann gleich die die Nase voll hat von diesem blöden Ding: Krümel an den Füßen und auch noch Scherben auf dem Fußboden – toller Aufräumroboter, der mehr Arbeit macht als wegschafft. Als sie fertig ist mit Schimpfen sitzt Eddi am Boden, zischt – und trifft Mamas Herz. Kränken wollte sie ihn ja nun auch nicht…

Eddi ist Fiktion, aber er hat Vorbilder. In Wien wuselte vor zwei Jahre testhalber der Aufräumroboter Kenny durch einen Kindergarten. Macht Sinn. Denn: das größte Chaos herrscht im Kinderzimmer. Manchmal wächst es auch darüber hinaus, wie jedes Elternpaar auch ohne Forschung weiß.

Anne Böhme schreibt über Dinge, die Geschichten in sich haben. Sie entwirft eine Welt voller lebendig-liebenswerter Figuren – wie Araad, den Freund von Niels, die Flohmarkthändler Ilse und Otto, oder den Erfinder Lopez. Eine Welt, die aber nicht lieblich, und nicht ohne Gefahren und von Susanne Göhlich wunderbar illustriert ist. Fein für weit Unter-30-Jährige ist natürlich, dass es meist die Kinder sind, die darin die zündenden Ideen haben.

Da der Roboter auf verschlungenen Wegen in die Familie kam, ist das 192 Seiten starke Buch auch ein Krimi, weshalb die Herkunft des blechernen Kerlchens hier nicht verraten wird. Jedenfalls nicht die im Buch. Die im wirklichen Leben stammt mitten aus der wirklichen Familie der Autorin – ihr Sohn Ben hat ihn als erster gezeichnet. Die gelben Lampenantennenkugeln, seine Idee. Tatsächlich hat Eddi Error eine Weile in der Familie gelebt, bevor er dann ins Buch ging. Das weiß ich aus sicherer Quelle: von der Autorin selbst. Kurz: feiner Sommerferienlesestoff!
 
 

Anne Boehme: Eddi Error – Unser Roboter krempelt alles um.
(Illustration: Susanne Göhlich)
Thienemann−Esslinger, Stuttgart
192 S, 14,99 Euro
 
 

Fotografie als Waffe? Neues Canon-Makro im Test

29. Juni 2017 von m&m | Keine Kommentare

Im Test: Canon EF-S 35mm f2,8 Makro –
featuring Roland Günter und Andreas Feininger

Dem überraschten Fotohändler diktierte Pat eine Objektivbestellung. “Gibts doch noch gar nicht”, wandte der ein. Egal, bitte vorbestellen, insistierte Pat – damit wir dann auch wirklich eins kriegen. Brandneu!
Einige Wochen vorher fiel mein Blick eher zufällig auf einige uralte Bücher, schon so lange im Regal, dass man sie gar nicht mehr sieht. “Die neue Fotolehre” von Andreas Feininger – Pat packte sich ein zweites obendrauf: “Fotografie als Waffe” von Roland Günter. Staubalt.
Hier Pats Lese-Funde und Makro-Befunde:

Andreas Feininger: Schöpferische Fotografen sind Künstler im wahrem Sinne des Wortes. … Sie bilden die Avantgarde der Fotografie. Sie sind gewöhnlich zäh, hartnäckig und eigensinnig. Ihre Arbeit ist stets anregend, oft zum Widerspruch reizend und für Leute mit konservativen Einstellungen gelegentlich schockierend. Sie folgen keinen “Regeln” und respektieren keine “Tabus”. (1)


 

Die Optik ist klein, leicht, handlich und gut verarbeitet. Es gibt ein cooles LED Hilfslicht in zwei Helligkeitsstufen und einen Bildstabilisator. Der Preis liegt bei 430 Euro.

Roland Günter: Gerade Arbeiter haben eine ausgesprochen entwickelte visuelle Kultur: Sie benutzen sehr intensiv ihre Augen zur Herstellung von Industrieprodukten – an der Werkbank, an der Maschine und zu Hause. Arbeiter gehen ständig mit Menschen um. (2)

Günter zitiert Karl Marx: Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts anderes, als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle. (3)



 

Mit einer Brennweite von 35 mm für APS-C liefert sie eine klassische Normalbrennweite auf Kleinbild übertragen (56mm). Für eine Makrooptik ist sie erfrischend kurzbrennweitig, das heißt: mehr Umfeld. Ich finde sowas schön. Maßstab 1:1 geht – und der kürzeste Abstand von der Frontlinse zum Objekt beträgt 3.5cm. Ziemlich gut.

A.F.: Dieser Schaffensdrang ist die Voraussetzung, daß große Fotos entstehen. Es ist der Wille, es immer und immer zu versuchen, um es noch besser zu machen, jedesmal hoffend, dem näher zu kommen, was man sich vorgestellt hat. Darum vergrößern manche Fotografen ein Negativ zwanzigmal hintereinander, bis sie eine bestimmte Eigenschaft oder eine bestimmte Wirkung Herausgearbeitet haben. … Seinem Wesen nach auf die Zukunft eingestellt, glaubt der schaffende Künstler bewußt oder unbewußt, daß sein Werk zur Verbesserung der Menschheit beitragen werde. Und mir scheint, daß jeder, in dem ein schöpferischer Drang lebt, die Pflicht hat, diesem Drang in seiner Arbeit zu gehorchen, wie schwer ihm das auch fallen mag, und seinen Beitrag zum kulturellen Erbe der Menschhheit zu leisten und sei dieser auch noch so klein. (4)



 

Wenn man richtig nah dran ist, wirft die Kamera meist ungünstige Schatten – genau dann ist das LED Hilfslicht richtig knuffig. Licht von links, Licht von rechts oder mittig… Lässt sich wunschgemäß schalten – geht aber auf den Akku.

Und dann gibt es noch diesen Bildstabilisator. Laut Canon soll der vier Blendenstufen bringen. Tja. Da ist nicht viel dran. Aber Makro mit Stabi ist schon besser als ohne.



 

R.G.: Das Medium Fotografie ist ein Mittel, ein Thema in eine Ebene zu heben, in der das Selbstverständliche zugleich selbstverständlich bleibt und nicht mehr selbstverständlich ist: es wird Gegenstand zum Nachdenken, zur Reflexion, zur Problematisierung. Erst dadurch kann es auch für Veränderungen und Entwicklungen interessant werden bzw. diese auslösen. (5)

Eine feine Allrounder-Optik für immer-dabei und gleichzeitig ganz nah ran. Wir finden sie Klasse. Noch? Die Bildqualität ist gut – gehört sich auch so in der Preisklasse, der Autofokus ist sehr gut, eigentlich. Eigentlich, weil der Schwenk von von ganz nah dran auf unendlich nicht klappt – da muss man Hand anlegen und Hilfestellung leisten.



 

A.F.: Von nun an liegt es beim Leser, wohin er gehen und wie er dorthin kommen wird. Niemand kümmert sich darum, welche Mittel er verwendet. Wenige nur kennen seine Persönlichkeit. Aber Millionen können an seinem Schaffen teilhaben. Entscheidend ist allein dies: Wenn das Werk ehrlich und wahrhaftig ist, wenn es etwas zu sagen hat, und wenn es irgendwie dazu beiträgt, daß die Menschen sich und andere, ihre Umwelt und die Welt besser verstehen – welchen Unterschied macht es dann, ob ein Werk mit Pinsel und Farbe auf der Leinwand entstand, mit Meißel und Schlegel in Stein, mit Worten auf Papier – oder mit der Kamera. (6)

Was daran ist alt? Die Neue gehört jetzt dazu, als ein weiteres Mittel des Verstehens. Wahrhaftig.

 

Die Zitate stammen aus diesen Büchern:

Andreas Feininger: Die neue Fotolehre, Düsseldorf/Wien 1973
(1) S. 24, (4) S.43/ S.44, (6) S. 418

Roland Günter: Fotografie als Waffe – Geschichte der sozialdokumentarischen Fotografie, Hamburg/Berlin 1977
(2) S. 10, (3) S. 138, (5) S. 143

 
 
 

Fotofestival Wiesbaden 2017: mit unserer Serie Dementia Road

31. Mai 2017 von m&m | 2 Kommentare


 
Acht Bilder für acht Buchstaben: DEMENTIA – damit sind wir eine Facette von Insight, dem Grundthema der Wiesbadener Fototage 2017. Gestern abend die Email: „Wir freuen uns Ihnen mitzuteilen…“ Und wie! Wir uns freuen!

Insight – Einblick nehmen, gewähren, aufzeichnen. Das war Ziel unserer Serie Dementia Road. Einen Zustand in Bilder fassen, der uns immer wieder an den Rand von Wahrnehmungskraft und Fassung bringt, und dennoch ausgehalten werden muss. Seit einigen Jahren leidet meine Schwiegermutter unter Demenz. Sie sagt: „Es ist, als wäre da ein Schwamm vor meinem Gesicht“. Wir wohnen drei Autostunden entfernt – wenn wir zu ihr fahren, wird die A3 zur Dementia Road. Dieses Mitfühlen ist beklemmend: Wie mag es sich anfühlen, nicht mehr zu wissen, wer man ist und wo. An einem ihrer letzten Geburtstage verwandelten sich die an unserem Auto vorbeiziehenden Schemen auf mystische Weise in Repräsentanzen ihrer schwindenden Erinnerung. Der Schwamm saugt alles auf.

Die Nebelkälte draußen entsprach unserer inneren Beklemmung. Wie sie sich verzweifelt mühte, die Teile zusammenzusetzen. Je mehr, desto vergeblicher. Furchtbare Denkschleifen, in denen sie hängenbleibt. Schlimm für sie selbst, für uns und für jene, denen wir davon erzählen. Die meisten schrecken zurück. Wollen lieber nichts hören. Als sei Demenz ansteckend. Die Angst davor ist es.

Eröffnung der Fototage: 26.8. um 19 Uhr im Kunsthaus Wiesbaden
Schwalbacher Str. 53, 65183 Wiesbaden – Vernissage mit Musik von ROBERT LUCACIU bass/Composition/cello, Eintritt frei.

Diese Bilder hängen vom 26. August bis 10. September im Wiesbadener Ministerium für Wissenschaft und Kunst:

 
 

Bild des Monats: März 2017

2. April 2017 von m&m | 2 Kommentare

Essen, 11. März 2017


 

Kant auf Kante

Trotz gebrochner Beine, der Glastisch spiegelt noch immer
was heute und morgen blüht
Von gestern gleichwohl weht kühler Atem aus einer mundgeblasenen Zeit.
Auf der Fensterbank zwei modrige Kugeln
Wie sie einst glänzten, die Perlen eingeschlossner Luft,
Ein Atmen
Aus Atmen

Als könne man das Leben anhalten
Als könnten wir anders als weiter und weiter gehn
Aber hoffen, wir hoffen doch
Hoffen gesehen zu werden, eine Hand zu spüren
Als gäbe es kein Ende und doch sind die Züge, die Lebenszüge gezählt.
Am Ende befreit vom
Festhalten der Dinge, vom Verlust der Ordnung
Einatmen, ausatmen

Hervor kam das Kind, den Teddybären im Arm
die Kinderseele, offenen Munds.
Sein Lächeln, eine feste Fadenlinie der Zuversicht.
Tröstung aller pflegenden Hände
Spürfaden zu deinem Mann

Wir hielten Blumen und hielten den
Glasatem der Zeit
Deiner Zeit, der unseren sich mehr denn je entfernend
Sahen dich, auch dich in den Ahnenkronen den Weg suchen.
Mit den Erinnerungen ziehen, deine Finger zum Abschied berührend
Das Verschwinden der Welt

Auf deinem letzten Laken zarte Blüten
Draußen der Vogelzug, drin die Jahrende
Ein und aus