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Bin denken

6. Februar 2017 nach m&m | 2 Kommentare

Kleiner Denker
 
Die Zeit, ein Gefängnis? Nabokov schrieb: „Anfangs merkte ich nicht, dass die Zeit, die anfangs so grenzenlos scheint, ein Gefängnis ist.“ Steht in der Einleitung seines Buchs Erinnerung sprich. Als Kind sei die Zeit ihm noch wie eine Ewigkeit vorgekommen. Und schon hab ich mich festgelesen. Dabei wollte ich nur noch mal eben reinschauen, bevor ich das Buch, das vor mehr als zwanzig Jahren leihweise bei mir gelandet ist, wieder zurückgebe.

Damals erschien auch mir die Zeit noch wie ein Meer, in das man sich stürzen kann. Wir hatten Langeweile damals, drei Wochen Ferien am Stück. Wir bastelten Dinge aus Strandgut ohne Workshops zu besuchen. Selbst wenn es diese schon gegeben hätte, wären wir niemals auf die Idee gekommen, unsere oder die Kreativität unseres Kindes anleiten zu lassen. Ein Artikel dauerte mindestens zwei, besser vier Wochen – und ebenso lange brauchte ich, mich davon zu erholen. Ich konnte ihn dann fast auswendig.

So viel Zeit ist schon lange nicht mehr für einen Text. Kollegen würden mich unprofessionell schimpfen, so lange wie das bei mir immer dauert und wie viel ich recherchiere, auch wenn ich nur ein Xtel davon brauche. Muss sich ja rechnen alles. Am Ende des Tages also Kassensturz oder in Schönheit untergehen. Ich halte es mit Woolf. Wie vertraut war mir diese Szene aus dem Film „The Hours“ (Von Ewigkeit zu Ewigkeit), als Virginia die Treppe herunterkommend zu ihrem Mann sagt: „Liebling, kann sein, dass ich jetzt den ersten Satz habe.“

Aber zurück zur diesem rotbraunen Buch mit dem intellektuell schwarzen Rand oben und der silbernen Schrift: Erinnerung sprich. Doch, ich gebe Bücher zurück, und es dauert sonst nie so lange. Echt. Bei Nabokov lags am Scheitern einer Ehe und dem darauffolgenden Verschwinden der Besitzerin aus meinem Lebensfeld. Und dann Jahre später, war ausgerechnet facebook der virtuelle Ort, an dem die Besitzerin und ich uns wiederbegegneten. Und auch noch ausgerechnet bei einer Diskussion auf der Timeline ihres Ex.

Die Timeline, ein Gefängnis? Nabokov war 67, als er das Buch geschrieben hatte. Noch elf Jahre von seinem Tod entfernt. Was mag er später über diesen Satz gedacht haben? Was denkt man, wenn der Tod in die Ritzen des Hirns kriecht? Wenn der so nahe rückt, dass man weiß: man ist die Nächste. Nur wann weiß man nicht, jedenfalls nicht, wenn man dem Tod die Zeit überlässt. Geht Denken dann noch? Wenn ja, wie?

Denken, braucht Zeit und den Dialog mit sich selbst, Hannah Arendt hat das gesagt. Von Trotta zeigt in ihrem Spielfilm über diese Denkerin so wunderbar, wie das aussehen kann: Allein. Im Zwiegespräch mit sich selbst, rauchend auf dem Sofa. Augen geschlossen oder in die Ferne blickend. Auf einen Ort, der sowohl innen als auch außen sein könnte. Und es ist still um sie. Kein Radio, kein Fernseher. Klar, ein Film das, und aus einer Zeit ohne Dauerberieselung aus Medien- und Sozialkanälen. Aber es sieht richtig aus.

Denken heute? Seh schon die Titelzeile Denken 4.0. Wie als ob. Wir eingestöpselt wären und die Denkspiralen interaktiv glühten. Einsam sein. Gilt heute als Manko. Da hat jemand gelost, ist so komisch, ein Freak oder kann nicht sozial. Dabei braucht doch auch der moderne Mensch den Fokus um Denken zu können. Muss Fragen stellen, verdammt gute, ordentlich durchdachte Fragen. Davon werden die Antworten abhängen. Vom Fokus.

Vom Festhalten. Auch am Respekt. Obama drehte auf, übertönte bei einer Wahlveranstaltung seine Anhänger: Hey, hey, hey! Hold up! Focus! Focus!, als sie einen Trump-Fan bepöbelten, statt nachzudenken. Vielleicht das Beste, das Trump anstößt. Dass die Leute wieder wild herumdenken. Schade, dass es nicht vorher schon losging, aber vielleicht ist auch das ein Effekt der Moderne. Dieser Überdruss. Dieses Ferngesteuertsein.

Was will der moderne Zeitgenosse denn noch selber tun? Hemden Bügeln? Nö. Pfandflaschen zurück? Putzen? Auto waschen? Rausgehen? Kochen? Alles Nö. Dienstleister oder Roboter ahoi. Biste nicht mehr weißt, wie‘s geht. Wo war noch mal der Knopf für den Nebelscheinwerfer? Wie kriegt man nochmal raus, ob was wahr oder falsch ist? Ah – die Lügenpresse! Und jetzt so viel Protest. Wahrscheinlich derer, die sowieso den Mund aufmachen. Die anderen schweigen und finden: Der Trump hat recht. Weil sowieso alle Politiker link sind. Lügenpolitik!

Oder um nochmal Arendt zitieren – und zwar das aus einem wunderbaren Essay von Kai Strittmacher, in dem er über die aktuelle Gedankenfreiheit in China und den USA nachdenkt: „Wenn dich jeder immerzu anlügt, ist die Folge nicht, dass du die Lügen glaubst, sondern vielmehr, dass keiner mehr irgendwas glaubt.“ („Hirsch und Pferd“ SZ vom 2.2.17) Verblödung ist das Ergebnis. Ferngesteuerte Verblödete, die sich in totalitären Regimen bestens linken lassen. Dann aber, dann ist Zeit wirklich ein Gefängnis.

 
 
 

Licht auf Asphalt

27. Januar 2017 nach m&m | Keine Kommentare



 
Ob gegossen oder gewalzt, recycelt oder gerade gemixt – frisch aufgebracht riecht Asphalt streng nach Arbeit. Dann dampft er und glänzt glatt hinter den Arbeitsmaschinen. Sobald die Baustelle verschwunden, das Straßenband wieder befahrbar, schaut niemand mehr hin. Dabei ist Asphalt ein permanenter Hingucker… Bedeckt dreiviertel der deutschen Straßen, ist einfach immer und überall.

Wem die Zunge nicht brennt, dem brennen die Sohlen, schrieb Herzog. Die nackten Füße auf der Straße, so habe ich früher Städte erobert. Doch dass Asphalt, der sich an den Nähten so angenehm weich und glatt anfühlte, ein Naturprodukt sein könnte, darauf wäre ich nie gekommen. Früher nur, heute natürlich wird er synthetisch zusammengemixt oder recycelt…

Früher nannte man ihn Erdpech oder Bergteer, es gab Vorkommen in der Schweiz und in Deutschland, der teuerste aber stammte vom Toten Meer aus Syrien. Schon vor 2700 Jahren haben die Menschen verstanden, damit Dächer, oder Fässer wasserdicht zu machen.


 
Nachvollziehbar. Und wie immer, wenn man in Archiven blättert fühlt sich die Moderne gleich weniger modern und innovativ an. Asphalt nämlich hat viel mehr zu bieten: er wurde mit Bitumen zum Balsamieren von Leichen verwandt, was zum Begriff Mumie geführt hat. Und der beste, syrische Asphalt ist sogar lichtempfindlich. Joseph Nicéphore Niépce wusste das. Trug ihn 1826 als feinen Lack auf – und noch heute staunen wir über den banalen Ausblick aus seinem Arbeitszimmer, also über die älteste noch erhaltene, mit Asphalt belichtete Fotografie.

Dem gemeinen Straßenasphalt darf man das nicht abverlangen, doch auch er kann was. Streetart allemal: Sommerweich nimmt er gern Verlorenes an – Platinen, Kabel, Schrauben oder Messer – LKW-Reifen sorgen für Fixierung und Glättung, die Nacht für Abkühlung und Beständigkeit… Seitdem wir das im Fokus haben, finden wir – ganz en passant – die rätselhaftesten Stillleben des Unterwegsseins.



 
 
 

Sterbende Sterne

15. Januar 2017 nach m&m | Keine Kommentare

 
Sie bewegten sich noch und waren dennoch nicht zu retten. Es war unser zweiter Urlaubstag in Egmond aan Zee und es war eine apokalyptische Szenerie. Ebbe. Düsteres Nebellicht. Tausende sterbender Seesterne.

Abgesehen vom Grollen der See war es still… Keine Möwe weit und breit. Die Menschen am Stand stapften um die Seestern- und Muschel-Teppiche herum – nur nicht auf die Tiere treten. Als sei gerade ein Atomkrieg ausgebrochen oder wir auf Keppler 22b gelandet.

Anfangs hoffte ich, die Flut würde sie allesamt wieder mitnehmen und dann: „Alles gut“. Tja. Landratten-Seelenschmus. Genau wie die „Rettungsaktionen“ von Touristinnen, die noch lebende Stachelhäuter zurück ins Meer trugen. Die holländische Familie, die ihre Kinder aus den Toten ein Herz formen ließ, war zwar die Ausnahme, aber dafür krass herzlos. Typisch dagegen war bestimmt die Frage einer Deutschen, ob da wohl Gift im Meer ausgekippt worden war? Ich selbst dachte an Klimawandel und fürchtete um die Seesternpopulation… Ja, ja. Wir Ökos.

Also, eine örtliche Zeitung gekauft. Die machte das Pech der Strandgutsucher zum Aufmacher: Nix zum verticken für die jussers, nur Seesterne weit und breit. Brachte dann aber doch auch eine Erklärung und packte eine schöne Grafik der Wasserbewegungen am Boden der Nordsee dazu. Das käme alle 15-20 Jahre mal vor, las ich. Bei niedrigen Wassertemperaturen würden die Tiere taub, könnten sich nicht mehr am Boden festhalten und würden an Land gespült. Niedrige Temperaturen? Hatte es gar nicht gegeben. Für Ende Dezember war es relativ warm.

Zurück zuhause gab das Internet zum Thema folgendes her: Auf Sylt waren letztes Jahr massenhaft Seesterne angespült worden, las ich in einem Online-Artikel von Spektrum. Dort heißt es, dass Seesterne, die gern in großen Gruppen Muschelbänke abfressen, bei niedrigem Wasserstand trockenfallen, sterben und an Land gespült werden. Nach Meldungen holländischer Medien hatte es 2013 schon mal massenhaft tote Seesterne gegeben und 2016 war es sogar schon das zweite Mal – so viel zu „alle 15-20 Jahre“…

Auch die Netzfrauen nahmen sich des „Massensterbens“ an und zitierten einen Experten:
Laut Arthur Oosterbaan von Ecomare kommt es oft vor, dass Seesterne in so großer Zahl angeschwemmt werden. „Es ist das zweite Mal in diesem Jahr und es passiert jedes Jahr,“ so Oosterbaan am 28. Dezember 2016 in in rtvnh.nl.. Die Kombination von starken Winden und die niedrigen Temperaturen des Meerwassers haben dazu geführt, dass massenweise tote Seesterne angeschwemmt wurden. Sie lösen sich vom Meeresboden, und weil die kalten Temperaturen nachgelassen haben, fehlt ihnen die Kraft und sie werden durch die Meeresströmungen an den Strand gespült, erklärte Oosterbaan. …

„Und weil?“ Was? Ich klickte auf den Link, las dann noch andere niederländische Meldungen und kapierte nur: alle beteiligten Journalisten haben voneinander abgeschrieben und irgendwas recycelt.

Dear Arthur Oosterbaan, was ist wirklich passiert? Fragte ich per Email und erhielt folgende Antwort. Üblicherweise suchen Seesterne, die in Küstennähe leben, tiefere Gewässer auf, wenn im Winter die (Wasser-)Temperaturen stark sinken. Da jedoch diesen Winter (wie auch manche davor) die Temperaturen mild waren und das Seewassers nicht besonders kalt, seien die Seesterne im seichten, sandigen Küstenbereich geblieben – wo sie sich allerdings wenn Winterstürme kommen, nicht gut festhalten können. Als Sturmtief Alexander Ende Dezember für ordentlich Wellengang sorgte, war das Ihr Pech: er sie riss sie mit und warf sie an den Strand.

Ja, man habe ihn „nicht immer richtig zitiert“, bestätigt er gelassen meine Vermutung. Ob sich für die Tiere gerade prinzipiell etwas ändere? „Feines Forschungsthema.“ Aber, die armen Seesterne?! „O – no problem!“ Den Bestand gefährde das nicht. Nur Seesterne in seichten Gewässern sind betroffen. Und das komme immer mal wieder vor, ob warmer oder kalter Winter. „End of Story.“
 

 
 
 

Bild des Monats: Dezember 2016

11. Januar 2017 nach m&m | Keine Kommentare

Sterbende Seesterne, Egmond aan Zee (NL) 2016

Urlaub an der See! Als wir am 27.12.16 in Egmond ankamen freuten wir uns, am Strand einen Seestern zu entdecken. Dann noch einer und noch einer… Tags drauf wurde klar dass sie massenhaft anspült wurden. Teppiche mit hunderten Tieren, die sich noch bewegten. Einmal an Land haben sie keine Chance, wieder ins Meer zu gelangen und zu überleben. Entlang der gesamten nordholländischen Küste wurden in dieser Woche tausende Seesterne und Muscheln angespült. Ein apokalyptischer Anblick. Sobald ich mehr weiß, wird es noch einen Text dazu geben.

Aufstehn / Get up

23. Dezember 2016 nach m&m | 1 Kommentar

English version below

Aufstehn

Als der Tag Tag war
und die Nacht sein Brunnen
Als die Brust Brust war
und die Zunge rosa und rau.
Als der Süden noch nicht geboren war
der große, trockene Süden
Als der Norden noch der
Spiegel der Sonne war
und ewiges Weiß
waren die Menschen noch jung
doch die Angst war schon da

Begann zu glüh‘n
erkaltete in der Schönheit
unserer Waffen
die Armbrust der Macht
blendet seither die Sonne
bricht Eos die Finger
brennt Angst zu Asche
in den Sperrfeuern der Nacht
Doch
noch immer
gilt Aufsteh‘n als Zeichen
Tag für Tag
Jetzt du!

 

– – –
 


Get up

When the day was a day
and the night its source
When the breast was a breast
and the tongue rosy and rough
When the south wasn’t born yet
the big, dry Sur
When the north still was
the mirror of the sun
and eternal white
humans were young
but angst already grew

Began to glow
and cooled down then in the beauty
of our weapons
The crossbow of power
blinding the sun ever since
breaking Eos’ fingers
burning angst to ashes
in the curtain fires of the night
But
standing up
still is a powerful sign
Day by day
And now: You!

 
 

Friday Night (der 13.)

13. Dezember 2016 nach m&m | Keine Kommentare

 

Städte eroberte ich am liebsten barfuß
es gab noch Regenwald damals
ich trug Kamelhaar und Baum-ab-nein-Danke Buttons, rasend
vor Eifersucht auf die kleine Schwarze in deiner Hand

Das Leben außer sich schien leicht, Transzendenz
kein Ding
Sie leuchtete allabendlich nach
den sinologischen Etüden vor dem
Daunenschein eines gigantischen Federbetts
Im Rahmen nichtender Blicke aus dem
Philosophicum

Komm, hieß es damals, Komm, gurgle mit Wasser dir,
betrachte meine Vorlieben als deine
verwischtes Mantelrückendu
Nicht vor dir nicht nach dir

Brücken nahm ich nur halb, starrte in den Wassermund
aufs rituelle Messer ein einziger Schnitt
wie der Schächter durchtrennt
Speiseröhre, Luftkanal, Aderschlag.

Jetzt! Muss ich gedacht haben, Jetzt!
Kenn sie nicht mehr, jene, die sprang
Was hatte ich mir vorgestellt?
Rasend die Angst, als öffneten sich die Adern
von selbst
Als sänke ich ins viel und nichts.

Gehäutet zurück. In Myrrheschwaden gehüllt
Oh Paris!
Und Afrikas Trommler auf dem Markt von Colobane.
Erzähl, Geist der weißen Ziege, tröste die Männer mit
trocknem Schlag, die Frauen mit
Liedern wie Samenkapseln
rot und braun

Ich kaufte Glasperlen
Duftete nach Trance auf dem Vogelmarkt
und kehrte zurück zu dir, den himbeerroten
Lichtern deiner Stadt, zum Asphalt
deiner Bilder,
barfuß.
 

 
 
 

Hard Rain: Dylan und Druff

11. Dezember 2016 nach m&m | Keine Kommentare

Weiß wirklich nicht, weshalb sich alle so über den Nobelpreis für Dylan und Dylan als Nobelpreisträger aufregen. Finde, er hat einen hervorragenden Kompromiss geschlossen und sogar ohne ein Wort deutlich gemacht, dass es auch nobeleske Frauen gibt. Sich zu verweigern ohne sich komplett abzuwenden, Diskussionen anzustoßen ohne das Wort zu führen, poetisch konsequent bis ins Mark zu reagieren – Hey, was wäre literarischer?

Und was zeitangemessener? Denn zeitgemäß ist die ganze Nummer ja Brechtseidank nicht. Eher Hard-Rain-Stuff. Zeitgemäß ist, seinem Partner eine Rastaus-Zeit zu schenken, ein Hotelzimmer zu mieten, indem er/sie alles kurz und klein schlagen kann. Die Superidee stammt, woher wohl, aus USA. Genauer aus Texas, wo in Anger-Rooms seit etwa acht Jahren Sperrmüll mit Lust zu Kleinholz pulverisiert wird – seit kurzem kann man sich auch dabei filmen lassen. Interessantes Material, nehme ich an. Wäre sicher gut für eine Runde Selbsterkenntnis. Aber darum geht‘s nun eher nicht. Das Rumms und Poff soll entlastend und stressmindernd wirken. Nach der Wahl von Trump sollen die Buchungen in den USA in die Höhe geschnellt sein, schreibt Claire Martin in ihrem Artikel zum Thema für die New York Times Wochenendbeilage.


 
Aber es gibt das ja auch hier in Deutschland. Aus verlässlicher Familienquelle habe ich auf mein „Warum macht man das denn?“ die unbekümmerte Antwort erhalten – das sei in und mache einfach Spaß. Die Times Journalistin hat einen Psychologen gefragt, nach dessen Äußerungen die Ausrastzeit eher kontraproduktiv ist. Für Stressabbau empfiehlt er daher Verhaltensschulungen, die auf Achtsamkeit basieren, oder Meditationen. O-kay, aber wie langweilig hört sich das denn an?

Der Hinweis auf diese, sicher den Geisteszustand besser fördernden, Übungen wird ebenso wenig nutzen, wie Kindern aus Gesundheitsgründen Äpfel statt Schokolade zu empfehlen. Interessant ist aber vielleicht doch der Hinweis, dass die Substanzen, die bei den Kleinholzwütereien das Hirn fluten, eher schaden. Ja, schaden.


 
Also nix Wellness am Ende, sondern ein Flimmern in der Herzgegend, das zu Arztweißwas führen kann. Also Obacht! Denn das ist ja für die Anger-Room Zielgruppe, insbesondre die Zwanzig- und Dreißplusjährigen schon wichtig: Die eigene Befindlichkeit, der eigene Auftritt auf der sozialen Bühne und die eigene Reputation rundum. Das Eigentum. Die Angst. Der Kurzschluss. Schließen sogar Kinderwägen im Dachgeschosstreppenhaus an, wo nie jemand hinkommt außer Putzenden. Ach, und dem mal entkommen, einen Overall anziehen, der einen rausnimmt aus der Welt, der einen vermummt und schützt, ein Eskapismus-Kostüm par excellence. Das einen nochdazu die böse, unberechenbare Seite ausleben lässt. Böse Mädchen kommen schließlich überall hin — nicht wahr.

Kann ich alles nachvollziehen. Doch mit dem Overallausziehen und dem Fürdenausbruchbezahlthaben ist ja nix weg. Das Gefühl bleibt. Wird gespeichert womöglich als eins, das voll kickt. Möchte nicht neben dem bodygebuildeten Typ stehn, aus dem es dann bei genügend hohem Stresslevel live herausbricht. Aber auch bei einer schwächeren Ausgabe wissen die derart geschulten Hände dann schon, was man effektvoll und wie zum Kaputt- oder Tothauen schwingt.

Dann lieber Dylan, der das Unberechenbare kultiviert. Der besingt, was Menschsein jenseits friedlicher Meditation war. Sein kann. Ist. Wie Patti Smith by the way. Danke Bob, da mir deren Songs näher und vertrauter sind. Noble. Ohne Weihnachtsschmus auch im harten Regen. Einfach Experi-enced.