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Das Gedicht: Nur Sein

15. August 2012 von m&m | Keine Kommentare

Wenn der nächste
Eissturm kommt,
weil die alaskanischen
Dämme schmelzen…

Wenn der nächste Blutsturm
kommt, weil die Angst
vor dem Nächsten immer
größer wird…

Wenn der nächste
Hirnsturm braust
durch dein Gesicht, bis du
im Spiegel dich nicht mehr kennst…

sich das Spielfeld krümmt
am Ende der Berechenbarkeit –
dann bleibt: nur Sein.

Entrée: Lebensräume – Flugrouten

5. Juli 2012 von m&m | 1 Kommentar


 

Noch nicht da gewesen?
Hier ein paar Bilder und Texte unserer Ausstellung:

Früh

Zum See. Frühmorgens,
wenn die Stadt noch schmale Augen hat.

Die Ufer gesäumt
von Suchenden.
Die am Wasser sitzen,
Gedanken schwimmen
lassen,
austreiben, auswuchern,
passen.

Ich wusste doch nicht,
dass Städte sich verkleiden,
sie drauf angewiesen sind,
ihre Plätze tauschen manchmal und
sich wild und heimlich ausschütten vor Lachen.
Dass es so einfach wäre,
Du zu sagen.

Doch die Schwäne.
Heben sich und
tragen mich fort.
 

Unterm Rad

Wie es formt,
das tägliche Schaffen von Zukunft!
Den Stein ein wenig
weiter schieben dürfen.
So ein Glück,
ihn herabrumpeln zu sehn.
Sich einspieln, hochziehn –
immer rasanter hinab, geschickter die Züge hinauf.
Kette und Schuss,
40 mal 45 –

zähl nach.
Die Welt ein Lachen im Kompass,
bis die Nadel springt.
In einer Sekunde nur
alles gewendet, gestoppt,
auf Null.

 

Nachtflug

Ein Leuchten
im Lidschlag
des Monds
eine Lichtspange rafft
All und Rinne des Zufall.

Ein Aufglühn:
Verheißung, Gral, Sirius’ Sehnen.
Gebannt von undeutbaren Zeichen,
gebrannt vom Atem
der Hoffnung.
 

Raus
aus dem Pulsen der Stadt,
dem Wuseln, Wispern, dem Weiterweiter –
aus.

Rein. Einhalt, Einfalt
in Helios’ Blumenspiegel
bin ich leicht.
Dicht gepackt
zwischen den Blütenschnuten
summt die Timeline:
Parallelpendel,
Bienenbilder,
Falterfliegen,
Wespenmasken.

Im Blick der Wendesonne
wachsen mir gelbe Zünglein,
sprießen mir grüne Locken heiterkühl
und silbernes Stromhaar.
Im Herzen des Sommerfelds
bin ich
ich.

wird fortgesetzt (hier: Endspurt).

ausstellung lebensräume – flugrouten: 3.6. – 8.9.12
stadtkirche offenbach, herrnstraße 44
mo – fr 12-18 uhr, sa 11-13 uhr

 

Das Gedicht: Spring

16. April 2012 von m&m | Keine Kommentare

Sprünge #1

 

Leer räumen den Kokon, den
Hort der Häutungen.
Beziehen das Unbezog’ne, Neue
den mehrfach, den leeren Raum
entziehen dem andern,
dem Noch-nicht
entringen das Hier-ich!

Alles kann sein
vor der Niederkunft.
Ein Finden, Schwingen und
Austreiben.
Aufziehn den Elternkreis.

Aber das Band,
die alte Feder der Unruh,
Zug und Gegenzug
Wellentalschmerz und Bergung
bleibt als Furche des Zwischenstands.
Wölbt die Lippen des Gucklochs
die Weiße der Wände
sprengt den Staub des Nichts und Wiedernichts.

Bleibt zwiefach geheftet: Hasta la Vista!
Vaterhands Muttermunds Baby.
Spring, die Augen in die Ferne.
Gib, der Zukunft Raum, dem Neuen Tür –
wie immer es sei.

Es gilt.
Die Ansprünge erkennen und ertragen,
die Spannung neu verdrahten:
Ab jetzt.
Den Vertrag mit dem Morgen schon gezeichnet,
Deal.

Die Kindheit wiegt,
sie bleibt zurück.

Das Gedicht: Winter

29. Februar 2012 von m&m | Keine Kommentare

Yaxies hands #1

 

Winter

Die Dachrinne kahl,
bis auf ein Nest.
Drin zittern weiße Federn, noch vom letzten Jahr.
Wenn der Frühling kommt, wird dies das windige Zuhause
von ein paar Küken sein.

Kannst du sie hören?
Wand an Wand, das schützende Dach über euch
über dir
Nach Jahren auf der Flucht,
des Gehens im Sand
vom Kind zum Mann.

Des Singens, Aufbrechens, Suchens.
Beschimpft, bepisst werdens,
Umgeleitet, ausgenutzt werdens,
des…

Zuhören! Verdammt, ihr sollt endlich zuhören!
Recht für, nicht gegen,
Fluchtwege für Menschen freihalten, nicht
nur als Notausgänge für Banken.

Wem die Sohlen zu lange brennen,
dem brennen auch Hände und Zungen
Notausgänge fürs Erlebte
Freiräume des Denkens
manche kämpfen, manche beginnen zu singen

So wie Yaxie Yax,
nur älter, war Hilde Domin,
der in der Fremde Wasser geschöpft wurde,
die bleiben durfte,
die auch fern ihrer Mutter ihren Fuß in die Luft setzte,
es schmerzte, aber sie trug.

Ihr Nest im Dachrinnenzweig
Deins über den himmelblauen Geländern,
über den roten Teppichfalten..
Rot, auch wenn
Grün deine Lieblingsfarbe ist.
Werden wir tragen?

 

Yaxie ist Yahye

 

Mehr zu seiner Geschichte: Hier im Blog.

Gedicht der Woche: unplugged

24. Oktober 2011 von m&m | Keine Kommentare

Lyrik_#02

unplugged

stäubts
unter stellwänden
geschredderten glücks
brockts bunt, flockt,
hartzt zu die ausgekommenen, ausgesiebten
leeren blicks
die dahocken, farblos gezaust, aschpink und plastik
süchtig nach billigglimmer, overdrive
gierend ohne grund
immer nur: mehr,mehr

dabei fehlt’s passwort
mehr gibt’s nur für die drin
geherzt vom druck: come on the pressure line
nicht auffallen, auffragen
nur einkommen
zeitlos verbraust, züchtig bis ins workout
und zikadesk: mehr,mehr

und?
schreischauwem
gekappt alles
bilder, süchte, blüten
colours run dry
die zukunft ein reisbrei
politisch korrekt

passwort? 1,2,3 und ab:
schreischau
selbst

Gedicht der Woche: Nota

24. September 2011 von m&m | Keine Kommentare




Nota

Nenns Ausgrabung, Kreuzrat, Voodoo –
nimm zwölf mal zwölf und fünf dazu
und legs Orakelbild:
Wem traun?
Dann schüttel ab den schweren Staub
der uralten Zeichen.

Lass draußen den Tod, aber
horch, schau: Vogelflug und Krötenzug.
Dann fädel die Wirbel zur Kette und
schenk sie dem,
der aus Hühnerknochen die
Pfeife zu schnitzen vermag,
die noch unter tausend Zaubereien
erklingt.

 

 

Ocean City – lyrics

12. August 2011 von m&m | Keine Kommentare

OC_#1 Ocean City
OC_#2 Ocean City
OC_#3 Ocean CityAls erstes zum Strand und Mittags wieder
und jeden drauffolgenden Morgen.
Immer. Bis endlich die Landkruste brennt, reißt und abplatzt: Frei!

Weite, Wind, Möwenschrei. Immer. Als ich Kind war,
allein, zu zweit und als das Kind Kind war –
seit fünfunddreißig Jahrn und, mit Wenders Handke,
so ist es heute noch:

Feuchtes Morgensalz verschleiert die Strandcaféscheiben,
später gibt’s Appelgeback met Slagroom, Mittags Sand, abends wirft
der Himmel sein rotes Feueraug ins Meer oder
ins Wolkengeball.

OC_#7 Ocean City
OC_#5 Ocean City
Und Laufen.
Laufen am Strand. Endlos
Füße, Finger durch Sand und Wasser ziehn,
bis unter der Gischt die Haut dampft
den Brand, den Widerpart spürn ohne Druck.
Seele durchspüln, Hirn durchsieben, Herz durchpumpen

Durchs Feuer springen, von Dünung zu Dünung
gegen den Landwind,
der ungerührt Kinderbälle ins Meer bläst,
zu schnell für Mama und Papa
so stark, dass Falter todblind aufs Wasser taumeln.

OC_#6 Ocean City
OC_#8 Ocean City
OC_#9 Ocean City
Welle um Welle verläufts Landgeheck.
Doch, wenn die See das Elementgesicht hisst,
brüllend sandauf rast,
hockt Angst.
Schon ziehn Rettungsbrigadeure die Tore auf.
SOS! Sie schäumen hinaus. Der Leuchtturm pulst Licht.

Tausend Tode stirbts Landherz
bis kühl der Morgen aus der Düne kriecht
Ebbe spuckt tote Vögel und Müll und Mollusken.

Und doch ist die Wasserlinie Leben,
ist Reisen und Schweigen, Nur-sein.
Jedes Mal
neu.
Ocean City #10