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Ferienlesestoff: Eddi Error von Anne Böhme

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Die erste Buchkritik war vernichtend: „Das muss alles neu geschrieben werden, man versteht ja gar nichts.“ Und ja, tatsächlich müsste das Buch komplett überarbeitet werden, richtete es sich an Kinder wie den vierjährigen Neffen der Autorin, dem daraus vorgelesen wurde.

Ja, eine Insiderinfo – und ja, ich gestehe, ich bin befangen: die Autorin ist mir nicht fremd. Habs mir trotzdem vorgenommen. Was ich bei Verrissgefahr bei Freunden wie Kunden eher umgehe. Doch, auch wenn Kritiker natürlich alles anders machen würden, und ich manchmal ganz gerne was verreiße, hier wars nicht nötig. Dazu (wieder mal) mein Lieblingszitat vom Godfather of Buchkritik Reich-Ranicki: „Liebe und Tod, alles andere ist Mumpitz!” Hier geht es eindeutig um Liebe. Zum Leben, den Kindern, der Familie – der Tod (der Robotertod) wird indes nur kurz gestreift. Geschrieben wurde der Kinderroman für ab Sechsjährige, doch auch für ab 30-Jährige ist er gerade richtig dick, kuddelmuddelig und fesselnd.

Für Leseanfänger gibt es durchaus Herausforderungen. Das Schlangenwort Aufräumroboter etwa ist zu bewältigen. Mit zunehmendem Geschichtsfaden wird das immer leichter fallen, denn es geht um eine traumhafte Sache: eine künstliche Intelligenz, die zum Familienmitglied wird. Zum Superkind sozusagen – oder viel mehr: zum Superkumpel.

Eddi Error ist genau das. Wie ein Haustier, nur dass er nicht auf den Boden pinkelt oder haart, höchstens mal Ölflecken produziert – und auch noch von den Kindern der Buchfamilie, Niels und seiner älteren Schwester Jule, lernt. Natürlich sind genau das oft die Stellen, an denen man sich auch als 30plus-Leser schlapp lacht. Etwa, wenn die Eltern einkaufen sind, und die Kinder in der Zwischenzeit die Küche aufräumen sollen. Zu dritt macht das gleich viel mehr Spaß, also wirft irgendwann Jule beschwingt einen Lappen quer durch Küche in die Spüle. Das checkt Eddi sofort als neu Gelerntes ein – und wirft ebenso schwungvoll die Teller hinterher…. Oioioi, schnell raus aus der Küche!

Klar, dass Mama dann gleich die die Nase voll hat von diesem blöden Ding: Krümel an den Füßen und auch noch Scherben auf dem Fußboden – toller Aufräumroboter, der mehr Arbeit macht als wegschafft. Als sie fertig ist mit Schimpfen sitzt Eddi am Boden, zischt – und trifft Mamas Herz. Kränken wollte sie ihn ja nun auch nicht…

Eddi ist Fiktion, aber er hat Vorbilder. In Wien wuselte vor zwei Jahre testhalber der Aufräumroboter Kenny durch einen Kindergarten. Macht Sinn. Denn: das größte Chaos herrscht im Kinderzimmer. Manchmal wächst es auch darüber hinaus, wie jedes Elternpaar auch ohne Forschung weiß.

Anne Böhme schreibt über Dinge, die Geschichten in sich haben. Sie entwirft eine Welt voller lebendig-liebenswerter Figuren – wie Araad, den Freund von Niels, die Flohmarkthändler Ilse und Otto, oder den Erfinder Lopez. Eine Welt, die aber nicht lieblich, und nicht ohne Gefahren und von Susanne Göhlich wunderbar illustriert ist. Fein für weit Unter-30-Jährige ist natürlich, dass es meist die Kinder sind, die darin die zündenden Ideen haben.

Da der Roboter auf verschlungenen Wegen in die Familie kam, ist das 192 Seiten starke Buch auch ein Krimi, weshalb die Herkunft des blechernen Kerlchens hier nicht verraten wird. Jedenfalls nicht die im Buch. Die im wirklichen Leben stammt mitten aus der wirklichen Familie der Autorin – ihr Sohn Ben hat ihn als erster gezeichnet. Die gelben Lampenantennenkugeln, seine Idee. Tatsächlich hat Eddi Error eine Weile in der Familie gelebt, bevor er dann ins Buch ging. Das weiß ich aus sicherer Quelle: von der Autorin selbst. Kurz: feiner Sommerferienlesestoff!
 
 

Anne Boehme: Eddi Error – Unser Roboter krempelt alles um.
(Illustration: Susanne Göhlich)
Thienemann−Esslinger, Stuttgart
192 S, 14,99 Euro
 
 

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