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Fotografie als Waffe? Neues Canon-Makro im Test

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Im Test: Canon EF-S 35mm f2,8 Makro –
featuring Roland Günter und Andreas Feininger

Dem überraschten Fotohändler diktierte Pat eine Objektivbestellung. „Gibts doch noch gar nicht“, wandte der ein. Egal, bitte vorbestellen, insistierte Pat – damit wir dann auch wirklich eins kriegen. Brandneu!
Einige Wochen vorher fiel mein Blick eher zufällig auf einige uralte Bücher, schon so lange im Regal, dass man sie gar nicht mehr sieht. „Die neue Fotolehre“ von Andreas Feininger – Pat packte sich ein zweites obendrauf: „Fotografie als Waffe“ von Roland Günter. Staubalt.
Hier Pats Lese-Funde und Makro-Befunde:

Andreas Feininger: Schöpferische Fotografen sind Künstler im wahrem Sinne des Wortes. … Sie bilden die Avantgarde der Fotografie. Sie sind gewöhnlich zäh, hartnäckig und eigensinnig. Ihre Arbeit ist stets anregend, oft zum Widerspruch reizend und für Leute mit konservativen Einstellungen gelegentlich schockierend. Sie folgen keinen „Regeln“ und respektieren keine „Tabus“. (1)


 

Die Optik ist klein, leicht, handlich und gut verarbeitet. Es gibt ein cooles LED Hilfslicht in zwei Helligkeitsstufen und einen Bildstabilisator. Der Preis liegt bei 430 Euro.

Roland Günter: Gerade Arbeiter haben eine ausgesprochen entwickelte visuelle Kultur: Sie benutzen sehr intensiv ihre Augen zur Herstellung von Industrieprodukten – an der Werkbank, an der Maschine und zu Hause. Arbeiter gehen ständig mit Menschen um. (2)

Günter zitiert Karl Marx: Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts anderes, als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle. (3)



 

Mit einer Brennweite von 35 mm für APS-C liefert sie eine klassische Normalbrennweite auf Kleinbild übertragen (56mm). Für eine Makrooptik ist sie erfrischend kurzbrennweitig, das heißt: mehr Umfeld. Ich finde sowas schön. Maßstab 1:1 geht – und der kürzeste Abstand von der Frontlinse zum Objekt beträgt 3.5cm. Ziemlich gut.

A.F.: Dieser Schaffensdrang ist die Voraussetzung, daß große Fotos entstehen. Es ist der Wille, es immer und immer zu versuchen, um es noch besser zu machen, jedesmal hoffend, dem näher zu kommen, was man sich vorgestellt hat. Darum vergrößern manche Fotografen ein Negativ zwanzigmal hintereinander, bis sie eine bestimmte Eigenschaft oder eine bestimmte Wirkung Herausgearbeitet haben. … Seinem Wesen nach auf die Zukunft eingestellt, glaubt der schaffende Künstler bewußt oder unbewußt, daß sein Werk zur Verbesserung der Menschheit beitragen werde. Und mir scheint, daß jeder, in dem ein schöpferischer Drang lebt, die Pflicht hat, diesem Drang in seiner Arbeit zu gehorchen, wie schwer ihm das auch fallen mag, und seinen Beitrag zum kulturellen Erbe der Menschhheit zu leisten und sei dieser auch noch so klein. (4)



 

Wenn man richtig nah dran ist, wirft die Kamera meist ungünstige Schatten – genau dann ist das LED Hilfslicht richtig knuffig. Licht von links, Licht von rechts oder mittig… Lässt sich wunschgemäß schalten – geht aber auf den Akku.

Und dann gibt es noch diesen Bildstabilisator. Laut Canon soll der vier Blendenstufen bringen. Tja. Da ist nicht viel dran. Aber Makro mit Stabi ist schon besser als ohne.



 

R.G.: Das Medium Fotografie ist ein Mittel, ein Thema in eine Ebene zu heben, in der das Selbstverständliche zugleich selbstverständlich bleibt und nicht mehr selbstverständlich ist: es wird Gegenstand zum Nachdenken, zur Reflexion, zur Problematisierung. Erst dadurch kann es auch für Veränderungen und Entwicklungen interessant werden bzw. diese auslösen. (5)

Eine feine Allrounder-Optik für immer-dabei und gleichzeitig ganz nah ran. Wir finden sie Klasse. Noch? Die Bildqualität ist gut – gehört sich auch so in der Preisklasse, der Autofokus ist sehr gut, eigentlich. Eigentlich, weil der Schwenk von von ganz nah dran auf unendlich nicht klappt – da muss man Hand anlegen und Hilfestellung leisten.



 

A.F.: Von nun an liegt es beim Leser, wohin er gehen und wie er dorthin kommen wird. Niemand kümmert sich darum, welche Mittel er verwendet. Wenige nur kennen seine Persönlichkeit. Aber Millionen können an seinem Schaffen teilhaben. Entscheidend ist allein dies: Wenn das Werk ehrlich und wahrhaftig ist, wenn es etwas zu sagen hat, und wenn es irgendwie dazu beiträgt, daß die Menschen sich und andere, ihre Umwelt und die Welt besser verstehen – welchen Unterschied macht es dann, ob ein Werk mit Pinsel und Farbe auf der Leinwand entstand, mit Meißel und Schlegel in Stein, mit Worten auf Papier – oder mit der Kamera. (6)

Was daran ist alt? Die Neue gehört jetzt dazu, als ein weiteres Mittel des Verstehens. Wahrhaftig.

 

Die Zitate stammen aus diesen Büchern:

Andreas Feininger: Die neue Fotolehre, Düsseldorf/Wien 1973
(1) S. 24, (4) S.43/ S.44, (6) S. 418

Roland Günter: Fotografie als Waffe – Geschichte der sozialdokumentarischen Fotografie, Hamburg/Berlin 1977
(2) S. 10, (3) S. 138, (5) S. 143

 
 
 

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