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Beat the beach! Strandrace in Egmond aan Zee

20. Januar 2016 nach m&m | Keine Kommentare

Wer am Strand Rennen fahren will, muss natürlich im Winter ran. Also, wenns knackig bläst und kalt ist (und keine Touris am Strand brutzeln). Ehrlich: Nie gehört vorher, dass es solche Rennen gibt. Erst waren nur ein paar Radler mehr da. Plötzlich waren sie überall. Tag und Nacht. Bis wir kapierten: die meinen das ernst, die trainieren… Strandrace Egmond-Pier-Egmond, las ich online. Verrückte müssen das sein. Egobiker, Leistungsfreaks. Oder? Denk ich, als ich auf der Website des Küstenorts entdecke, was ansteht: eines der „bekanntesten, größten Mountainbike-Wettbewerbe in Benelux!“, 18. Rennen – rund 3500 Teilnehmer. Und dann sind wir, mitten im Urlaub, mittendrin.

01/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

02/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

03/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Über Nacht füllt sich der nachsaisonal von deutschen Touristen erschöpfte Ort mit Menschen. Holländer, Belgier, paar Deutsche sind auch noch da. Alles belegt, überall radelt wer rum, und Samstag (9.1.16, 11 Uhr), gehts ab… Startschuss am Leuchtturm. Warum liegen hier Strohballen?, fragt ein Junge, und schon zischen sie vorbei, es wird gejubelt, gerufen, geklatscht. Rennfieber pur.

Erinnert mich an Zeiten, als es noch das 1. Mai-Rennen rund um den Henningertum gab. Hach! Jaja, weiß schon, dass dort Rennräder, nicht Mountainbikes unterwegs waren. Aber, die Atmosphäre war dieselbe. Auch da standen schon Tage vorher überall Absperrgitter rum. Die Kollegen vom HR rückten mit Hubkränen an und standen auf dem Holiday Inn für den Überblick… Es gab Radlerbier für alle und die Straßen in unserem Viertel waren pickepackevoll mit Menschen. Oben kreisten Hubschrauber, unten quakte der Moderator aus dem Lautsprecher… Da kribbelt‘s und man klatscht und ruft einfach mit… Hophop! Mooi! Super! Sagt der Holländer. In Sachsenhausen klang das genau wie hier…

05/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

05/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

06/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Achtung! Sie kommen! Der Kollege vom nordholländischen Tageblatt schmeißt sich in den Sand. Andere Pressefritzen fahren bei den Motorbikern oder auf Strandbuggys mit. Und wusch! Ruckzuck sind sie weg, die Profis. Und dann kommen die wahren Helden, die Jedermänner und -frauen. Gefühlt stundenlang ziehen sie vorbei – Hey Jasper! Ho! Ninaa, ho!! Schrei‘n sie neben mir… Und dann johlt und jubelt wieder ein anderer Clan.

Mit Kind, Hund und Kegel, zum Anfassen und Gucken – so muss Rennen sein. Und so isses auch viel schöner, als bei „um den Finanzplatz Eschborn“. Viel. Und, ehrlich gesagt, wir sind angefixt. Was haben wir vor paar Wochen noch gegrinst, als Expatriat Sebastian sein Kuschelbike im Flieger aus NY mit nach FFM brachte – und hier nix anderes zu tun hatte als mit Freunden auf Tour zu fahren… Ich nehms zurück, Seb! Mal sehn, mitmachen.. wär schon.. cool. Echt jetzt.

07/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

08/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

09/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee
 

Aber, bevor ich weiterträum, noch die Gewinner: schnellste Frau war Roxane Knetemann – sie haute die 36 Kilometer in 58,35 Minuten weg – und schnellster Mann Timothy Dupont. Er trat nach 57,12 Minuten ins Ziel. Höchstgeschwindigkeit auf deren Tachos: 50 bis 60 Sachen (mehr hier). Damit haben sie gleich noch den Streckenrekord niedergerockt. Nix für mich, schon klar. Aber, Yeah: Bravo Roxanne und Tim! Yeah!

10/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

11/12 - MTB Strandrace - Egmond aan Zee

12/12 - MTB Strandrace - Endspurt

 
 
 

Sechs mal, Demenz und app

16. Januar 2016 nach m&m | Keine Kommentare

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Auszeit poliert Kontraste. Oder vielleicht ist man einfach nur beim Neustart, sogar nach einem Kurzurlaub, blitzmedienblank. Um so heftiger pulsen am Tag eins die kabellosen Freunde: #geheimnis, #ausnahmslos und #rigaer94. Muss man erstmal kapieren. Während die Speicherkarte Double Exes, Dohlen und Dünen einspeist, während Tweets und fb-Posts auflaufen, die „Ich weiß was!“ zwitschern, „Hier bin Ich!“ oder „Kauf mein XY (Text/Bild/Buch sowas), also während all das piept und brummt und lädt, bleibt es auf der Strecke. Fällt es, das big picture. Die Vision, was mal bleiben soll und was man hinterlassen, besser: mitgestalten möchte. Mankell ruft uns das nach, (Niels) Quaquebeke vor – nur, die Mehrheit möchte nicht. Will nur spielen und „Ich bin dran“ rufen.

Und natürlich Tipps verkaufen, wie man das Spiel am Laufen hält. Hinkriegt, nein, optimiert, sodass so viele wie möglich sich den eigenen Auftritt angucken, liken und reliken. Scheine und Likes (schein breit like Deimonds, deidelt das Autoradio nach der Grenze, bevor ich auschalte). Optimierung. Auf dass alles satt und sauber wird. Gibs durchdachte Strategien und Workshops für. Mit Neurohintergrund. Denn die Hirnforschung hat festgestellt, dass Mozart, Geigen, und die Farbe Rot universelle Aufmerksamkeitshammer sind. Dass der gemeine Mensch sich drei, fünf, sechs (uiuiui), sieben oder Doppelsex, also ein Dutzend, Tipps am besten merken kann. Weshalb Checklisten, Tipps oder Ratschläge mit 3, 5, 6 oder 7 Punkten, Spiegelstrichen oder fetten Markern am einträglichsten seien, und Teaser mit Reizwäscheworten á la Sex-Skandal, Geheimnis, Diät oder Mör-der-blut am grabschigsten teasen. Nach dem Urlaub fällt mir das wieder besonders auf. Erinnert mich an vorappiale Zeiten. Oder an Wettbewerbe der taz-Wahrheit. Wer mitmachte, war gefordert extrem bekloppte Worte in einem Text unterbringen – und wer krass gut darin war, dem winkte eine Flasche Cognac. Hieß es. Den hat die Wahrheit sicher selbst gesoffen, @besserdeniz großgezogen und an die Welt weitergereicht.

Auszeit also. Reduzierend wie gute Küche. Gut. Aber nur relativ gut, wenn es demente Verwandte gibt. Dann ist ansprechbar sein ein Muss. Kontakt. Halten. Sogar aus Vietnam wird 2x am Tag dorthin telefoniert. Nur um zu hören: Wer bin ich? Wo muss ich zum Essen hin? Was soll ich bloß machen? Kriegt man Angst vor der Zukunft – und Party und Kaffeeklatsch (twitter und fb) gerinnen zum hypersurrealen Quark. Wer berichtet eigentlich davon? Gibt Platz dafür? Redefreiheit? Wo nicht mal #Pflegenot genügend diskutiert wird.

Eine Woche lang nur die SpOn-App: Wohnung des Paris-Attentäters gefunden. Polen bestellt den deutschen Botschafter ein. Die “Ereignisse“ von Köln. Spuckt Botschaften, die wie surreal vorbeidriften. Weil man eigentlich nur die Kanäle leeren und allerhöchstens die allerwichtigsten Neuigkeiten will, um den Tagesplan auszurichten. Also: Wie wird das Wetter?

Zurück in die Zukunft katapultiert hat mich aber nicht die Ankunft in der Medienheimat, sondern „Radio Veronika“. Hätte nie gedacht, dass sich der Moderator des nordholländischen Senders genauso anhören könnte wie Schwester Marion oder Onkel Lars von HR1. Echt jetzt. Sogar die Werbung wie geklont. Dass man nicht alles, versteht ist ja normal. Ist man also doch und echt Europäerin?! Super! Medienoptimierung ohne Grenzen. Nur, die Veronika-Musik war besser. Aber da hatten wir eh keine Not, waren blauzähnig verkoppelt.

Dank App, Demenz und Wifi, blieb uns das Grundrauschen. Die mediale Nabelschnur, die nie abfällt. Zuhause aber, in der Brandung, wird grundoptimiert: Ich lösche die Freundschaftsanfragen derer, die ich nicht kenne und entfreunde mich von denen, die nie reagieren. Mit denen mich nichts verbindet. Nicht mal Demenz.