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22. August 2015
von m&m
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Villa Monte – Foto(Essay)-Band von Beat Streuli

Uh wie quietschig! Das war mein erster Gedanke, als ich den Buchtitel im Internet fand, den Bernd Pulling mir empfohlen hatte. Ich hatte nach Buchtipps für den Artikel gefragt, den ich gerade über „unsere“ Montessori-Naturschule in Ettenheim schrieb, zu dessen … Weiterlesen

Posh Blitz! Ausstellung GDT 2014

17. August 2015 von m&m | Keine Kommentare

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Gleich das erste Bild, auf das ich zusteuere, bleibt mein Favorit: Halsbandsittiche über einem Londoner Friedhof. „Posh pidgeons – schicke Tauben“ lautet der Titel. Posh, weil sie für die Londoner Normalo-Vogelwelt überirdisch grün sind; Pigdeons, weil sie in dieser Gegend Englands mittlerweile so zahlreich sind wie Tauben, erklärt Fotograf Sam Hobson. Er hat ihnen nachrecherchiert, die abendlichen Flugroute zu ihren Schlafplätzen entdeckt. Gewartet – und märchenhaft geblitzt!

In diesem GDT-Ausstellungs-Jahr wurden viele märchenhafte Unschärfe-Bilder ausgezeichnet. Manchmal nur Schemen, die den Bewegungsmoment ans Herz funken. Wie jedes Jahr finde ich den Ausstellungsort genial. Die Bahnhofspassanten betreten geradezu magisch angezogen das Schaukästen-Karree. Natürlich zücken sie die Handys: ich war hier! Etwa beim Bärenbild, wo ein Eisbär durch eine Öffnung in der Schiffswand schaut. Eine fotografiert, die Zeitung untern Arm geklemmt und nimmt die Gepardin mit, die eine Gazelle jagt. Über uns riesige i-Phone-Foto-Werbebanner. Solche Bilder sind hier unten in der GDT-Welt kein Thema.

Hängengeblieben sind mir: die Eule im Dunkel; der kleine (Schmetterlings)Fuchs in der Kirche: das Schneckenauge, umgeben von traumhaft schönen Lichtreflexen; dass laichende Korallenriff (nie bewusst gemacht, dass Riffe laichen); der planktonfischende Rochen als ein abgefahrenes Raumschiff; der Sonnenuntergang auf dem Eis; die goldenen Schatten der Kiefern in Norwegen oder Finnland… Bilder, bei denen man wünschte, alle sähen ein, welches Juwel wir zu Füßen haben und stellten alles umweltzerstörende Verhalten ein. Umgehend. (Soundtrack: Some-times I feel – like a mo-therless child.)

Am meisten aber berührt, wenn die Schnittstelle zwischen Mensch und Natur aufscheint. Letztes Jahr darunter mehr mahnende Bilder, scheint mir. Der traurige Affe auf der Bühne etwa oder der sterbende Wal. Dies Jahr mehr Momente des Alltags, die ja auch zunehmend in der Natur Platz nehmen. So wie die poshgrünen Sittiche oder die beiden Singschwäne, die sich in der Glasfassade des Reijkjaviker Harpa-Theater spiegeln.

Anhalten, gucken. Frankfurt/M. Hbf ist vorletzte Station – noch bis 21 August hängen die Bilder in der Halle des Hauptbahnhofs, danach weren sie noch im Bahnho Dresden Neustadt gezeigt (23. August bis 1. September).
Gibt auch wieder einen schönen Katalog:

 Umschlag 2014
 Europäischer Naturfotograf des Jahres 2014
 und Fritz Pölking Preis 2014
 144 Seiten, 109 Abbildungen, 20 EUR
 Tecklenborg Verlag

 

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Max, 19 Jahre, leicht dement

12. August 2015 von m&m | Keine Kommentare

Unser Seniorkater Max war ja immer schon etwas gaga, aber jetzt – ist er altersgaga

Kater Max
 
Es kommt direkt aus dem Bauch: Wiauurouhh-aah!! Wiauurouhhhaa! Selbstvergessen, Oooommm pur sozusagen. Minutenlang. Ein sattes Röhren, das am Ende oft in haltloses Geschrei kippt. Ziege? Pfau? Baby? Nein! „Was Sie da hören, ist meine Katze…“ Fast jedes meiner Telefon-Interviews startet mit diesem Hinweis. Und immer öfter höre ich dann: „Ohja, kenne ich. Wir haben auch so eine.“ Max und seine greisen Mitkatzen und Mitkater sind raus aus dem lustigen Youtube-Clip Alter, sie sind dement und das ist nicht immer komisch.

Bis vor fünf Jahren noch redete niemand von dementen Haustieren. Doch je besser die medizinische Versorgung, die stressfreie Haltung, das Futter, desto so älter werden Haustiere. Und desto mehr Alterskrankheiten bekommen sie. Ganz wie der Mensch. Tierärzte beobachten das schon länger, doch die Tierbesitzer trifft der Elchtest in Sachen Pflege meist unvorbereitet. So wie uns an Silvester. Unser älterer Kater war schon immer sehr speziell in Sachen Futter. Kleine Häppchen, am liebsten vom Feinsten, bloß nix Unbekanntes, aber auch bloß nicht immer dasselbe. Doch nun ging gar nichts rein. Dafür kotzte er sich die Seele aus dem Leib. Also Tierarzt.

Aufbauspritze. Bluttest. „Kommense morgen wieder, wenn er nicht frisst.“ Am Neujahrstag? „Ja klar.“ Der Kater fraß nicht, war nur mehr ein Häufchen Elend. Also tatsächlich an Neujahr wieder zum Arzt. Wieder Spritze. Wieder „Kommense morgen wieder.“ Und dann die Diagnose: „Niereninsuffizienz“ verbunden mit dem Kommentar: „Als Mensch müsste er zur Dialyse. Als Hund wär‘ er schon tot.“

Und als Katze? Kriegt er bis heute Elektrolytlösung unter die Haut gespritzt, denn diese Flüssigkeit bleibt dem Stoffwechsel erhalten, auch wenn der Magen sich umstülpt. dazu Nierentabletten, Diätfutter (dreimal so teuer wie normal), Verdauungspaste. Nach vier kostenintensiven Tagen kam mir der Arzt entgegen: Wenn wir das Spritzen selber übernehmen wollen, würde er mir jetzt zeigen, wie es geht. Was? Mir?

An jenem Tag war ich mit dem Kater alleine da. Also bekam ich den Exklusiv-Workshop und seitdem ist Spritzen mein Ding. Anfangs zweimal täglich vier Pullen á 20 Milliliter. Ausgerechnet. Ich. Die früher beim Tierarzt umkippte. Kann kein Blut sehen, da macht mein Blutdruck schlapp. Tja. Was dann so alles doch geht. Die Arschkarte habe übrigens der, der den Kater festhalten muss, merkte der Tierarzt an. Und die hat mein Mann. Dem sollte man jetzt übrigens nicht blöd kommen, gibt ordentlich Muckis die Katzenhalterei. Max, dieses alte Knochenhemd, das kaum noch drei Kilo wiegt, kann noch gut gegenhalten. Alles im Kopf kann eben Willenskraft werden. Selbst bei Katzens.

Kater Max
Kater Max
 
Das Aufreibendste aber war, die Balance wieder herzustellen. Da Max immer knochiger wurde, kriegte er zu fressen, wann und was immer er wollte. Sein Katerkumpel Robbie dagegen, der immerhin auch schon 12 Jahre bei uns ist, bekam dann nichts. War ich besorgt oder genervt oder besorgt und genervt wurde er schon auch mal weggeschubst. Das Ergebnis war wenig überraschend: voll neurotisch. Keiner liebt mich, dachte er und leckte so lange an seinem Bauch, bis der wund war….

Mittlerweile haben wir Routine. Robbie ist rund und gesund, und Max bekommt Spritzen, sobald wir erfühlen, dass er sie braucht. Als bester Ort dafür hat sich, entgegen allen Empfehlungen, ein Weidenkorb erwiesen, der auf dem Boden steht und sein Rückzugsort ist. Wir warten, bis er richtig schläft und überraschen ihn dann. Klappt nicht immer, denn Max Holzauge ist wachsam. Da er taub ist, muss er geradezu riechen, was wir vorhaben. Manchmal meckert er. Anfangs hab ich das mit „Aua!“ übersetzt, geschwitzt und gedacht: der Arme! Aber unser Tierarzt schüttelte nur den Kopf. „Der kennt Sie und trickst. Es tut nicht weh.“

Manche Verwandte und Freunde verbinden mit Spritzen nur Schmerzen und Blut. Und fragen immer wieder: Wie lange wollt ihr das noch machen? Soll heißen, wann lasst ihr ihn endlich einschläfern? Mich nervt diese Frage mehr als Max. Und die Tierarztcrew betont: „Dürfen wir gar nicht. Seit 2013 gibt es ein neues Gesetz, das vorschreibt: einschläfern nur bei Indikation.“ Immer mehr Leute aber kämen, weil sie genug hätten von der Arbeit mit dem alten, kranken Tier. „Wir machen das nicht, aber es gibt genug andere.“

Überraschende Erkenntnis: Tiere machen Arbeit. Vor allem wenn einer wie Max das Katzenklo nicht findet. Vielleicht auch gar nicht sucht. In einem Katzenratgeber den Tipp gelesen, alten Katzen einfach mehr Klos hinzustellen… Öhm. Wir haben zwei, die ständig gesäubert werden. Dazu bräuchte Max eins vorm Bad, eins vor der Haustür, allein drei im ehemaligen Kinderzimmer: eins vorm Fernsehsofa, eins in der stillen Ecke und eins vor der Heizung, dazu schließlich noch je eins vorm Herd und vorm Kühlschrank.

Kater Max
Kater Max
 
Meist kotzt oder pisst er frühmorgens, was die Sauberkeit unseres Haushalts enorm erhöht. Luft anhalten, gelbe Gummihandschuhe überstülpen, einatmen, lila Putzmittel ins Wasser spritzen, ausatmen, nicht aufregen – und alles wird gut. Domestic Stories… Urlaub gibt’s seit zwei Jahren nicht mehr. Denn natürlich kann man die beiden so niemandem zumuten.

Dass unser Mäxchen das noch mitmacht liegt an seiner Zähigkeit, unserem Arzt und unserer Flexibilität dessen Anweisungen situationsgerecht umzusetzen. Daran, dass wir es schaffen Spritzen zu verabreichen, selbst unter Streit oder Stress, oder gar unter dem Schulterblick von Schwiegermüttern; sowie der Fähigkeit zu arbeiten, auch wenn der Schreikater an schlechten Tagen jeden kreativen Gedanken niederplärrt.

Bei alten Katzen ist es ähnlich wie bei Menschen: Demente schreien. Hunde tun das nicht, die stehen eher versonnen vor der Tür und haben vergessen, warum. Unsere Tierarztassistentin findet deshalb demente Katzen „viel interessanter“. Stimmt. Ist kaum zu toppen: Vom Röhren und Schreien übers Maulen und Meckern bis zum Quäken, das ich nun wirklich hasse. Denn es meint mich. Trifft zielsicher mein Ich-raste-gleich-aus-Zentrum. In Kurzintervallen ausgestoßen will es mich aus dem Bett, vom Bildschirm oder Telefon sprengen. Einatmen, ausatmen, ruhig bleiben. Schließlich ist es die Ansage, die wir schon seit Jahren kennen: Personaa-al! Essen hinstel-len! Sofo-ort! Nur penetranter.

Obwohl… Wenn ich zurückdenke… Als Max noch ein süßes, federleichtes Katzenbaby war, raste er ratzratz die Wände hoch. Zum Prusten komisch, wenn man von den Kratzspuren auf der Tapete absah. Als die Wohnung renoviert war, der Kater älter und schwerer, rupfte er die Tapete dann einfach auf Tatzenhöhe in Fetzen. Immer genau neben der Tür, die gerade geschlossen war. „Mensch ey! raus aus dem Bad!“, hieß das dann – oder, „Kommt endlich nach Hause!“ – oder eben „Raus aus dem Bett! Verdammte Kralle!“

Wie lange noch? Solange er frisst, keine Schmerzen hat, aus vollem Hals brüllt, sich uns trotz all der blöden Spritzen auf den Schoß schmeißt und allerliebst schnurrt, sich also offensichtlich wohl fühlt. Wir wetten, er wird 20. Wahrhorrouruhu!

 
 
 
(Diese Katzen-Demenzreportage gabs am 8. August in der taz am Wochenende)

5785 Hektar for 13. Schömberger Fotoherbst!

6. August 2015 von m&m | Keine Kommentare

Mit unserer Serie „5785 Hektar – Stadtwald Frankfurt“ sind wir beim 13. Schömberger Fotoherbst, dem Internationalen Festival für serielle Reise- und Reportagefotografie. Schwarzwald wir kommen! (9. Oktober bis 8. November 2015)

Überquerung

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Waldstuhl

Frosch

Baumharz
 

Barfuß auf der Borke, bäuchlings im Farn oder mit dem Tele wartend im Gebüsch: wir haben ein besonders enges Verhältnis zum Frankfurter Stadtwald. Seit 25 Jahren erkunden wir fast täglich das Grün vor unserer Haustür zu Fuß oder mit dem Rad. Erleben ihn immer wieder anders, entdecken Unbekanntes – oder genießen das Ritual der Wiederholung auf bekannten Wegen. Für manchen Städter dagegen ist schon ein Reh ein exotisches Wesen, ihm ist der Naherholungsforst ferner als der malaiische Regenwald, in dem er vorgestern noch über eine Hängebrücke lief… Diese fortschreitende Entfremdung bewegte uns dazu, unser Langzeitprojekt zur Serie „5785 Hektar – Stadtwald“ zu bündeln. Der stadtnahe Wald fasziniert uns, weil er so viele Facetten birgt. Trotz der starken Nutzung und der Geringschätzung, die manche nur für ihn übrig haben, erfüllt er tagtäglich zahlreiche Funktionen: ist Luftfilter, Wasserreservoir, Lärmschutz, Erholungsgebiet – Kultur- und Lebensraum zugleich.

Er kann eine Oase sein, doch er ist kein einsamer Ort. Von Joggern und Hundebesitzern wird er ebenso intensiv genutzt wie von Förstern und Wirtschaft. wir haben in den letzten Jahren Flughafen, Bahn, und Straße immer tiefer in den Wald vordringen sehen und in Reportagen auf den mangelnden Schutz und die wichtigen Funktionen des Waldes hingewiesen. Umso mehr freuen wir uns daher über das hingabevolle Staunen von Menschen, wenn plötzlich vor Ihnen ein Damhirsch den Weg kreuzt. Und sind verwundert, wie wenige den Unterschied zwischen Reh und Hirsch kennen oder wissen, wie wichtig der Wald für die Metropole Frankfurt ist. Mit unserem Reportageprojekt wollen wir diese Vielfältigkeit abbilden, diese wunderbare Welt aufschließen. Und zeigen wie wertvoll sie ist. Dazu passt der Begriff von Heimat von Ernst Bloch: „Die vergesellschaftete Menschheit im Bund mit einer ihr vermittelten Natur ist der Umbau der Welt zur Heimat.“

Hirsch

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p8-1025

Pressspan

p10-1034