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Die K-Frage: Zeit für Fritz?

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„Ideen sind das Geld von Morgen“ – lautet der Text eines Werbe- Plakats, der mich nicht mehr loslässt:. Die Schrift war eine Montage aus Geldscheinen. In seiner Plattheit ist es ja kaum zu überbieten, dabei ist es Werbung für den Art Directors Club. Eigentlich nicht der Rede wert, und doch. Es ist eine Weile her, da hing an fast der selben Stelle ein anderes Plakat im Zentrum ein aalglatter Jüngling, schick aufgetakelt, breites Grinsen – und die Aussage war etwa die: „Geschissen auf die Werte – eigentlich wollen wir doch alle nur eins: viel Geld verdienen (egal wie) und gut leben (egal auf wessen Kosten). Und weil die neueste Plakatierung diese platten Werbebotschaften perfekt abrundet, beschreibe ich es auch gleich noch: „Pommes im Ofen, Zeit für Fritz.“ Der Junge, für den Mama jetzt Zeit hat, (weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Pommes nicht selbst gemacht hat?) sitzt etwas unentspannt auf dem Tisch vor ihr. Ätzend. Das Weltbild, das Erziehungsbild, die Wortwahl. Viele sagen ja, der Journalismus sei tot (gespart) – die Werbung auch. Und andere Zweigen der menschlichen Kultur hängen ebenfalls durch oder am Geldtropf.

Es gab Zeiten, da waren Journalisten, Künstler, Werber allesamt kreative Wettstreiter um die Avantgarde – sich gegenseitig gering achtend – aus Prinzip und Sportgeist. Auf allen Seiten gab es glänzende Ideen und unglaublich irre Projekte. Doch es ist zu vermuten, dass Kreativität einfach nicht mehr erwünscht ist, ebenso wenig wie Kritik. Wird beides weder gefördert noch bezahlt. Das einzige K-Wort, das noch gilt, heißt Konsum. Ich konsumiere, also bin ich. Haben macht erst das Sein aus. Und befördert uns in ein schwarzes Kulturloch. Wichtig und angesehen und investiert wird nur darein wo man was man zu Geld machen kann.

In einem interessanten Vortrag spricht Klaus-Jürgen Bruder (Psychologe an der Freien Uni Berlin) von der Kluft die sich währenddessen zwischen Armen und Reichen auftut – und neben Kritik, Kultur und Kreativität auch gleich noch die Solidarität mit denen, die weniger haben, verschluckt. Heute könne man sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass es mal „eine politisierte Öffentlichkeit gegeben hat, „die die Verhältnisse ökonomischer Ungleichheit, Benachteiligung und Entrechtung so angeprangert hat“, mit einer Wirkung, auf die „der Staatsapparat nicht eingerichtet war“. Bruders Vortragsschluss ist ziemlich griffig: „Die parlamentarisch-demokratischen Staaten machen nicht nur die Demokratie, sie machen den Faschismus überflüssig.“ Er nennt das was heute geschieht „Massenloyalität“. Seine Ausführungen lassen mich daran denken, dass die Konsumdemos auf der Zeil, oder in anderen Ladenansammlungen jedes Wochenende etliche tausend Menschen mehr zählen, als alle Occupy- oder Fluglärm-Montags-Demos zusammen. Auf einem unserer Bilder in der Ausstellung „Lebensräume – Flugrouten“ (die wir übermorgen eröffnen) ist ein Graffiti von 2000 eingefangen: „Stell dir vor es ist Montag und niemand geht hin.“

3 Kommentare

  1. Danke für die Kommentierung des Plakats „Zeit für Fritz“. Ich habe es heute gesehen und war entsetzt über das Frauen und Familienbild. Wie wäre es, wenn beide mit Zeit die Pommes selber machen in der Küche? Gleichzeitig habe ich aber an das Gedicht von Heinz Erhard gedacht:
    Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig,
    weiß man zwar viel, doch viel zu wenig.
    So ist es den meisten nicht bekannt,
    dass er die Bratkartoffeln erfand.
    Drum heißen sie – das ist kein Witz- pommes fritz.
    Also ab mit Vätern, Königen und allen Fritzen in die Küche.

    • Hallo Eva Reiß,

      stimmt das wirklich mit (pommes) fritz?

      Morgen kommt der Sohn, dann mach ich dann doch lieber Bratkartoffeln.

      • Nun, der Preußenkönig hat die Kartoffel eingeführt und einiges dazu getan, dass die Bauern die Früchte anbauten. Gegen die Hungersnöte, weil die Getreideernte schlecht ausfiel, konnte die Kartoffel helfen, fand Friedrich. Es war schwer die Menschen zu überzeugen, die Kartoffel anzubauen, zuzubereiten und zu essen. Ich habe gelesen, dass er die Kartoffelfelder von Soldaten bewachen ließ, so dachten die Menschen, dass sei etwas wirklich Wertvolles und haben es auch versucht. Ich denke, dass wäre doch mal was, wenn Soldaten auf der Welt nicht Schlachtfeldern, sondern anderen Feldern ihr Augenmerk schenken würden. Kartoffeln statt Waffen!! Dem Alten fritz, dem Soldatenkönig sei´s gepfiffen.

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