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Hart am Wind: Fluglärm ahoi!

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Schwalben falten und in Fraports Terminal 1B (Rhein-Main-Montagsdemo) fliegen lassen. Das wär doch mal nett, denk ich so bei mir. Paar Tage später les ich auf facebook, dass andere auch auf die Idee gekommen sind, aber woanders: „Familien gegen Fluglärm“, das Elternbündnis der Frankfurter Martin-Buber-Grundschule. Übermorgen, Freitag 27. Januar, lassen die Papierflieger vom Turm der Bergkirche segeln und schicken die echt leisen Papierjets dann an die Landesregierung. Warum? Täglich dröhnen bis zu 400 Maschinen direkt über das Schulgebäude am südlichen Rand Frankfurts, für Laien undefinierbarer Flugfeinstaubdreck rieselt herab, die Flughöhe liegt unter 400 Metern, die meisten Flieger haben das Fahrwerk schon ausgefahren – ist noch mal lauter. Die Einrichtung ist als „Umweltschule“ ausgezeichnet. Weil keiner der Stadt- oder Landespolitiker eine Antwort für nötig hielt oder sich gar blicken ließ – jetzt also Aktion Papierflug.

Apropos Segeln. Laura Dekker soll noch vor ihrer Abreise, die Diagnose Borderlinerin gekriegt haben, damit kann man Leute gut abstempeln. Durch den Segeltörn jetzt soll sie auch noch ihren Gemeinsinn verloren haben, urteilt Psychologe Michael Winterhoff. MannMannMann. Müssen aber viele hessische Politiker als Kinners allein übern Teich gesegelt sein. Wo war ich? Lebenssinn, Leidenschaft…Gemein… Nicht Sint Marten, Martin-Buber, Papiersegler… Genau. Prima Idee! Helf ich doch mit (meine Straße, mein Flugzeichen oder so).

Verteilerkraft gebraucht? – ja, gern! Tags drauf verteil ich Plakate. Große und kleine und Flugblätter. Und erlebe kostenlos mal wieder diese hautnahe Version der Straßendirektansprache: Wolln Sie vielleicht auch ein Plakat aufhängn? „Klar, sagt die eine“ und grinst, „Hamwerschon“, auch die nächste lächelt mir nett. „Eigentlich nicht…“ (Hey, Wolladenfrau enttäusch mich nicht. Entbrennt einem ja doch der Ehrgeiz: Will sie alle hängen sehn!) „…aber – ich machs.“ Glück gehabt.

Wer noch? Familien? Familien! Ich besuch unsern alten Kindergarten. Klar nimmt die Leiterin ein Plakat. „Muss erst die Chefin fragen“, sagt die Apothekerin, nimmt eins und gibt mir zwei Bonbons raus. Und dann kommt, was ja auch kommen musste: „Nein. Tut mir leid, mach ich nicht, die Leute, verstehen Sie? Lieber gar kein Plakat dann krieg ich auch kein Ärger mit de Leut.“ Ob ich da noch mal ne Zeitung kaufe? Bei der letzten Plakataufhängaktion am Goetheturm krieg ich sogar noch mein Fahrrad aufgepumpt. Kommunikation satt, direkt unterm Flieger, der gerade über uns hinwegrauscht.

Und am nächsten Tag dann natürlich Plakate gucken. Seid ihr noch alle da? Nö. Zwei abgerissen, eins ordentlich gebeutelt. Die anderen strahlen: Nicht vergessen! Freitag. Lebenslustdemo, 16 Uhr Darmstädter Landstraße, Eingang Südfriedhof, bei Ostwind lärmfrei. Papiersegeltag der umweltschul- und lärmfrei-erziehungspflichtbewussten Familien.

Ein Kommentar

  1. ich habe mich sehr gefreut, als ich die Plakate überall in der Gegend habe hängen sehen und komme morgen zur Demo!!

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